Abo

Todes-Welle aus dem NichtsExperte mit düsterer Prognose für die Nordsee

Touristen bei einer Wattwanderung im Wattenmeer

Copyright: IMAGO / STEINSIEK.CH

Touristen bei einer Wattwanderung im Wattenmeer.

Aus dem Nichts kommt die Flut. Ein Experte warnt vor einer Katastrophe.

Die Sonne scheint, ein sanfter Wind weht, Hunderte von Touristen sind im Watt unterwegs. Von Cuxhaven aus macht sich eine Familie mit ihrem Nachwuchs auf den Weg zur Insel Neuwerk, ein zauberhafter Augenblick. Aber dieser Frieden ist zerbrechlich. Was würde geschehen, wenn aus heiterem Himmel eine gewaltige Flutwelle ankäme? Eine schreckliche Vorstellung, bei der Menschen einfach umgerissen und auf die hohe See hinausgespült werden.

Ein Wissenschaftler, der Tsunamis erforscht, betrachtet dieses Szenario, das an einen Gruselfilm erinnert, als beunruhigend real. Jörn Behrens, Professor für numerische Methoden in den Geowissenschaften an der Universität Hamburg, äußert sich dazu mit den Worten: „Es wäre eine Katastrophe“. Nach Überzeugung des Fachmanns kann eine derartige tödliche Welle an der Nordsee praktisch jederzeit auftreten. Jährlich erfassen Messinstrumente diverse kleinere Tsunamis, von denen die Mehrheit gar nicht wahrgenommen wird. Das berichtet „t-online“.

„Seebären“: So nennen die Einheimischen das Phänomen

Die Einheimischen an der Küste bezeichnen die stärkeren dieser kleinen Tsunamis als „Seebären“. Welche Wucht dahintersteckt, demonstriert eine Aufnahme aus Zandvoort in den Niederlanden von 2017: Am frühen Morgen flutet eine Welle den Strand und nimmt dabei Strandkörbe mit. Behrens kommentiert dazu: „Wenn da Kinder gespielt hätten“, „wären die weg gewesen“. Bereits im Jahr 1957 hat ein „Seebär“ in St. Peter-Ording bei Flaute etliche Fahrzeuge auf einer Sandbank erfasst, so meldete es seinerzeit das „Hamburger Abendblatt“.

Aber es hat schon Menschenleben gekostet. Auf Sylt kamen 1969 vier Jungen ums Leben, die in einem Erholungsheim untergebracht waren. Die „Sylter Rundschau“ notierte, die Welle sei „Wie aus dem Nichts“ erschienen. Das Unglück ereignete sich, während die Kinder bei gutem Wetter mit ihren Aufsichtspersonen im Wasser spielten.

Ein Moment, der unter die Haut geht: Retter musste Jungen aufgeben

Was ein Rettungsschwimmer damals durchmachte, war entsetzlich. Kinder im Alter von acht und neun Jahren hielten sich an ihm fest und riefen um Hilfe, doch er drohte selbst unterzugehen. „Ein Junge hatte mich so gepackt, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte“, schilderte der Mann später. „Da musste ich ihn ja losmachen. Das war ein Augenblick, den ich einfach nicht loswerde – als ich den Jungen untergehen sah.“

Anders als im Pazifik, wo Seebeben die Ursache sind, werden diese Meteotsunamis in der Regel von rasch wandernden Gewitterfronten über der Nordsee ausgelöst. Durch Luftdruckschwankungen wölbt sich das Meer auf. Wenn die Front im selben Tempo wie die Welle vorankommt, verstärkt sich diese und bewegt sich unaufhaltsam fort, auch nachdem das Gewitter schon lange weg ist. Hierbei gerät die komplette Wassersäule bis zum Meeresboden in Schwingung.

Warum schon eine niedrige Welle tödlich ist

Die Bedrohung ist heimtückisch. „Eine Tsunamiwelle muss nicht besonders hoch sein“, erklärt Mathematiker Behrens. „Es reichen 50 Zentimeter – und es ist schon kaum noch möglich, stehenzubleiben.“ Menschen werden über Minuten von einem Sog erfasst, dessen Kraft mit einem starken Fluss vergleichbar ist. Ein tragischer Vorfall am 16. Juli 2018 auf Mallorca verdeutlicht die fatalen Folgen: Ein 52 Jahre alter Familienvater aus Deutschland wurde von einer solchen Welle, die man dort „Rissaga“ nennt, ins Meer gezogen und verlor sein Leben.

Noch bedrohlicher ist die Situation, wenn die Flut auf Häfen oder Buchten trifft. Dort können sie sich durch Reflexionen zu meterhohen Wasserwänden aufbauen. Ein Meteotsunami in der Bucht von Nagasaki im Jahr 1979 wuchs auf beinahe fünf Meter an, was drei Menschen das Leben kostete.

Ruf nach Warnsystem für deutsche Küsten

Im Gegensatz zu den Balearen und der Adria, wo es schon Frühwarnsysteme gibt, würde eine solche Welle die deutsche Nordseeküste völlig unvorbereitet erwischen. Behrens plädiert daher: „Ich glaube, wir sollten eine Warnmöglichkeit haben“. Sein Ziel ist die Entwicklung eines Vorhersagemodells speziell für die Nordsee. Erforderliche Informationen von Wettersatelliten sowie Messungen des Meeresspiegels sind bereits verfügbar. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit gering wirken mag, ist der Wissenschaftler überzeugt: „Wenn es passiert, stehen Menschenleben auf dem Spiel.“ (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Polizisten sind auf einer Straße im Einsatz. Einige sind schwer bewaffnet.

Dramatische Szenen in Istanbul

Schüsse vor israelischem Konsulat – ein Toter