Corona-Debatte Impfstoff für fünfjährige Kinder? Biontech-Chef überrascht mit Zeitplan

Ugur Sahin und Angela Merkel im Biontech-Labor.

Ugur Sahin, hier im August 2021 mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, glaubt, dass der Biontech-Impfstoff bald auch bei kleineren Kindern eingesetzt werden kann.

Wird Biontech erneut Vorreiter? Geht es nach Ugur Sahin, soll der Impfstoff noch 2021 auch bei jüngeren Kindern zum Einsatz kommen.

Köln. Das ist eine echte Corona-Sensation: Biontech-Chef Ugur Sahin geht davon aus, dass der Impfstoff seines Unternehmens für fünf- bis elfjährige Kinder noch in diesem Jahr zum Einsatz kommen kann. „Wenn alle Daten gut aussehen und die Behörden das entsprechend so bestätigen und eine Genehmigung geben – ja, das halte ich für realistisch“, sagte Sahin dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

„Wir erwarten, dass wir Daten Ende September vorliegen haben, die wir auch den Behörden in Europa und in den USA vorlegen werden“, erklärte er im Hinblick auf das geplante Zulassungsverfahren des Biontech-Impfstoffes für die Fünf- bis Elfjährigen.

Biontech: Chef Ugur Sahin will Impfungen für Kinder ab fünf Jahren

Sahin rief außerdem zu weiteren Anstrengungen in der Impfkampagne auf: „Wir dürfen nicht einfach resignieren und akzeptieren, dass wir noch keine ausreichende Impfquote haben“, sagte er. Das Beste, das helfe, sei zu informieren. Es müsste weiter versucht werden, die Menschen zu überzeugen, Gespräche zu führen „und vielleicht auch den Zugang zum Impfstoff nochmal zu vereinfachen, so dass Impfungen weiter erleichtert werden“, forderte der Mediziner.

Die Delta-Variante und die bislang nicht ausreichende Impfquote in Deutschland könnten nach Ansicht des Biontech-Chefs zu einem weiteren Anstieg der Inzidenzzahlen im Herbst führen: „Die Infektionsrate des Virus ist leider sehr hoch. Selbst wenn wir 70 oder 80 Prozent Geimpfte hätten, könnten wir wegen der restlichen 20 Prozent von Ungeimpften in der Bevölkerung einen Anstieg der Inzidenzen ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen nicht verhindern. Wir brauchen noch eine Kombination von Maßnahmen, um die Infektionen einzudämmen - besonders in geschlossenen Räumen“, sagte Sahin.

Dritte Impfung gegen Corona: Ugur Sahin hält sie für sinnvoll

Vorläufige Studien deuteten darauf hin, dass die Delta-Variante etwa zehn- bis tausendmal mehr Viren produziere als die ursprüngliche: „Dadurch ergibt sich dann wahrscheinlich auch die höhere Infektionsrate. Diese Virusvariante ist dennoch auch für die Antikörper, die die bisherigen Impfstoffe induzieren, empfänglich“, so Sahin.

Zum Thema Auffrischungsimpfungen erklärte er, es sei „sinnvoll, dass diejenigen mit einem abbauenden Immunschutz noch eine dritte Impfung bekommen. Unsere Daten wie auch erste Daten aus Israel zeigen, dass nach der dritten Impfung der Schutz auch gegen die neue Variante wieder vollständig hergestellt ist.“

Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger” weiter berichtet, erhalten die Biontech-Gründer Sahin und Özlem Türeci für ihre Verdienste um die Impfstoffentwicklung gegen Covid-19 hohe Auszeichnungen der Stadt und der Universität zu Köln.

OB Henriette Reker empfängt den in Köln aufgewachsenen Şahin und seine Ehefrau Türeci am Freitag (17. September) im Rathaus, wo sich beide ins Goldene Buch der Stadt eintragen werden. Im Rahmen des Empfangs wird der Rektor der Universität zu Köln, Axel Freimuth, beiden Medizinern zudem die Ehrendoktorwürde verleihen. (red)

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