Ein Jugendlicher verliert sein Leben nach einem Sturz. Zehn Männer auf der Anklagebank. Das Urteil erschüttert – die Hintergründe sind unfassbar.
Todes-Drama um Saif (15)Richterin spricht von „Horrorfilm“

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Richterhammer auf blau-violettem Hintergrund.
Was sich im Gerichtssaal abspielte, brachte selbst eine routinierte Richterin an den Rand ihrer Fassung. Bei der Verkündung des Urteils im Fall des fatalen Sturzes von Saif Ibrahim (15) in Hamburg nutzte sie das Wort „Horrorfilm“. Auf der Anklagebank saßen zehn junge Männer, deren gewalttätiger Streit mit einem Todesfall sein schreckliches Ende fand.
Die Verhandlungstage waren für Ali Ibrahim, den Vater von Saif, eine Tortur. Er musste ertragen, wie die dunkle Seite seines Sohnes enthüllt wurde. Über den Jugendlichen sagte die Richterin: „Er war kein Unschuldslamm“. Das berichtet „FOCUS online“.
Geld, Ehre, Gewalt: Ein Streit unter Freunden läuft aus dem Ruder
Täter und Betroffene waren früher eine Clique, die oft zusammen am Jungfernstieg unterwegs war. Ein Großteil von ihnen kommt aus einer syrischen Ortschaft, die durch den Bürgerkrieg zu großen Teilen in Trümmern liegt. Saif war im Jahr 2015 mit seinen Angehörigen aus dem Irak geflüchtet. Die Vorsitzende sprach von einer „desaströsen Fluchtgeschichte“, die jeden von ihnen gezeichnet habe.
Auslöser der Auseinandersetzung waren wohl Machenschaften im Bereich der Geldwäsche. Eine Person, bekannt unter dem Namen „Terzi“, wurde von der Clique um Taha A. sowie Saif geködert, verschleppt und gequält. Aufnahmen belegen, wie er im Fahrzeug mit glühenden Zigaretten gepeinigt wurde. In der Folge zerbrach die Freundschaft zwischen Taha A. und Almoayed A. – die exakte Ursache konnte nicht ermittelt werden.
Panik und Angst im 8. Stockwerk
In der Zeit danach spitzte sich die Lage weiter zu. Es kam zu einer großen Keilerei, bei der Taha A. einem Gegner 250 Euro wegnahm. Die Bedrohungen nahmen an Heftigkeit zu. Almoayed A. verkündete in einer Voice-Message, dass er einen von ihnen umbringen müsse. Laut der Richterin litt die Clique um Saif unter „riesige Angst, Todesangst“.
Um 1.08 Uhr in der tragischen Nacht drangen sieben der Beschuldigten in Taha A.s Appartement im achten Stockwerk ein, während drei Komplizen unten Schmiere standen. Voller Panik alarmierte Saif die Einsatzkräfte, schleuderte sein Mobiltelefon auf eine Couch und rannte auf den Balkon. Einem Kumpel gelang die Flucht über das Geländer eine Etage tiefer. Als Saif ihm folgen wollte, verlor er den Halt – und fiel in die Tiefe.
Hohe Haftstrafen und die Gefahr der Ausweisung
Die Angreifer ergriffen die Flucht, nachdem Taha A. ihnen zugerufen hatte, dass es einen Toten gab. Almoayed A. griff sich noch eine Tasche, die 1000 Euro und Munition enthielt, sowie das Handy von Saif. Den eintreffenden Beamten erzählte er frech, ein betrunkener Freund hätte angerufen, und beendete das Gespräch. Die Richterin bezeichnete das Vorgehen als „hammerhart“. Es ging nicht allein um Finanzielles, sondern hauptsächlich um die Ehre.
Das Strafmaß ist hoch: Ein 25 Jahre alter Beteiligter wurde zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Für Almoayed A. lautet das Urteil vier Jahre und sechs Monate. Weitere vier Täter müssen für Zeiträume zwischen zwei Jahren und neun Monaten sowie drei Jahren und drei Monaten ins Gefängnis. Drei Beschuldigte kamen mit Bewährung davon. Die Konsequenz für alle zehn Verurteilten könnte das Ende ihres Aufenthalts in Deutschland sein, denn niemand von ihnen besitzt eine gesicherte Aufenthaltserlaubnis. (red)
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