Geschmacklose Rede „Querdenken“-Demo: Elfjährige vergleicht sich mit Anne Frank

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Ein Teilnehmer einer „Querdenken“-Demonstration gegen die Anti-Corona-Maßnahmen hat ein Schild umgehängen, auf dem „Maskenträger gefährden sich und andere“ steht.

Karslruhe – In Karlsruhe hat am Samstagnachmittag (14. November) eine Demonstration mit dem Motto „Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit und Liebe“ der „Querdenken“-Bewegung stattgefunden.

Dabei protestierten circa 1000 Teilnehmer gegen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung. Bei der Kundgebung gab es zu Beginn etwa 200 Regelverstöße gegen die geltenden Corona-Regeln. So wurde von vielen Besuchern der Protestaktion kein Mund-Nasen-Schutz getragen. Ansonsten sei die Demo laut Karlsruher Polizei friedlich verlaufen.

Allerdings sorgte ein Bühnen-Auftritt eines elfjährigen Mädchens in den sozialen Netzwerken für viel Unverständnis.

„Querdenken“-Demo: Mutter und Tochter halten Ansprache gegen Corona-Regeln

Zunächst hielt die Mutter des Mädchens eine fünfminütige Ansprache, in der sie gegen die Corona-Regeln wetterte. Die Frau gab sowohl der Politik als auch den Medien die Schuld an Corona. So sprach sie u.a. von „bescheuerten Maßnahmen, die keinen Sinn machen“, „permanenten Lügen“ und „Dummheit der Politik“.

Ihren siebenjährigen Sohn, der nicht mit auf der Bühne war, werde sie „koste es, was es wolle“ nicht mehr in die Schule schicken, sollte in Baden-Württemberg eine Maskenpflicht für Grundschüler eingeführt werden.

„Querdenken“-Demo: Elfjährige mit Anne-Frank-Vergleich

Nachfolgend hielt auch die elfjährige Tochter eine Ansprache, die sie wie ihre Mutter von einem Zettel ablas. Sie erklärte, dass sie erst kürzlich Geburtstag hatte und nicht richtig feiern konnte:

„Ich war unendlich traurig darüber, doch meine Eltern haben auch dafür eine Lösung gefunden. Wir mussten die ganze Zeit leise sein, weil wir sonst vielleicht von unseren Nachbarn verpetzt worden wären,“ so das Mädchen. Offenbar wurde also auch hier gegen die Versammlungsregeln verstoßen.

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Das jüdische Mädchen Anne Frank, das durch ihre Tagebuchaufzeichnungen im Versteck ihrer Familie in Amsterdam während des Zweiten Weltkriegs bekannt wurde (undatierte Aufnahme).

Danach verglich sie ihre Geburtstags-Situation mit Anne Frank, die kurz vor Kriegsende dem nationalsozialistischen Holocaust zum Opfer fiel: „Ich fühlte mich wie bei Anne Frank im Hinterhaus, wo sie muxmäuschenstill sein mussten, um nicht erwischt zu werden, aber ich war auch sehr froh, dass ich meinen Geburtstag überhaupt feiern durfte.“

Sie sei allerdings froh, dass ihre Eltern „verstehen, was richtig sei“ und sie „trotz der merkwürdigen und absolut sinnlosen Maßnahmen“ haben feiern lassen.

Demo in Karlsruhe: Ansprache stößt im Netz auf Unverständnis

In den sozialen Netzwerken stößt die Ansprache des Mädchens auf großes Unverständnis:

  • „Widerlich. Hier wird ein kleines Mädchen von ihren Eltern instrumentalisiert!“
  • „Es macht mich unendlich traurig.“
  • „Keine Worte... Ich bin einfach nur wütend auf die Eltern, die ihrem eigenen Kind gesagt haben, dass sie diesen Text vorlesen muss, ohne, dass sie überhaupt weiß, was sie von sich gibt... Das arme Kind.“
  • „Mit 11 Jahren hat die von Anne Frank oder dem 3. Reich noch nichts gehört! Es ist also offenkundig, dass hier die Eltern alles in den Mund gelegt haben. Schon widerlich und erbärmlich, wie manche ihre Kinder ausnutzen sowie lügen und hetzen lassen!“
  • „Das Mädchen hat mein Mitleid, die Hinterleute solcher Aktionen meine Verachtung.“

Demo in Karlsruhe: Wer ist Anne Frank?

Anne Frank wurde als Annelies Marie Frank am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren. Das jüdische Mädchen zog mit ihren Eltern und ihrer Schwester Margot 1934 in die Niederlande, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen.

In den Niederlanden lebte die Familie versteckt in einem Hinterhaus in Amsterdam ab Juli 1942 bis zu ihrem nicht genau datiertem Tod im Februar oder März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Anne Frank hielt ihre Gedanken zur Zeit des Zweiten Weltkrieges (1939 bis 1945) – in Form ihres heutzutage zur Weltliteratur gehörenden Werks „Das Tagebuch der Anne Frank“ – schriftlich fest.

Ihr Tagebuch gilt als ein historisches Dokument aus der Holocaust-Zeit. Anne Frank gilt als Symbolfigur gegen die Unmenschlichkeit des Völkermordes in der Zeit des Nationalsozialismus. (volk)

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