Billy the Kid war ein berühmter Revolverheld des Wilden Westens. Vor 145 Jahren wurde er von Sheriff Pat Garrett auf der Flucht erschossen.
Billy the Kid„Shootingstar“ mit Colt und Coolness

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Eines der wenigen erhaltenen Fotos von Billy the Kid. Der glattrasierte Mann mit Bubi-Face trägt staubbedeckte Stiefel (in diesem Bildausschnitt nicht zu sehen), Baumwollhose und Hemd, dazu eine Strickweste und -jacke. Als Accessoires trägt er Halstuch, Hut, Patronengurt (mit eingestecktem Colt) und stützt sich auf eine Langfeuerwaffe. 2011 wurde das mit Ferrotypie gefertigte Foto für umgerechnet 2,3 Millionen Euro (inklusive Gebühren) versteigert.

Sein kurzes Leben ist geprägt von locker sitzenden Colts, brutaler Gewalt und ständiger Flucht vor dem Galgen. Revolverheld Billy the Kid, der meist in einem Atemzug mit anderen Wildwest-Legenden wie Doc Holliday, John Wesley Hardin, Wyatt Earp oder Jesse James genannt wird. Die Erschießung des Outlaw (Gesetzlosen) vor 145 Jahren ist die Geburtsstunde eines Mythos.
Kids Geschichte ist ein knallharter Krimi fernab aller Wildwest-Romantik – erbarmungslos und mörderisch bis zu seinem dramatischen Ende. Nur wenige Fotos gibt es von dem jungen Mann. Ein schmächtiger bartloser Bubi im Teenager-Alter. Doch der Jungspund, den alle nur „Billy the Kid“ nennen, hat es faustdick hinter den Ohren. Sich mit ihm anzulegen, kann für seine Gegner schnell tödlich enden.
Billy the Kid: Mit 15 überfällt er eine Wäscherei
Geboren wird er Ende 1859 in New York als Henry McCarty. Wenig nur ist über seine Kindheit bekannt. Sein Vater scheint früh gestorben zu sein. Später heiratet seine Mutter Cathy wieder und lässt sich mit ihrem neuen Mann und den Kindern (Henry hat noch einen jüngeren Bruder) in Silver City in New Mexico nieder, wo sie 1874 an Tuberkulose stirbt. Henry alias Billy the Kid oder William H. Bonney, wie er sich selbst nennt, hält es da nicht mehr zuhause aus. Mit dem Stiefvater, den er nicht mag, liegt er über Kreuz. Lieber treibt er sich rum in Spelunken, wo er die Gesellschaft von Klein-Kriminellen, Abenteurern und Glücksspielern genießt.
Erstmals straffällig wird er mit 15 Jahren, als er bei einem Überfall auf eine Wäscherei erwischt wird. Er kann aber aus dem Knast entkommen und streift durch die Gegend. Mal nimmt er Gelegenheitsjobs an, mal schließt er sich Diebesbanden an. Seine Schießkünste und Kaltblütigkeit wissen seine neuen Freunde zu schätzen. 21 Morde werden ihm am Ende seines Lebens zur Last gelegt werden – für jedes Lebensjahr einen. Verbürgt sind allerdings nur vier. Dazu zählt der Mord an Hufschmied Frank Cahill, den er am 17. August 1877 in einem Saloon in Camp Grant (New Mexico) nach einer Schlägerei erschießt. Ob es möglicherweise Notwehr war, bleibt offen.

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Der Colt Single Action Revolver, mit dem Pat Garrett Billy the Kid erschoss, wurde 2021 für umgerechnet 5,1 Millionen Euro versteigert.
In zeitgenössischen Berichten spielt das ohnehin keine Rolle. Da ist Billy the Kid stets der teuflische Killer, der immer den Finger am Abzug hat. Für Schlagzeilen sorgt er regelmäßig – zuweilen auch weit über New Mexico hinaus. So in einem Krieg zwischen Viehzüchtern und einem Kartell aus Geschäftemachern, korrupten Politikern und Großhändlern, der als „Lincoln County Cattle War“ in die Geschichte eingeht. Bei dieser Auseinandersetzung um lukrative Verträge, Land und Handelsmonopole liefern sich beide Seiten mit schwerbewaffneten, durch angeheuerte Outlaws verstärkte Milizen blutige Gefechte. In vorderster Front mit dabei ist Billy the Kid, der an der Seite von Viehbaron John Tunstall in die Schlachten reitet.
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Als sein Chef am 18. März 1878 von Schützen des Kartells getötet wird, schwört Billy Rache. Mit seiner Bande fällt er in Lincoln ein und erschießt unter anderem den in Diensten des Kartells agierenden Sheriff auf offener Straße. Außer ihm kommen in dem „Cattle War“ mindestens fünf Menschen ums Leben. Drei von ihnen hat Billy auf dem Gewissen, heißt es. Für den gefürchteten Revolverhelden wird die Luft jetzt mit jedem Tag merklich dünner. Die Justiz gibt ihn zum Abschuss frei. Zur Strecke bringen soll ihn Pat Garrett, der neue Sheriff von Lincoln County – „DEAD OR ALIVE“, tot oder lebendig, wie es in fetten Lettern auf den Steckbriefen heißt.

