Yayoi Kusama prägte die Kunstwelt mit ihren farbenfrohen „Polka Dots“. Nun ist eine der bedeutendsten japanischen Künstlerinnen der Gegenwart im Alter von 97 Jahren gestorben.
Kurz nach Kölner AusstellungYayoi Kusama gestorben

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Die japanische Künstlerin Yayoi Kusama ist tot.
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Yayoi Kusama ist tot. Die japanische Künstlerin wurde 97 Jahre alt. Wie das nach ihr benannte Museum in Tokio mitteilte, starb Kusama bereits am 14. August in einem Krankenhaus in der japanischen Hauptstadt.
Kusama, die seit ihrer Kindheit an Depressionen und Halluzinationen litt, lebte die vergangenen Jahrzehnte freiwillig in einer psychiatrischen Klinik. Als Todesursache wurde laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo Multiorganversagen angegeben.
Kölner Kusama-Ausstellung löste Mega-Hype aus
Kusama zählt zu den wichtigsten japanischen Künstlerinnen der Nachkriegszeit. International bekannt wurde sie mit ihren „Polka Dots“ genannten bunten Punkten, mit denen sie oft phallische Objekte oder Alltagsgegenstände ebenso wie Installationen oder ganze Räume gestaltete.
Ihr Werk wurde in bedeutenden Museen und Galerien weltweit ausgestellt. Erst am 2. August endete ihre Ausstellung in Köln. Die lange Kusama-Nacht zum Abschluss hatte noch einmal Hunderte Menschen nach Köln gelockt. Zuvor hatte die Ausstellung dem Museum Ludwig bereits einen Besucherrekord beschert. Die Kusama-Schau war restlos ausverkauft.
Yayoi Kusama wurde 1929 in der Kleinstadt Matsumoto in der Präfektur Nagano geboren. Sie wuchs in einem strengen und autoritären Haushalt in der Kleinstadt Matsumoto in der Präfektur Nagano auf und hatte eine schwere Kindheit. Sie litt als junges Mädchen massiv unter ihrer herrschsüchtigen Mutter, die ihre Tochter laut deren Schilderung dem Vater beim Fremdgehen nachspionieren ließ.
Diese Erlebnisse sollten bei Kusama zu Angst vor Sexualität führen, die sie später in ihrer Kunst verarbeitete. Die Strenge der Mutter, die sie an einer natürlichen seelischen Entwicklung hinderte, könnte zu Kusamas schon früh beginnender Krankheit geführt haben, die sich in Halluzinationen ausdrückte.
Die Japanerin begann, Punkt- und Netzmuster zu sehen, und fürchtete, sich darin aufzulösen. In ihrem langen Leben unternahm sie mehrere Suizidversuche. Nach dem Besuch einer Kunsthochschule in der alten Kaiserstadt Kyoto und ersten Ausstellungen entschloss sich Kusama, vor dem Druck ihrer Mutter in die USA zu fliehen. Zwischen 1958 und 1972 lebte und arbeitete sie vorwiegend in New York.
In dieser Zeit sollten ihre bekanntesten Kunstwerke, Installationen und Happenings entstehen. „In der Zeit der sexuellen Revolution schaffte sie es, durch ihre politisch motivierten Performances in der New Yorker Kunstszene berühmter zu werden als Andy Warhol“, erzählte Mario Ambrosius, ein in Japan lebender bekannter Künstler aus Deutschland, der Deutschen Presse-Agentur in Tokio. Ihren ersten großen Erfolg in New York hatte Kusama 1959 mit der Ausstellung „Obsessional Monochrome“. Ihre „Infinity-Net-Paintings“ zeigten Netzwerk-Kompositionen aus weißen Strichen auf schwarzem Untergrund.
„Polka Dots“ als Suche nach Unendlichkeit
Vor allem Punkte – die ihren Ursprung in ihren Halluzinationen hatten – wurden zum Markenzeichen der Künstlerin. Sie sah immerzu Muster aus Punkten und Netzen und fürchtete, sich darin aufzulösen. Die „Polka Dots“ wurden zum Ausdruck ihrer Suche nach Unendlichkeit und Selbstauflösung. In „Infinity Mirror Rooms“ genannten Räumen lieferte Kusama mit Hilfe ihrer Punkte, mit Kugeln, anderen Objekten, Spiegeln und Licht spektakuläre Blicke auf eine imaginierte Unendlichkeit.
