„Tatort“: Ferngesteuerte Soldaten Mind Control: Kann man das Gehirn wirklich hacken?

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Ein Soldat, der per Hightech im Helm gesteuert wird – das ist schon Realität. Forscher arbeiten daran, dass man die Gedanken von militärischem Personal so manipuliert, dass es schmerzunempfindlicher wird.

Köln – Ein Bundeswehrsoldat hält „Tatort“-Kommissarin Charlotte Lindholm (gespielt von Maria Furtwängler) ein Messer an den Hals, redet wirr: „Die in meinem Kopf müsst Ihr kriegen!“ Ein Fall von Schizophrenie? Von wegen!

Ferngesteuerte Soldaten in Mali, ein gescheitertes Mind-Control-Experiment – im „Tatort“ (Sonntag, 29.03.2020, ARD) liefen Militärtechnik-Experimente aus dem Ruder. Nur Fiktion – oder Realität?

Mind Control: „Früher hat man Drogen verabreicht“

Was an die Öffentlichkeit gelangt, ist nicht der Punkt, an dem die Forschung schon längst steht“, verrät uns Christian Jeltsch (61). Der gebürtige Kölner und mehrfach ausgezeichnete Drehbuchautor recherchiert seit Jahren, wie das Militär Soldaten zu perfekten Kriegsmaschinen machen will, indem es Einfluss auf ihre Hirntätigkeit nimmt.

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Autor Christian Jeltsch über ferngesteuerte Soldaten: „Klingt nach Science Fiction, ist aber Realität“.

„Früher hat man Drogen verabreicht, um Soldaten fit und wach zu halten. Nach meinen Informationen haben Wehrmachtssoldaten beim Frankreichfeldzug Crystal Meth geschluckt. In den 50er Jahren wurde Agenten in einem Geheimgefängnis Meskalin, LSD und Wahrheitsdrogen verabreicht, um sie zum Reden zu bringen. Heute nutzt man Magnetresonanzverfahren, um bestimmte Areale des Gehirns zu beeinflussen.“

Firmen experimentieren mit Mikrowellenwaffen

Non-Lethal-Weapons (nicht tödliche Waffen), also z. B. Mikrowellenwaffen, würden auch in Deutschland bei Rüstungsfirmen wie Rheinmetall oder Diehl erforscht und hergestellt, so der Autor. Diese Waffen setzen die Amerikaner auch jetzt schon im Nahen Osten ein, zum Beispiel im Irak.

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Ein Soldat (Matthias Lier) bedroht Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) im „Tatort“.

Die Funktionsweise ist Fans von US-Kriegsfilmen bekannt: Das Militär rollt mit riesigen Panzern an, bestückt mit hohen Antennen. Der Strahl der Mikrowellenwaffen heizt die Flüssigkeit im Körper eines Menschen auf 60 bis 80 Grad auf. Jeltsch: „Da will man nur noch raus – so löst man z. B. Demonstrationen auf.“ Sollte jemand jedoch keinen Fluchtweg aus dem Bannkreis finden, könne aber auch diese Waffe tödlich sein, glaubt er.

Andere Variante: „Voice to Skull“ – ein Forschungsprojekt der US-Marine, mit dem über elektromagnetische Frequenzen Informationen ins Hirn gespielt werden – wie jetzt im aktuellen „Tatort“.

Mind-Control-Helme werden bereits getestet

Nein, selbst diese intelligenten Helme seien keine Fiktion, sondern laut Informanten des Drehbuchautors schon Realität und bereits in der Testphase, sagt Jeltsch. Christopher Coenen, Forschungsleiter im Institut für Technologiefolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) bestätigt das.

Forschern in Massachusetts sei es jüngst gelungen, ohne Empfangsgerät Audio-Botschaften in das Ohr eines Menschen zu schicken. Außenstehende hätten diese Töne nicht hören können. Bisher sei das zwar nur auf eine kurze Distanz möglich, aber das könne sich schnell ändern.

Militär will die „perfekte Kampf-Maschine“

Fakt ist: Das US-Verteidigungsministerium hat in den vergangenen zehn Jahren allein an deutsche Forschungseinrichtungen 20 Millionen US-Dollar gezahlt, um die „perfekte Kampf-Maschine“ zu konstruieren: Soldaten, die im Einsatz weniger schmerzempfindlich und gut fokussiert sind, lobt das Militär. Kritiker würden sie eher „emphatielose Roboter“ nennen.

Und da machen wir in Deutschland einfach so mit? „Wie so oft liegen Großartigkeit und Schändlichkeit nah beieinander“, erklärt Drehbuchautor Jeltsch. Im „Tatort"-Skript lässt er mit Mind-Control-Techniken auch eine gelähmte Soldatin wieder gehen.

Prothesen, die sich mit Gedanken steuern lassen

Tatsächlich gibt es auch in der Realität vielversprechende Versuche mit Neurotechnologien, um durch Gedankenkraft Prothesen zu steuern. „Im therapeutischen Bereich hilft die tiefe Hirnstimulation (DBS) schon jetzt Menschen mit Parkinson, Alzheimer und schweren Depressionen“, lobt auch Experte Coenen.

Noch kann man übrigens insgesamt Entwarnung geben: Keine Maschine schafft es bisher, unser Hirn wirklich zu knacken. Die Gedanken sind (noch) frei und nicht vollständig zu hacken.

Uwe Beyer, Abteilungsleiter im Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) fordert „massive Anstrengungen zu adäquaten völkerrechtlichen Regelungen“ in Bezug auf diese Technologien. Denn mittelfristig sei die Relevanz durchaus mit ABC-Vernichtungswaffen vergleichbar. Ohne Regulierungen drohe „ein globales Wettrüsten“.

Mind Control in Zeiten von Corona?

Panikkäufe, Angst um seine Liebsten: Könnte man unser Hirn in diesen turbulenten Zeiten in einen Beruhigungsmodus manipulieren? Ganz abwegig ist die Idee nicht, erklärt Drehbuchautor Christian Jeltsch und verweist auf ein Experiment.

Der private Berliner Radiosender „94,3 rs2“ hat an Silvester 2001 ein Glückssignal übers Programm auf allen Berliner- und Brandenburger UKW-Frequenzen von 18 bis 2 Uhr ausgestrahlt. Dieses setzte sich aus einer bestimmten Kombination von Hochfrequenztönen zusammen.

Amerikanische Wissenschaftler haben in Langzeituntersuchungen festgestellt, dass derartige Hochfrequenztöne beim Menschen Glücksgefühle erzeugen können. Motiviert durch die Töne soll der Körper Endorphine (Glückshormone) freisetzen.

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