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Edeka-Chef packt ausDarum lassen wir brutale Diebe einfach laufen

Sicherheitspersonal und Kunden in einem Supermarkt

Copyright: IMAGO / Arnulf Hettrich

Sicherheitspersonal und Kunden in einem Supermarkt.

Supermarkt-Bosse schlagen Alarm: Diebe werden brutaler.

Eine beunruhigende Atmosphäre macht sich in Deutschlands Supermärkten breit. Ein Rewe-Chef und diverse Leiter von Edeka-Filialen warnen eindringlich vor einer regelrechten Diebstahl-Flut. Sie sprechen von einem krassen Anstieg, der mancherorts 30 oder sogar 50 Prozent erreicht. Die Langfinger sind kaum noch auszumachen, es sind „Menschen wie du und ich“, die wegen der explodierenden Preise für Lebensmittel einfach kein Geld mehr haben.

Aber es ist nicht nur die Menge der Diebstähle, die Sorgen macht – die Lage spitzt sich dramatisch zu. Händler sehen einen brandgefährlichen Trend: Die Täter greifen immer öfter zur Gewalt, einige ziehen sofort ein Messer. Ein Betrieb ohne Security-Leute? Fast unmöglich geworden. Alexander Lorenz, Chef eines Edeka-Marktes in Völklingen im Saarland, redet Tacheles: „Wir lassen Brutalo-Diebe laufen. Leib und Leben sind es nicht wert, jeden aufzuhalten und überall einzuschreiten.“ Eine harte Lektion: Er wurde im Dezember 2025 selbst Opfer einer Attacke und verprügelt, als er auf dem Parkplatz einen Konflikt beenden wollte. Das berichtet „FOCUS online“.

Lorenz hat aus diesem schrecklichen Erlebnis seine Lehren gezogen. Für seinen Laden, den er seit 2019 führt, gibt es eine eiserne Regel: Dieben stellt man sich nur im Team entgegen, und auch nur, wenn wenigstens zwei männliche Kollegen dabei sind. Ein Dorn im Auge sind ihm außerdem die schleppenden Gerichtsverfahren. „Wenn die Diebe wissen, dass ihnen erst mal wenig passiert, ändern sie ihr Verhalten nicht“, meint der Edeka-Chef. Ein anderer Filialleiter, der lieber ungenannt bleibt, macht es genauso: „Gewaltbereite Diebe lassen wir oft gehen, klar.“ Das sei besonders dann der Fall, wenn gerade keine Security vor Ort ist.

Für die Ladenbesitzer ist die Sache glasklar: „Die Gesundheit meiner Mitarbeiter geht immer vor“, stellt der anonyme Chef klar. „Den finanziellen Schaden eines Ladendiebstahls kann man immer ersetzen. Wenn einem Mitarbeiter etwas passiert, kann ich das nicht ersetzen.“ Er geht davon aus, dass auf diese Art ungefähr fünf Prozent der Diebe entwischen. Rückendeckung für dieses Vorgehen kommt von Nils-Busch Petersen, dem Boss des Handelsverbands Berlin-Brandenburg. Er verweist auf offizielle Vorgaben, wonach Mitarbeiter „keine Heldentaten vollbringen“ und Täter im Zweifel ziehen lassen sollen.

Diese Vorgaben haben offiziellen Charakter und stammen von der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW). Deren Richtlinien formulieren klipp und klar, dass die eigene Sicherheit der Mitarbeiter absoluten Vorrang hat. Tatverdächtige dürfen demzufolge unter keinen Umständen an der Flucht gehindert werden. Es ist nicht die Aufgabe des Personals, Diebesgut wiederzubeschaffen oder flüchtenden Verdächtigen nachzujagen.

Der wirtschaftliche Schaden, der durch dieses Problem entsteht, ist gewaltig. Im Jahr 2024 belief sich der Verlust allein durch Ladendiebstähle auf drei Milliarden Euro. Zählt man noch Diebstähle von Lieferanten und Personal dazu, klettert die Zahl sogar auf vier Milliarden Euro. Zwei Milliarden davon gehen allein auf das Konto der Supermärkte. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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