Auch schon stutzig geworden beim Waldspaziergang? Was mögen die bunten Markierungen an den Bäumen wohl bedeuten? Ein Forstprofi erklärt's!
Punkte, Striche, WellenFörster erklärt die Graffiti im Wald

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Dieser junge Mann in Lodengrün sprüht kein Graffiti an den Baum, sondern setzt eine forstliche Markierung. Was die bedeutet, hat uns ein Förster aus dem Rheinland erklärt.
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Wer mit offenen Augen durch den Wald schlendert, joggt oder walkt, wird sie sicher schon gesehen haben: farbige Markierungen an den Bäumen. Aber was bedeuten all die Striche, Linien, Wellen und Punkte eigentlich? Wir bringen mit Hilfe von Revierförster Frank Mayer (zuständig für den Wald in der Ville) Licht ins Zeichen-Dickicht.
Allerdings ist das gar nicht sooo einfach, denn in unterschiedlichen Revieren können mindestens mal die Farben der Markierungen voneinander abweichen. Frank Mayer beispielsweise markiert in seinem Revier die Rückegassen mit gelber, die Habitat- und Zukunftsbäume mit weißer und die Bedrängerbäume, also die, die entnommen werden sollen, mit roter Farbe. Rückegassen und Bedrängerbäume (was genau das ist, erklären wir weiter unten) werden meist in knalligen Farben wie Pink oder Gelb markiert – die haben den Vorteil, dass die Forstarbeiter und Fahrer der schweren Ernte- und Rückemaschinen die Markierungen auch in diffusem Licht gut erkennen können. Dem durch seine Rinde gut geschützten Baum schadet die spezielle Forstfarbe übrigens nicht.

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Revierförster Frank Mayer in seinem Revier rund um die Ville-Seen an einer gefällten Eiche.
Der Wald ist nicht nur der wichtigste und wohl zukunftsrelevante Lebensraum, den wir haben, sondern auch ein sensibles Ökosystem, in dem sich tierische und pflanzliche Spezialisten vom mikroskopisch kleinen Bärtierchen bis zum kapitalen Keiler tummeln. Dass Wald viel mehr ist als eine Ansammlung von Bäumen und „Begleitgrün“, beweisen diese eindrücklichen Zahlen, die Forstexperte Peter Laumann in seinem Buch „Das kann Wald“ zusammengetragen hat:
- Unser Wald macht 32 Prozent der Fläche Deutschlands aus – das sind elf Millionen Hektar.
- Er bietet Lebensraum für mehr als 5800 Tierarten, davon allein 3900 Käfer- und 162 Vogelarten.
- Er ist Speicher für 231 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar (114 Tonnen in der Biomasse und 117 Tonen im Waldboden).
- Er bietet Lebensraum für 674 Moose und 1002 Flechten. Mehr als 2000 Pilzarten leben im Wald.
- Pro Jahr und Hektar bringt der Wald 16.000 Euro Umsatz.
- Im Schnitt kommen 50 Meter Wanderweg auf einen Hektar Wald.
- Der Wald beschäftigt einen Menschen pro Hektar.
- Er liefert pro Hektar 10,9 Festmeter Holz im Jahr. Ein Festmeter (abgekürzt „fm“) ist ein Kubikmeter reines Holzvolumen, also Massivholz ohne Zwischenräume.
- Der Wald filtert pro Jahr und Hektar 60 Tonnen Staub und Ruß aus der Luft.
Kein Wunder, dass sich angesichts dieser Zahlen so viele Menschen für den Wald und seine Bewohner interessieren. Wofür kann sich eigentlich „Waldprofi“ Frank Mayer so richtig begeistern? „Für den Dachs. Den gibt es leider in meinem Revier kaum. Ich finde ihn schön wegen seiner einzigartigen Gesichtszeichnung und seiner Sozialstruktur: Dachse leben in großen Familienverbänden in einem weit verzweigten unterirdischen Bausystem.“ Und des Revierförsters liebster Baum? Da muss Frank Mayer kurz überlegen, ehe er sich für die Walnuss ausspricht: „Er hat essbare Früchte – und das Holz ist wunderschön.“
Revierförster erklärt: Das bedeuten die Markierungen an Bäumen
Ausrufezeichen: Gefahrenbäume werden mit einem oder mehreren Ausrufezeichen markiert.

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Die Ausrufezeichen auf dem Stamm einer Fichte verheißen nichts Gutes ... Das Foto stammt aus dem Osten Deutschlands, auf dem Villerücken, in der Ville und im Kottenforst gibt es aufgrund von Trockenheit und der Massenvermehrung des Borkenkäfers (sog. „Kalamität“; insbesondere von Schadinsekten der Arten Buchdrucker und Kupferstecher) so gut wie keine Fichte mehr.
So kann ein Gefahrenbaum bereits instabil und kurz vorm Umkippen sein, auch könnten Äste aus der kranken oder bereits abgestorbenen Krone fallen, meist stehen diese Gefahrenbäume am Wegesrand. Sind sie einmal gefällt, bleiben sie häufig liegen: Denn das Totholz ist ein wertvolles Biotop für Pflanzen und (Kleinst-)Lebewesen.
Waagerechte Doppelstriche
Rückegassen, auf denen Bäume abtransportiert werden, kennzeichnet Revierförster Frank Mayer mit zwei waagerechten, parallelen Strichen.

