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Der große Wurst-StreitBerlin oder Ruhrpott? So isst Deutschland seine Currywurst

Eine Currywurst mit Pommes und Mayo

Copyright: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Erfunden in Berlin oder im Ruhrpott? Egal. Hauptsache, die Currywurst schmeckt.

Berlin vs. Pott: Wer macht die beste Currywurst? Rezept

Sie ist Deutschlands liebster Imbiss-Snack und sorgt für hitzige Debatten. Mit oder ohne Darm? Süß oder würzig? Wir klären den ewigen Streit zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet und verraten das Geheimrezept für die perfekte Soße zu Hause.

Sie zischt im heißen Fett, ihr Geruch ist unverwechselbar und sie ist der Retter in der Not – die Currywurst. Millionenfach wird sie in Deutschland verspeist, ob in der Kantine, an der Bude, auf Porzellan oder in der Pappschale. Nirgends wird sie so zelebriert wie in Berlin und im Ruhrpott. Hier ist sie Teil der Kultur und ein Stück Heimat. Wer eine Top-Imbissbude um die Ecke hat, ist ein Glückspilz, denn eine gute Currywurst ist eine Frage der Ehre. Aber wie genau isst der Hauptstädter seine Wurst? Was kommt im Pott auf den Teller? Und wie gelingt eine Soße, die es mit der vom Profi aufnehmen kann?

Berlin oder Ruhrgebiet: Jeder nach seiner Façon

«Mein Großvater Max Konnopke machte Currywurst, meine Mutter machte Currywurst und ich mache Currywurst», so stellt sich Mario Ziervogel vor, der in dritter Generation einen Berliner Imbiss betreibt. Der Name „Konnopke’s Imbiss“ ist ein Stück Ost-Berliner Wurst-Geschichte. Ziervogel, der mit „Ziervogel’s Kult-Curry“ heute eigene Akzente setzt, kennt die Vorlieben der Berliner aus dem Effeff: Klassisch ohne Darm, von heller Farbe, weicher Konsistenz und eher zurückhaltend im Geschmack.

Dazu kommt eine süß-fruchtige und würzige Tunke von feiner Beschaffenheit, gekrönt von einer großzügigen Prise Currypulver. Als Beilage haben Pommes frites der traditionellen Berliner Schrippe längst den Rang abgelaufen. Ziervogel stellt außerdem fest, dass die Kundschaft es heutzutage schärfer bevorzugt. Aus diesem Grund sind Chili-Soßen als Extra fast überall zu finden.

Konnopke's Imbiß in Berlin

Copyright: Bernd von Jutrczenka/dpa/dpa-tmn

Ohne Darm, weich, hell und eher mild im Geschmack: Das ist die Basis für eine original Berliner Currywurst.

Im Ruhrpott hingegen schwört man auf die Bratwurst mit Pelle: goldbraun vom Rost, mit ordentlich Knack und Biss. Serviert wird sie mit einer sämigeren, meist dunkleren und kräftigen Soße. Was nach ehrlicher Arbeit und Maloche aussieht, genießt im Revier Kultstatus. Zusammen mit Pommes rot-weiß entsteht daraus die berühmte Manta-Platte.

Currysoße wie vom Lieblingsimbiss

Für unzählige Anhänger macht die Soße den entscheidenden Unterschied beim Currywurst-Genuss aus. Das Wichtigste sei die perfekte Balance von Süße, Säure und Schärfe, erklärt Anja Würfl. Sie ist die Macherin des YouTube-Kanals „Die Frau am Grill“ und stellt auf ihrem gleichnamigen Blog eine riesige Auswahl an Rezepten zur Verfügung. Sie hat ein Rezept parat, das wie von der Stammbude schmeckt:

Für ihre Currysoße zunächst zwei Zwiebeln in kleine Würfel schneiden und vier Knoblauchzehen fein hacken. Etwas Sonnenblumen- oder Rapsöl in einem ausreichend großen Topf erhitzen und die Zwiebeln und den Knoblauch anschwitzen. Zwei Esslöffel Tomatenmark dazugeben und leicht anrösten. Mit 500 ml Cola ablöschen. Danach mit 500 ml passierten Tomaten und 500 ml Tomatenketchup aufgießen. Mit jeweils vier Esslöffeln Worcestersauce und Gewürzessig würzen. Abschließend zwei Esslöffel Currypulver in die Soße einrühren. Die Soße aufkochen lassen und anschließend gut pürieren. Zum Schluss so lange bei mittlerer Hitze köcheln lassen bis die Soße die gewünschte Konsistenz hat. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Das geduldige Einkochen ist laut Würfl der entscheidende Faktor. «Das kann ein bis zwei Stunden dauern», sagt sie. Erst so bekommt die Soße ihre typische, karamellige Note, die viele von ihrer Lieblingsbude so schätzen.

