Es ist unglaublich, aber entgegen ersten Experten-Berichten war der tote Ostsee-Wal kein „Timmy“.
Paukenschlag an der OstseeWal „Timmy“ war in Wahrheit eine „Tina“!

Copyright: Marcus Golejewski/dpa
Tierärztin Anne Herrschaft steht am Ufer unweit vom toten Buckelwal, der vor der dänischen Insel Anholt liegt.
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Der seit mehr als einer Woche vor der dänischen Insel Anholt treibende tote Buckelwal ist identifiziert. Ein Peilsender und Fotos seiner Schwanzflosse beweisen, dass es sich um das Tier handelt, das am 2. Mai in der Nordsee freigelassen wurde. Zuvor war der Wal in Niendorf und vor Poel gestrandet.
Unter dem Namen „Timmy“ hatte der Wal und die dazugehörige Rettungsaktion wochenlang für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Doch die Bergung des Kadavers bringt nun eine Überraschung ans Licht.
Genitalbereich im seichten Wasser sichtbar
Bisher hieß es von den Retterinnen und Rettern sowie von offizieller Seite, der Wal sei ein Männchen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus bezeichnete das Tier auf einer Pressekonferenz als Jungbullen und berief sich dabei auf den US-Experten Jeffrey Foster.

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Ein toter Wal liegt vor der dänischen Insel Anholt. Unklar ist, ob es sich um den Wal handelt, der Ende März erstmals vor Timmendorfer Strand gestrandet war und rund einen Monat später in die Nordsee, transportiert wurde. (Bild vom 15. Mai 2026)
Bei den Strandungen war eine genaue Bestimmung nicht möglich, da der Wal im tiefen Wasser lag. Nun ist der Kadaver aufgequollen und wurde auf den Rücken gedreht. Weil er im seichten Wasser liegt, ist der Genitalbereich nun erstmals komplett zu sehen.
Wal-Forscher klärt das Rätsel auf
Der Meeresbiologe Fabian Ritter vom Walschutzverein M.E.E.R. hat die neuen Fotos ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig: Neben der Geschlechtsöffnung sind zwei Milchdrüsenspalten zu erkennen. Diese Schlitze verbergen die Zitzen zum Säugen und kommen nur bei Weibchen vor. Der Wal war also kein Jungbulle, sondern ein Weibchen.
Auch der vermeintliche Walgesang während der Strandung war ein Irrtum. Laut Ritter handelte es sich dabei nicht um Werbegesänge von Männchen, sondern um Vokalisierungen, die als Klagerufe in einer Stresssituation zu deuten sind. Vielmehr war das Tier eine künftige Wal-Mutter.
Die nun entdeckten Milchdrüsenspalten bergen ein echtes Naturwunder: Aus ihnen wird die Muttermilch unter Wasser direkt in das Maul des Jungtieres gespritzt. Eine logistische Meisterleistung der Natur, die nun den finalen Beweis lieferte, dass aus dem vermeintlichen Jungbullen „Timmy“ in Wahrheit eine „Tina“ geworden ist. (jag)
