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Bahn-Tragödie in SpanienTodeszug wurde 17 Minuten lang nicht gestoppt

68 Todesopfer: Das nahende Drama war 17 Minuten lang auf den Bildschirmen erkennbar – aber keiner bremste die Bahn.

Unfassbare 17 Minuten verstrichen. Diese Zeitspanne stand zur Verfügung, um das verheerende Zugunglück nahe Urda (Provinz Toledo) in Spanien am Mittwoch (28. Oktober 2026) noch abzuwenden. Ein schlichter Warnruf per Funk an den Triebfahrzeugführer des AVE-Schnellzugs und ein klarer Bremsbefehl hätten völlig ausgereicht.

Doch diese Order blieb aus. In der Zeit von 8.36 Uhr bis 8.53 Uhr überbrückte der Schnellzug samt 397 Reisenden 25 Kilometer Distanz bis zu einer auf dem Gleis stehenden Bahn der Gesellschaft Iryo. Darin befanden sich 147 zusätzliche Insassen. Anschließend folgte der Zusammenstoß bei hoher Geschwindigkeit. Mindestens 68 Personen verloren dabei ihr Leben. Das berichtet „El País“.

Menschliches Versagen bei Zugunfall in Spanien

Eine plausible Begründung für dieses Drama existiert bisher nicht. Der spanische Verkehrsminister Óscar Puente bezeichnet den Ablauf als absolut „unerklärlich“. Es bleibt eines der gewaltigsten Rätsel nach dieser Tragödie: Wieso fiel weder dem zuständigen Koordinator in der Leitstelle noch dessen Chefs auf, dass eine komplett besetzte Bahn ungebremst auf einen blockierten Zug zuraste?

Minister Puente zeigt sehr deutlich auf die Person, welche seiner Ansicht nach die Schuld trägt: Jener Angestellte, der vormittags diesen Schienenabschnitt kontrollierte. Bereits am frühen Morgen isolierte man den Betroffenen innerhalb der Überwachungszentrale. Angesichts der enormen Schuldfrage, mit der er sich jetzt konfrontiert sieht, betreuten ihn ein Rechtsbeistand sowie ein Seelsorger.

Beamte der Guardia Civil befragten den Mann ebenfalls schon. Laut eigener Aussage führte der Politiker selbst kein Gespräch mit ihm. Stattdessen entschied sich der Bedienstete dafür, lediglich mit seinem Verteidiger und den gerichtlich entsandten Ermittlern zu reden.

Dennoch agierte dieser Verantwortliche keineswegs im Alleingang. Direkt an seiner Seite arbeitete eine Hilfskraft, während ein Dienstvorgesetzter die Aufsicht führte. Dennoch erteilte niemand aus diesem Trio dem AVE ein Stoppsignal. Selbst eine Drosselung des Tempos wurde nicht verfügt.

Etwa sechs Bahnen erhielten vom Koordinator die Freigabe, die Fahrt „mit normaler Geschwindigkeit“ wieder aufzunehmen. Das bedeutet Höchsttempo. Einer der Bahnfahrer wies darauf hin, dass durch den Ausfall technischer Systeme nur die Fahrt auf Sicht (40 km/h) gestattet sei. An andere Züge wurde die Vorgabe allerdings nicht weitergeleitet, obwohl die Leitstelle per Funk zustimmte.

Sämtliche Beschlüsse sowie Kommandos liegen sowohl schriftlich als auch auf Tonband dokumentiert vor. Experten haben diese Datenmengen schon ausgewertet. Aus diesem Grund lässt sich wohl jede einzelne Handlung lückenlos nachweisen.

Zug-Tragödie in Spanien: Technisches Sicherheitssystem stürzte ab

Das Unheil begann exakt um 8.30 Uhr durch den Ausfall der EDV-Anlage LZB, welche Spaniens Schnellfahrstrecken überwacht. Sobald diese Überwachung versagt, bremst die Automatik sämtliche Bahnen im jeweiligen Sektor selbstständig ab. Exakt so lief es auch ab. Regierungsvertreter geben an, dass sich rund sechs Züge auf den Gleisen befanden, jeweils drei pro Fahrtrichtung.

Nach einem solchen Vorfall muss manuell operiert werden. Ab dann treffen ausschließlich Menschen die kritischen Entscheidungen. Der Minister unterstreicht, dieses Prinzip gelte für sämtliche Transportwege, egal ob im Straßenverkehr oder beim Fliegen: Versagt die Elektronik, trägt der Mensch die Verantwortung.

Konkret handelte es sich hierbei um jenen Koordinator, dem ein Assistent zuarbeitete und den ein Chef beaufsichtigte. Bloß sechs Minuten nach der automatischen Vollbremsung gab dieser Angestellte um 8.36 Uhr die Trasse wieder frei. Sowohl per Textnachricht als auch am Telefon befahl er den sechs Zügen, ihre Reise „mit normaler Geschwindigkeit“ fortzusetzen.

Gleichzeitig war auf seinem Bildschirm klar ersichtlich, dass ein defektes Schienenfahrzeug komplett stillstand. Daher bleibt es für alle Beteiligten ein absolutes Rätsel, wieso er sämtlichen Bahnen – einschließlich des AVE – die reguläre Weiterfahrt gestattete. (red)