Würfls Geheimtipp: Zum Schluss einen kleinen Stich Butter dazugeben, dadurch wird die Soße wunderbar seidig-glänzend.

Eine gute Wurst als Grundlage

Man kann sich ewig darüber streiten, ob die Soße oder die Wurst den Vorrang hat. Tatsache ist: Die beste Tunke ist wertlos ohne eine anständige Wurst. «Bei uns enthält die Currywurst weniger Gewürze als die Bratwurst. Sie ist neutraler im Geschmack», erläutert Ziervogel. An den meisten Buden kommt jedoch dieselbe Wurstsorte zum Einsatz, typischerweise eine vorgegarte, feine Brühwurst.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Geschmack der Wurst-Fans gewandelt. «Bockwurst war früher der Hit. Heute will sie keiner mehr», berichtet Ziervogel. Deshalb hat er sein Sortiment um fleischlose Optionen erweitert. «Ich will ja nicht, dass jemand hungrig daneben sitzt», erklärt der Imbiss-Chef.

Auch wenn die Wurst geschmacklich nicht im Vordergrund stehen soll, macht sich Qualität vom Fleischer bezahlt. Eine Wurst mit einem hohen Fleischanteil und einer überschaubaren Zutatenliste, die fest und nicht gummiartig ist, ist eine gute Wahl. Ob mit oder ohne Pelle ist dabei übrigens keine Qualitätsfrage, sondern eine der Textur.

Currysoße und Currywurst von Anja Würfl

Copyright: Anja Würfl/Die Frau am Grill/dpa-tmn

Worcestersauce, Tomatenketchup, Cola: All das bringt Geschmack in die Currysoße von Anja Würfl. Wichtig, damit sie schön karamellig wird? Genug Zeit auf dem Herd!

Kreative Varianten vom Currywurst-Festival

Während die Currywurst in der Hauptstadt und im Ruhrgebiet als kulinarisches Heiligtum gilt, wird in anderen Gegenden munter damit experimentiert. Wie die dpa meldet, gibt es in Neuwied beispielsweise jedes Jahr das Festival der Currywurst. Über 30 verschiedene Anbieter stellen dort ihre Interpretationen des Imbiss-Klassikers vor. «Die Vielfalt überrascht uns immer wieder», sagt Oberbürgermeister Jan Einig. Viele Kombinationen, die erst mal seltsam klingen, erweisen sich später als sehr gefragt.

Da gelten Variationen mit Jack-Daniels-Soße, Trüffelbratwurst und eine grobe Wildbratwurst aus Hirsch und Reh mit einer Curry-Pflaumen-Zimt-Tunke schon beinahe als gewöhnlich. Deutlich ausgefallener sind da schon Currywurst aus Lachs, schwäbische Maultaschen mit Currywurst-Füllung, eine vegane Currywurst im Carbonara-Stil oder der Currywurst-Burger. Besonders Wagemutige konnten sogar eine Ahoi-Currywurst mit Brausepulver-Garnitur oder eine Bubblegum-Currywurst mit einer schaumig-cremigen, blauen Soße probieren.

Currywurstfestival Neuwied

Copyright: picture alliance / dpa

Die beste Currysoße der Welt ist nichts ohne eine gute Wurst. Die sollte schön fest sein, aber nicht gummiartig.

Ein Stück deutsche Imbisskultur

Ist bei der Currywurst also wirklich alles gestattet? «Blattgold oder Trüffel? Das sind Modeerscheinungen, die sind schnell wieder weg», ist Ziervogel überzeugt. Für ihn, genau wie für Millionen andere Liebhaber, liegt die Faszination im altbekannten Geschmackserlebnis. Ob als Manta-Platte, Schimanski-Teller oder von Herbert Grönemeyer besungen – die Currywurst ist schon lange ein fester Bestandteil der Popkultur.

Und sie taucht gerade in den sozialen Netzwerken als Zutat des Taxitellers wieder auf. Dieses Gericht, das nicht nur Taxifahrern Energie gibt, hat es wirklich in sich: Es ist eine Kombination aus Gyros, Zaziki, Pommes und Currywurst.

Currywurst im Ahoi-Brause-Stil

Copyright: Thomas Frey/dpa/dpa-tmn

Mit dem gewissen Prickeln: Ingrid Meyer dekoriert beim Festival der Currywurst eine Currywurst im Ahoi-Brause-Stil.

Ob die Currywurst nun in Berlin, Hamburg oder Duisburg das Licht der Welt erblickte, wird wohl für immer leidenschaftlich debattiert werden. Die Antwort mag im gelben Curry-Nebel der Geschichte verborgen sein, doch ihre Existenz ist ein echter Glücksfall. Es bleibt nur noch die Frage zu klären, ob man eine oder «zwei Currywurst» bestellt. Wenn der Magen knurrt, ist die Antwort meistens: «Doppel-Currywurst.» (dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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