Privatleute dürfen bestimmte Rattengifte weder kaufen noch auslegen. Droht uns nun eine Rattenplage?
Nach GiftverbotKommt nun ein Rattenschwanz an Problemen?

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Von der Wildkamera im Vogelhaus erwischt: Ratten sind Kletterkünstler – und können aus dem Stand 80 Zentimeter hoch springen (in Panik gar 1,5 Meter).

Sie ist intelligent, gesellig und sozial. Leider aber auch gebärfreudig, anpassungsfähig und entgegen ihrem Namen eher standorttreu: Die europäische Wanderratte, Rattus norvegicus, lebt seit mehr als 300 Jahren dort, wo wir Menschen ihr Nahrung (Speisereste, Futter- und Lebensmittel) sowie Obdach (Müllhaufen, Gerümpel) bieten. Binnen eines Jahres kann ein einziges Weibchen im Schnitt bis zu 60 Junge zur Welt bringen. Und wenn Ratten sich einmal eingenistet haben, wird man sie schwer wieder los. Nun dürfen Privatpersonen keine antikoagulanten Rodentizide (blutgerinnungshemmende Gifte) mehr kaufen und auslegen. Droht eine Rattenplage?
Nordrhein-Westfalen hat laut Schädlingsreport 2025 den größten Rattenbefall Deutschlands – kein Wunder, finden die Schadnager besonders in Ballungsräumen doch Unterschlupf und Nahrung en masse. Und seit dem 23. Oktober dürfen Produkte mit Antikoagulanzien von Privatleuten nicht mehr verwendet werden – das sind praktisch alle Rattengifte, die bisher frei im Handel waren. Die Gründe für das Verbot sind so einleuchtend wie nötig, dienen sie doch dem Tierschutz. Denn die Gifte reichern sich in der Nahrungskette an. Durch diese Sekundärvergiftung sterben dann auch die natürlichen Fressfeinde der Ratten wie Greifvögel, Füchse oder Wiesel. Zudem sei, so die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) das innerliche Verbluten der Ratten „mit Schmerzen und Tierleid verbunden“.
Schädlingsbekämpfer registrieren zunehmenden Beratungsbedarf
Und nun? Kommt nun ein Rattenschwanz an Problemen auf uns zu? Denn bei Rattenbefall darf nun nicht mehr die Köderbox im eigenen Garten befüllt werden – ein ausgebildeter Schädlingsbekämpfer muss ran. Und deren Kapazitäten sind begrenzt. Habib Fekih, Schädlingsbekämpfer und Geschäftsführer bei SafeHome, im EXPRESS: „Für uns bedeutet diese Entwicklung vor allem, dass fachgerechte Beratung, Prävention und kontrollierte Bekämpfung an Bedeutung gewinnen. Wir stellen vor allem einen zunehmenden Beratungsbedarf fest.“
Hat die eher „niederschwellige“ Rattenbekämpfung durch Privatleute in der Vergangenheit nicht dazu geführt, dass sich die Population der Ratten verringert hat und für die Profis weniger Arbeit anfiel? „Eine schnelle Reaktion auf Rattenbefall ist grundsätzlich sinnvoll. Die eigenständige Anwendung von Rodentiziden hat professionelle Schädlingsbekämpfung aber nicht automatisch erleichtert. Wir haben bei unseren Einsätzen in verschiedenen Städten in der Vergangenheit immer wieder erlebt, dass Mittel eingesetzt wurden, bevor ein Fachbetrieb hinzugezogen wurde. Das Problem dabei war weniger die Tatsache, dass jemand selbst handeln wollte, sondern dass ohne Befallsanalyse häufig nicht klar ist, wo die Tiere herkommen, wie groß der Befall tatsächlich ist und ob der eingesetzte Wirkstoff überhaupt die richtige Maßnahme darstellte“, erläutert der Schädlingsbekämpfer. Ein wesentlicher Punkt dabei seien Umwelt- bzw. Tierschutz sowie die Möglichkeit, dass weniger empfindliche Tiere überleben und Resistenzen gegen bestimmte Wirkstoffe weitergeben.

