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Mauer des Schweigens Wer ist Schuld am mysteriösen Tod der 15-jährigen Emanuela?

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Am 22. Juni 1983 verschwand die 15-jährige Emanuela Orlandi in Rom.

Rom  – Emanuela Orlandis Verschwinden gilt bis heute als einer der rätselhaftesten Kriminalfälle Italiens. Wurde das Mädchen (15), damals die jüngste Bürgerin im Vatikanstaat, als Druckmittel der Mafia eingesetzt, um Schulden beim Vatikan einzutreiben?

Wollten Terroristen die Freilassung des Papstattentäters Mehmet Ali Agca (heute 61) erzwingen? Emanuelas Bruder Pietro rennt seit mehr als 35 Jahren gegen eine Mauer des Schweigens.

Doch diese bekommt erste Risse. Der Vatikan reagiert auf einen anonymen Hinweis, lässt jetzt ein Grab öffnen – es ist die Grabstätte eines deutschen Prinzenpaares...

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Emanuela Orlandi verschwindet nach Musikunterricht

Die 80er Jahre im Zwergstaat: Emanuela, ein hübsches, eher schüchternes Mädchen mit kastanienbraunem Haar und Brille, wächst wohlbehütet im damals 400 Einwohner zählenden Stadtstaat auf. Ihr Vater verwaltet als treuer Diener die Privataudienz des Papstes. Und auch Emanuela begegnet dem Heiligen Vater häufig.

Sie spielt gern Querflöte – doch am 22. März 1983 kommt das Mädchen vom Musikunterricht nicht mehr zurück. Ihre Schulfreundin Mariagrazia Casini ist die Letzte, die Emanuela lebend gesehen hat.

Mysteriöses Jobangebot

„An der Bushaltestelle am Senatsgebäude, aber sie stieg nicht ein in den Bus. Sie wartete wohl auf jemanden, der ihr einen Job angeboten hatte.“

Davon hatte sie ihrer Schwester noch stolz am Telefon erzählt. „Sie sollte angeblich für Avon Reklame verteilen. Wer bitteschön zahlt so einem jungen Mädchen fast 300 Euro am Tag für so einen Job?“, fragt sich Bruder Pietro. Der Mann war wohl nur ein Lockvogel.

Entführer fordern Freilassung von Papst-Attentäter

Die Familie macht sich abends auf die Suche, betet die ganze Nacht, meldet das Mädchen am nächsten Morgen als vermisst. Die Polizei geht schnell einer Spur nach. Angeblich hätten sich die Entführer gemeldet, würden die Freilassung des Papstattentäters Mehmet Ali Agca einfordern.

Als Beweis werten sie einen Papierkorb, in dem die Polizei Emanuelas Schülerausweis, Quittungen und handgeschriebene Notizen findet.

Ein Tonband taucht auf, ein vertrauliches Dokument des Geheimdienstes. „Bitte, darf ich jetzt schlafen“, wimmert eine junge Frau. Tausende von Malen hat Pietro das Band abgespielt. „Ist das die Stimme meiner Schwester?“ Er weiß es nicht.

Johannes Paul II. versprach Rückkehr der Vermissten

Papst Johannes Paul II. richtet öffentliche Appelle an die Entführer, das Kind freizulassen. Zu Weihnachten besucht er die Orlandis persönlich, verspricht den Eltern, dass ihre Tochter (die Opfer des „internationalen Terrorismus“ geworden sei) zurückkommen wird.

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Sollte mit Emanuelas Entführung die Freilassung von Ali Agca erpresst werden? Und was wusste Johannes Paul II. davon?

Wie kommt er darauf? Weiß der Heilige Vater vielleicht mehr? Pietro, acht Jahre älter als seine Schwester, hat sich das schon damals gefragt.

Der Papst hat ihm am Weihnachtsabend eine Stelle in der Vatikanbank angeboten. Ausgerechnet ihm, einem jungen, unbedarften Mann. Aus Mitleid? Aus dem Gefühl heraus, der Familie etwas Gutes tun zu müssen? Oder vielleicht doch aus purer Berechnung? Diese Vermutung hegt er heute oft, denn der Fall wird im Laufe der Jahre immer mysteriöser...

Emanuela Orlandi als Druckmittel der Mafia?

Dann heißt es, das Mädchen sei von einer römischen Kriminellenbande entführt und kurze Zeit später getötet worden. Plötzlich meldet sich bei der Polizei Sabrina Munardi, eine Sexbombe aus den 70ern, erst verheiratet mit Torjäger Bruno Giordano (Lazio Rom), später Geliebte von Enrico De Pedis, Boss der „Banda della Magliani“.

Er habe ihr wenige Tage nach Emanuelas Verschwinden das Mädchen – das offensichtlich unter Drogen gesetzt worden war – ins Auto gesetzt. Sie habe das Kind zu einer Tankstelle fahren sollen. Dort sei sie in einen Mercedes mit vatikanischem Nummernschild verfrachtet worden. In einem Haus in Monteverde habe man Emanuela dann gefangen gehalten.

Aber warum? Warum sollte die Mafia Emanuela als Druckmittel benutzen? Und wie kommt die Kirche da ins Spiel? Heute ist Pietro, wie viele italienische Journalisten und Ermittler auch, davon überzeugt, dass seine Schwester „auf dem Altar des Kalten Krieges“ geopfert wurde.

Befinden sich Emanuelas Überreste im Prinzengrab?

Unterweltgeld in Millionenhöhe sei in der Vatikanbank von Kardinal Paul Marcinkus gewaschen worden, um den Kommunismus zu bekämpfen und Gewerkschaften wie Solidarnosc zu finanzieren. Dann wollte die Mafia ihr Geld zurück.

Ist Pietro der Wahrheit zu nahe gekommen? Die Vatikanbank drängt ihn in den vorzeitigen Ruhestand. „Sie hat mich rausgeworfen, weil ich den Mund nicht gehalten habe“, sagte er kürzlich in einer ZDF-Dokumentation.

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Er ruht nicht eher, bis die Wahrheit ans Licht kommt: Bruder Pietro Orlandi.

Doch Ruhe gibt Pietro immer noch nicht. Seine Anwältin Laura Sgro hat nach einem anonymen Hinweis im März den Vatikan so lange unter Druck gesetzt, dass er jetzt endlich ein Grab auf dem deutschen Friedhof im Vatikan öffnen lässt.
Die Grabstätte gehört Prinzessin Sofia und Prinz Gustav zu Hohenlohe.

Möglicherweise befinden sich darin aber zusätzlich Emanuelas sterbliche Überreste, so hat es der unbekannte Tippgeber gesagt. Zudem hat der Vatikan endlich eigene Ermittlungen aufgenommen.

Emanuelas Vater wird das nicht mehr erfahren. Ercole Orlandi starb 2004 an gebrochenem Herzen. Seine letzten Worte: „Ich wurde belogen von denen, denen ich treu gedient habe.“

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