Mitten in der Nacht: 189 Passagiere landen 160 km vom Ziel entfernt und werden einfach sich selbst überlassen.
„Uns selbst überlassen“Ryanair-Drama um 189 Passagiere – 160 Kilometer vor dem Ziel ausgesetzt

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Für 189 Reisende wurde ein Trip von Bergamo nach Brüssel zum absoluten Albtraum. (Symbolbild)
Nächster Mega-Zoff um Ryanair! Wer bei der Billig-Airline bucht, hofft auf einen Schnapper, doch für 189 Reisende wurde ein Trip von Bergamo nach Brüssel jetzt zum absoluten Albtraum. Statt am Zielort landeten die Fluggäste laut „hna.de“ mitten in der Nacht im 160 Kilometer entfernten Ostende – und standen dort sprichwörtlich im Regen. Der Vorfall passierte, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits am 20. April 2026.
Es sind Szenen, die man keinem Reisenden wünscht. Bereits der Start verlief alles andere als planmäßig. Fast vier Stunden Verspätung sammelte die Maschine in Bergamo (Italien) ein. Die Passagiere? Die mussten die gesamte Zeit im Flieger ausharren – ohne Verpflegung, ohne Informationen, ohne Hoffnung auf Besserung.
Um 23.20 Uhr hob die Boeing endlich ab. Doch das dicke Ende kam erst noch. Da der Zielflughafen Brüssel-Charleroi wegen strenger Nachtflug-Vorschriften nach 23.00 Uhr keine Maschinen mehr annimmt, wurde der Flug kurzerhand umgeleitet. Endstation: Ostende. Rund 160 Kilometer weit weg vom eigentlichen Ziel.
Wut am Flughafen: „Niemand hat uns geholfen“
In Ostende angekommen, folgte der nächste Schock. Laut Berichten von „Ouest-France“ gab es vor Ort keinerlei Unterstützung durch die Airline. „Die Passagiere waren sich selbst überlassen“, schimpfte ein Betroffener. Eigentlich ist die Fluggesellschaft in solchen Fällen verpflichtet, Shuttlebusse zu organisieren. Doch darauf warteten die 189 Gestrandeten vergeblich.
Besonders dreist: Einige Reisende berichten von Nachrichten der Airline, in denen offen kommuniziert wurde, dass keine Lösung vorgesehen sei. Der belgische Verbraucherschutzverband „Test Achats“ stellt klar: Wer sich in einer solchen Notlage selbst helfen muss (etwa per Taxi), kann die Kosten im Nachhinein zurückfordern.
Das sagt Ryanair zu den Vorwürfen
Die Airline selbst weist die Kritik zurück. Gegenüber Medien erklärte das Unternehmen, man habe sich um Transportlösungen bemüht, doch die Kapazitäten seien begrenzt gewesen. Die Kunden seien per App und Mail informiert worden, dass sie ihre Weiterreise selbst organisieren und die Kosten später über die Website einreichen könnten.
Woche des Chaos: Auch Rollfeld-Sturm in Marseille
Der Vorfall ist nicht das einzige Ryanair-Debakel der letzten Tage. Nur kurz zuvor kam es am Flughafen Marseille-Provence zu wilden Szenen. Dort verpassten 83 Passagiere ihren Flug nach Marrakesch, weil die Sicherheitskontrollen völlig überlastet waren.
Die Wut war so groß, dass rund 30 Menschen das Rollfeld stürmten und versuchten, die Maschine am Abheben zu hindern. Eine Frau wurde sogar festgenommen, nachdem sie laut Berichten die Brandschutzanlage manipuliert hatte, um auf die Startbahn zu gelangen. Auch hier wird nun gestritten, wer die Schuld trägt: der lahme Sicherheitscheck oder das gnadenlose Bodenpersonal der Airline. (jag)