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Der britische Schauspieler Tom Blyth verkörpert Billy the Kid in der gleichnamigen, von Michael Hirst von 2022 bis 2025 produzierten historischen US-Serie (zu sehen bei Magenta TV).
Ausgerechnet Pat Garrett – ein ehemaliger Barkeeper mit zweifelhafter Vergangenheit, den Billy the Kid seit langem kennt. Einst waren sie sogar befreundet. Doch das zählt nicht mehr. Monatelang wird die Jagd dauern, weil es Billy immer wieder gelingt, Pat Garrett zu entkommen. Verstecke findet er problemlos. In New Mexico schätzen viele Hispanos den Desperado, der auch fließend Spanisch spricht. In ihm sehen sie einen Verbündeten im Kampf gegen Spekulanten, die scharf auf ihr Land sind. Das ist sicher zu viel der Ehre für Billy the Kid. Als Robin Hood des Wilden Westens taugt er in keiner Phase seiner Gangster-Karriere, auch wenn manche seiner Fans das anders sehen mögen. Im April 1881 wird er schließlich von Garrett geschnappt und wenig später zum Tode durch den Strang verurteilt.
Doch noch einmal schafft es Billy the Kid, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Er bricht aus dem Gefängnis aus, nachdem er zuvor die beiden Aufseher ermordet hat. Billy flieht nach Fort Sumner, wo er bei Freunden Unterschlupf findet. In die Tochter der Familie soll er verliebt gewesen sein. Was Billy nicht ahnt: Pat Garrett weiß längst, wo er untergetaucht ist. Sein Versteck hat ein Bekannter verraten. In der Nacht des 14. Juli 1881 schleicht sich der Sheriff zu dem Haus und legt sich auf die Lauer. Als Billy wegen eines Geräuschs aufwacht und im Dunkeln auf Spanisch „Wer ist da?“ fragt, feuert Garrett zweimal auf den Ex-Freund – aus kurzer Distanz. Ein Schuss ist tödlich.
Der Tod von Billy the Kid: eine handfeste Fake-News?
Ruhe kehrt mit dem Ende des Revolverhelden aber nicht ein. Jetzt geht die Billy-Mania erst so richtig los – mit teils wilden Spekulationen aus dem Leben des schillernden Killers. Im Laufe der Jahre behaupten sogar zwei Männer, sie seien Billy the Kid und nicht von Garrett erschossen worden. Beweise bleiben sie schuldig. Dass Billy all die Jahre nach seinem Tod nicht von der Bildfläche verschwunden ist, verdankt er sicher auch den vielen Autoren und Regisseuren, die seine faszinierende Geschichte mit einer Flut von Schriften und Filmen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln beleuchtet haben – bis heute.
Dazu zählt u. a. der Film „Pat Garrett jagt Billy the Kid“ von Regisseur Sam Peckinpah aus dem Jahr 1973 mit Kris Kristofferson in der Rolle des Gesetzlosen. Der Soundtrack mit dem weltberühmten Hit „Knockin’ on Heaven’s Door“ stammt von Bob Dylan, der auch in dem Western mitspielt. In jüngster Zeit hat Michael Hirst den Stoff in der US-TV-Serie „Billy the Kid“ (alle Staffeln bei Magenta TV) mit Tom Blyth in der Titelrolle aufgegriffen. Pat Garrett überlebt Billy um viele Jahre. Eines natürlichen Todes stirbt aber auch er nicht. Am 19. Februar 1908 wird der inzwischen 57-Jährige im Streit von Jesse Wayne Brazel erschossen, dem er seine Ranch verpachtet hat.