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Sie nagen sich (fast) überall durch: Ratten fühlen sich u. a. in Schuppen, unter Gerümpel und Müllhaufen wohl. Ins Haus kommen sie auch gern - gerade jetzt, wenn die kalte Jahreszeit beginnt. Und Ratten können zu einem echten Gesundheitsrisiko werden.
Ratten sind kein ausschließlich lokales Problem: „Ob Köln, Frankfurt, Berlin, Augsburg oder München – die Rahmenbedingungen unterscheiden sich zwar, aber bestimmte Faktoren, allen voran das verfügbare Nahrungsangebot sowie zahlreiche Rückzugsorte in dicht besiedelten Städten begegnen uns immer wieder. Für Städte, Unternehmen, Wohnungswirtschaft und Privatpersonen ist die entscheidende Frage: Wie verhindern wir, dass wir den Tieren dauerhaft ideale Lebensbedingungen schaffen?“
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Die Nagetiere sind, so beschreibt es Fekih, sehr intelligente, vorsichtige und anpassungsfähige Tiere. „Eine einzelne sichtbare Ratte sagt zunächst wenig darüber aus, wie groß der tatsächliche Befall ist. Die Tiere bewegen sich häufig verborgen, nutzen immer wieder dieselben Laufwege und leben in Bereichen, die für Menschen schwer zugänglich sind.“
Die eigentliche Herausforderung sei es nicht, eine Ratte zu beseitigen – sondern das Befallsbild zu verstehen und den Kreislauf dauerhaft zu unterbrechen. Übrigens: Ein dauerhaftes, vorsorgliches Auslegen von Giftködern ohne nachgewiesenen Befall ist verboten – auf Privatgrund ebenso wie in Betrieben (z. B. Restaurants).
Und nun? Lebendfallen, bei denen man die Tiere kilometerweit vom „Fangort“ aussetzen sollte, sind nicht jedermanns Sache, Schlagfallen ebenfalls nicht. Die können die Tiere verletzen, statt sie direkt zu töten. Auch neugierige Haus- oder Wildtiere (Hund, Katze, Eichhörnchen etc.) können die Falle versehentlich auslösen, sich schwer verletzen und gar sterben. Also ist es wie so oft im Leben: Vorbeugung ist die beste Verteidigung.
Was tun, damit Ratten gar nicht erst kommen?
Bevor überhaupt von Gift und Fallen gesprochen werde, könnten Privatpersonen sehr viel unternehmen, um Ratten vorzubeugen, sagt Habib Fekih:
- „Am Wichtigsten ist es, den Lebensraum möglichst unattraktiv zu gestalten. Beispielsweise Müllbehälter konsequent geschlossen zu halten, Futter und Lebensmittel sicher aufzubewahren und keine Speisereste über Toilette oder Abfluss zu entsorgen.“
- Weder Lebensmittel noch Fallobst sollten auf dem Grundstück herumliegen, sagt Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) – und auch kein Vogelfutter! Leider ist es Heiermann zufolge „schwierig bis unmöglich, das Vogelfutter derart anzubieten, dass Ratten nicht davon profitieren, weil immer etwas davon auf den Boden fallen kann und Ratten zudem sehr gut klettern und springen können“.
- Wer Gerümpel und Abfälle auf dem Grundstück lagert, begünstigt laut Umweltbundesamt ebenfalls die Ansiedlung von Ratten. Denn dort finden die Tiere ungestörte Nistplätze.
- Fekih rät, das Gebäude selbst unter die Lupe zu nehmen: „Gibt es Spalten, beschädigte Kellerfenster, offene Leitungsdurchführungen oder andere Zugänge? Solche Stellen sollten fachgerecht verschlossen werden.“
Problematisch wird es, wenn man keinen Einfluss darauf hat, was die Nachbarn im Hof lagern oder auf die Straße stellen. Hier empfiehlt sich ein freundliches Gespräch – das klappt aber leider nicht mit jedem.