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Hier wurde eine alte Markierung (schwach in blauer Farbe zu sehen) mit roter Farbe nochmal erneuert. Dieses Zeichen ist besonders wichtig für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Baumstämme aus der Waldville bei Alfter transportieren.
Rückegassen-Symbole sind immer an zwei Bäumen zu finden, die die Gasse seitlich begrenzen. Die Striche zeigen jeweils zur Innenseite der Gasse. Rückegassen werden angelegt, damit schweres Gerät das sensible Ökosystem Waldboden möglichst wenig schädigt.
Wellenlinien
Mit Wellenlinien kennzeichnet Revierförster Frank Mayer ganz besondere Exemplare im Wald – die Biotopbäume.

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Revierförster Frank Mayer hat in der Ville einen Baum mit Wellenlinien markiert. Denn dieses Gehölz ist ein ganz besonderes ...
„Sie weisen Merkmale auf, die für seltene Arten wichtig sind“, erklärt Mayer. „Das kann ein ausgebrochener Ast sein, in dessen Bruchstelle sich ein Hohlraum bildet, der beispielsweise Spechten oder Käuzen als Bruthöhle dient. Oder hinter dessen abgeplatzter Rinde Fledermäuse ihr Habitat haben.“ In abgestorbenem Gewebe siedeln Insekten, die locken wiederum Vögel an.
Weißer Punkt (und noch viel mehr)
Manchmal muss man im Wald genau hinschauen, so auch auf dem Bild, das Frank Mayer zur Verfügung gestellt hat.

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Frank Mayer hat in seinem Revier in der Ville zwei Bäume markiert: Einen mit Zukunft – und einen, der bald schwerem Gerät „zum Opfer“ fallen wird.
Links ein mit weißem Punkt gekennzeichneter „Zukunftsbaum, der sich über Jahre hinweg als stabil hervorgetan hat“, so der Revierförster. Damit er genug Licht, Platz und Nährstoffe bekommt, werden „Bedrängerbäume“ (rechts im Bild; markiert mit rotem Schrägstrich) in der Umgebung entfernt.
Hieroglyphen auf dem Holzpolter
Holzstapel – Forstfachleute sprechen von Holzpoltern – haben oft mehrere geheimnisvoll anmutende Inschriften.

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Auf dieses Holzpolter in der Waldville sind einige Informationen gesprüht worden
In diesem Beispiel sind Signatur beziehungsweise Initialen des Aufkäufers zu sehen, erläutert Frank Mayer. Außerdem prangt ein kleines blaues Plättchen mit einer Nummer auf dem glatten Ende des Stammes. Dahinter verbirgt sich der „Stamm-Steckbrief“. Mayer erklärt: „Im Computer sind mit dieser Nummer die Art – in diesem Fall Kiefer – , die Länge, der Durchmesser und die Güte des Baumes hinterlegt.“

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Jeder einzelne Stamm eines Holzpolters wurde mit einem eigenen Nummernplättchen versehen. Hinter der Ziffernfolge verbirgt sich der Steckbrief des Baumes, der „Stammbaum“, sozusagen. Die Stämme sind bereits in einer Holzliste erfasst.
Damit der Fuhrunternehmer nicht extra aussteigen muss, um die sehr kleine Nummer zu lesen, ist sie noch mal in großen roten Ziffern an den Polter gesprüht worden. Wenn der Käufer möchte, kann jeder Stamm auch einzeln vermessen und markiert werden jeder bekommt dann ein eigenes Nummernplättchen, das in einer digitalen Holzliste hinterlegt wird – wie auf dem Foto oben zu sehen.
Kleiner Wald-Knigge
Respekt ist auch im Wald gefragt. Für Revierförster Mayer immer wieder „unverständlich, wie man zwei Kilo Proviant in den Wald schleppen, aber 100 Gramm Verpackung nicht mehr zurücktragen kann.“ Ergo: Müll mitnehmen!
Auf den Wegen bleiben, Absperrungen akzeptieren – insbesondere während Waldarbeiten.
In der Brut- und Setzzeit (1. März bis 31. Juli in NRW), der Wildtier-Kinderstube, sollten zudem Hunde im Wald vorsorglich an die Leine.
In NRW gilt vom 1. März bis 31. Oktober ein gesetzliches Rauchverbot im Wald. Und bitte gar nicht erst ans Feuermachen denken – Hochrisikoverhalten! Kann bis 5000 Euro Bußgeld kosten.


