Dicke Luft! Eine Hauptstadt versinkt im Gift-Nebel.
Gift-Alarm in EuropaDiese Stadt erstickt im Dreck

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Stadtlandschaft unter Nebel mit fernen Bergen.
Atmen? In Sarajevo an Winterabenden fast unmöglich. Dichter Qualm steht zwischen den Gebäuden, ein beißender Geruch von verbranntem Holz und Grillgut liegt überall. Die Leute verbarrikadieren sich, die Fenster bleiben zu. Viele klagen über rote, brennende Augen und ein fieses Kratzen im Hals. Die Luft in Bosnien-Herzegowinas Hauptstadt ist teilweise schlimmer als in der chinesischen Mega-City Peking. Ein echter Albtraum, mitten auf unserem Kontinent.
Die Quelle des Übels sind aber keine riesigen Fabrikschlote, wie man vielleicht vermuten würde. Absolut nicht! Der Gift-Cocktail wird direkt im städtischen Leben gemixt. Die wahren Übeltäter sind Holz- und Kohleöfen in den Häusern sowie der Qualm aus den Küchen der Restaurants. Die schlimmsten Dreckschleudern befinden sich oft nur ein paar Schritte entfernt, genau da, wo das alltägliche Leben pulsiert. Das berichtet „FOCUS online“.
Bei Tageslicht ist die Luftbelastung in der Stadt noch halbwegs erträglich und verteilt sich. Aber kaum geht die Sonne unter, beginnt das Drama. Dann werden in unzähligen Vierteln die Holz- und Kohleöfen angeschmissen. Besonders in den Wohngegenden jenseits des Stadtkerns explodieren die Feinstaubwerte förmlich. Wie krass die Unterschiede sind, zeigten mobile Messungen: Zwischen zwei Nachbarstraßen können Welten liegen.
In manchen Wohnvierteln sind Holzheizungen für bis zu 60 Prozent der organischen Partikel verantwortlich. Zusätzlich wird Kohle verbrannt, häufig in uralten und unwirtschaftlichen Öfen. Diese Kombination erzeugt einen extrem gefährlichen Schadstoff-Mix, der auch krebserregende Substanzen beinhaltet. Es wurden kurzzeitig Konzentrationen gemessen, die hunderte Mikrogramm Feinstaub in einem Kubikmeter Luft erreichten. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation gibt einen Grenzwert von lediglich 15 Mikrogramm für einen Tag an.
Die Lage von Sarajevo macht alles noch viel schlimmer. Wie in einem Kessel liegt die Stadt in einem schmalen Tal, von Hügeln eingeschlossen. Die kalte Luft sitzt fest, kann nicht weg, und der Dreck staut sich darunter wie unter einer riesigen Käseglocke. Sogar im alten Stadtkern, im Bereich der Baščaršija, ist die Luft zum Schneiden dick. Dort sind es hauptsächlich die vielen Grillrestaurants, deren Rauch vom Fleischbraten über offenem Feuer die Feinstaubwerte nach oben treibt.
Richtig beunruhigend sind die sogenannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK). Diese entstehen, wenn Holz und Kohle nicht komplett verbrennen, und sie gelten als krebserregend. Das Schweizer Paul Scherrer Institut (PSI) hat mit einem mobilen Hightech-Labor in Sarajevo erschreckend hohe Werte dieser Stoffe gemessen. Und als wäre das nicht genug, kommt noch Schwefeldioxid dazu. Unglaubliche 81 Prozent der europäischen Emissionen dieses Gases kommen vom Westbalkan und befeuern die Entstehung von noch mehr Feinstaub.
Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind eine Katastrophe. Weltweit zählt die Luftverschmutzung zu den schlimmsten Umweltrisiken. Experten schätzen, dass in Bosnien-Herzegowina jedes Jahr etwa 5.000 Menschenleben gerettet werden könnten, wenn die Dreck-Belastung nur um die Hälfte reduziert würde. Die chemische Beschaffenheit der Teilchen ist das Problem: In der Lunge wird dadurch oxidativer Stress ausgelöst, was die Gefahr von Herzinfarkten, Schlaganfällen und auch chronischen Leiden der Atemwege steigert. Eine rasche Besserung? Fehlanzeige, denn viele Gebäude sind mies isoliert und der Wechsel zu umweltfreundlichen Heizungen ist für viele unbezahlbar. (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

