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Drogen-Krieg in EuropaMafia-Banden außer Kontrolle – Justiz ist machtlos

Kommissar Brunner mit Brille und Anzug spricht

Kommissar Brunner im Wettlauf gegen Europas Drogenmafia (Symbolbild).

Ein TV-Beitrag enthüllt die schockierenden Dimensionen des Drogen-Business.

Eine aufrüttelnde Dokumentation auf Arte mit dem Titel „Europas Drogenmafia“ enthüllt die gnadenlose Wahrheit über die Drogen-Szene in Europa und liefert die Hintergründe zu einem kürzlich gezeigten XXL-„Tatort“. Wer in Amsterdam ganz entspannt an einer Gracht einen Joint qualmt, dem ist meist nicht klar, dass er damit einen der brutalsten Geschäftszweige des Kontinents finanziert. Der Film verdeutlicht, wie stark der Drogenhandel schon in die Wirtschaft vorgedrungen ist und wie ohnmächtig Politik und Justiz diesem Treiben begegnen.

Der Handel mit Rauschgift hat in den Niederlanden eine tief verwurzelte Vergangenheit. Sie dominierten schon im 18. Jahrhundert den Opiumhandel und mischten im 20. Jahrhundert im damals noch legalen Kokain-Markt mit. Die vorhandenen Vertriebsstrukturen wurden einfach für den illegalen Handel weiterverwendet. In den 1990er-Jahren folgte dann die Eskalation: Das Land entwickelte sich vom Umschlagplatz zum Produzenten. Im Jahr 1995 wurden dort pro Monat 20 Millionen Ecstasy-Pillen gefertigt – das waren sagenhafte 75 Prozent der gesamten Weltproduktion. Das berichtet „FOCUS online“.

Gnadenlos brutal: Die neue „Mocro-Mafia“

Die aktuelle Mafiosi-Generation stellt eine hochgradig riskante Verbindung von Straßenkriminalität, Drogengeschäften und eiskaltem Unternehmertum dar. Wer in diesen Kreisen Karriere machen möchte, braucht eine entscheidende Eigenschaft: absolute Brutalität. Die als Mocro-Mafia bekannte Gruppe setzt sich schon lange nicht mehr ausschließlich aus Marokkanern zusammen, sondern ist eine multinationale Truppe aus Niederländern, Lateinamerikanern, Arabern und Afrikanern. Hier zählen Fähigkeiten mehr als die Abstammung. Mithilfe neuester Verschlüsselungsmethoden lenken die Anführer ihre globalen Netzwerke sogar von sicheren Rückzugsorten wie Dubai aus – auch dann, wenn sie international zur Fahndung ausgeschrieben sind.

Paul Vugts, ein Journalist, der aufgrund seiner Nachforschungen Polizeischutz erhält, spricht eine deutliche Warnung aus: „Wir stehen vor dem, was ich 'Narco-Terror' nenne“. Und dieser Schrecken ist bereits Wirklichkeit geworden. Im Verlauf des vier Jahre dauernden Marengo-Prozesses, der 2024 zu Ende ging, wurden der Rechtsbeistand eines wichtigen Zeugen sowie der berühmte Reporter Peter de Vries kaltblütig getötet. Der Hauptbeschuldigte Ridouan Taghi, der mittlerweile eine lebenslange Freiheitsstrafe verbüßt, äußert sogar aus seiner Zelle Drohungen, die niederländische Kronprinzessin und den Regierungschef zu entführen.

Es gleicht einem Wettrennen, bei dem die Ermittler anscheinend den Kürzeren ziehen. Im Antwerpener Hafen, dem zentralen Knotenpunkt für Güter aus Lateinamerika, wird versucht, mit Scannern für Container die Oberhand zu gewinnen – doch der große Durchbruch bleibt aus. Positive Nachrichten gibt es kaum. Als im Juli 2020 in Wouwse Plantage eine Folterkammer aufgedeckt wurde, quittierte der Wirtschaftsjournalist Jan Meeus dies lediglich mit einem spöttischen „Wow!“. Der Kriminologe Damian Zaitch fällt ein vernichtendes Urteil: „Bloße Symbolpolitik, ohne jede Siegstrategie“. Das Drogengeschäft sei inzwischen „der Traum eines jeden Neoliberalen“ – ein freier Markt, in dem der Staat fehlt und Abgaben ein Fremdwort sind. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.