Bei ihren Happenings in New York wurden ihre „Polka Dots“ zudem auf jede Menge nackter Haut gemalt. Sie inszenierte sich als eine Künstlerin mit und in ihrem Schaffen. International bekannt wurde Kusama 1966 mit dem Happening „Narcissus Garden“. Weil ihre Arbeiten nicht für die Biennale in Venedig ausgewählt wurden, baute sie die Installation aus 1.500 spiegelnden Kugeln ohne Genehmigung vor der Ausstellungshalle auf.

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Besucherinnen machen Fotos der Installation „Infinity Mirrored Room – The Hope of the Polka Dots Buried in Infinity Will Eternally Cover the Universe“ im Museum Ludwig in Köln.
Ende der 1960er-Jahre griff Kusama Ideen der Hippiebewegung wie Pazifismus und Nudismus auf. Ambrosius hebt unter ihren Werken unter anderem „Aggregation: One Thousand Boats Show“ von 1963 in der Gertrude Stein Gallery oder „Phalli's Field“ von 1965 in New Yorks Castellane Gallery hervor. Der kommerzielle Erfolg blieb jedoch aus, 1973 kehrte sie nach Japan zurück. 1977 beschloss Kusama, sich in eine psychiatrische Klinik im Tokioter Stadtteil Shinjuku einweisen zu lassen, in der sie bis zuletzt lebte und als Künstlerin arbeitete.
Yayoi Kusama: Mehr als 450.000 Besucher und Besucherinnen im Kölner Museum Ludwig
„Sie konnte sich nun voll aufs Bücherschreiben konzentrieren, peu à peu den Versuch eines Neustarts als Künstlerin implizierend“, so Ambrosius. Kusama wurde zu einer kommerziell extrem erfolgreichen, international gefeierten Künstlerin. In Japan werden unzählige Souvenirs und Fan-Artikel mit Motiven der Künstlerin verkauft, in Paris und anderen Orten stehen riesige Kusama-Statuen. Ihre Kürbisse, unter anderem auf der japanischen Insel Naoshima, haben Kultstatus und sind ein wichtiger Touristen-Magnet. 2012 lud die Luxus-Modemarke Louis Vuitton sie ein, die Schaufenster der hauseigenen Filialen, darunter in New York und Tokio, zu gestalten.
Für das Museum Ludwig in Köln war die kürzlich zu Ende gegangene Retrospektive zum Werk der Künstlerin die bisher erfolgreichste Ausstellung mit mehr als 450.000 Besuchern. Die Ausstellung endete Anfang August. Die Schau zeigte 300 Werke von frühen Kinderzeichnungen bis zur Gegenwart. Das Spektakulärste war ein riesiger Raum, der ganz von gepunkteten Krakenarmen durchzogen wurde. Besucher konnten dazwischen umherlaufen.
„Als Künstlerin ist sie auf dem Niveau der bereits verstorbenen Louise Bourgeois angekommen“, erzählt Ambrosius, der Kusama nach eigenen Worten als erster 1993 in der japanischen Zeitung „Asahi Shimbun“ in ihrem „winzigen, garagenartigen Atelier“ als ernstzunehmende Künstlerin in Text und Bild porträtierte.
In vielen ihrer Werke tritt Kusama selbst in Erscheinung – etwa als Fotografie –, und in denselben Mustern gekleidet, in denen ihr Kunstwerk gestaltet ist. Durch die Camouflage verschmilzt sie visuell gleichsam mit ihrer Kunst. Bei einer Retrospektive im Berliner Gropius-Bau 2021 übermittelte eine Sprecherin die Botschaft der Künstlerin: „Durch die Zeit zu rasen bis zum Tod und dann ewig weiterzuleben in schöner Liebe für den Ruhm der Menschheit: Das ist das höchste Ziel meiner Kunst.“ (dpa)
