Vor wenigen Jahren erlebte Tulum einen Tourismus-Hype, baute einen eigenen Flughafen. Jetzt wirkt das Urlaubsparadies ausgestorben.
Kaum Touristen und ekliger GestankFrüheres Urlaubsparadies verkommt zur Ruine

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Die Strände von Tulum sind schon länger kein gehyptes Paradies mehr.
Gähnende Leere herrscht auf der Startbahn des Flughafens im mexikanischen Tulum. Bloß ein einziger Airbus A320 der Linie Viva Aerobus parkt dort. Stundenlang wird dieser Jet das einzige Flugzeug am erst 2023 eingeweihten Abfertigungsgebäude bleiben.
Im Inneren macht sich eine gespenstische Stille breit, die Gänsehaut verursacht. Lediglich das Echo tobender Kids dringt von weit weg ans Ohr. Was steckt hinter dieser trostlosen Szenerie? Die Fluglinien American Airlines, Volaris sowie Aeroméxico streichen fast sämtliche Routen an diesen mexikanischen Karibik-Hotspot. Das einstige Urlaubsparadies steckt tief in der Krise.
Tulum war noch vor wenigen Jahren absoluter Reise-Hype
Noch bis vor wenigen Jahren wurde Tulum als absolutes Juwel der Riviera Maya in Mexiko gefeiert, lockte zudem mit den Ruinen eines alten Maya-Tempels. Diese goldenen Zeiten sind jedoch vorbei. Verantwortlich für den Absturz sind neben extrem teuren Preisen auch riesige Mengen an Sargassum-Algen, welche die Ufer regelrecht überschwemmen und für unangenehmen Gestank sorgen.
Durch die gestrichenen Flugverbindungen haben Reisende nun noch größere Probleme, diesen Ort überhaupt zu erreichen. Über die letzten zwölf Monate spitzte sich die dramatische Lage für die Kommune im Teilstaat Quintana Roo massiv zu. Mittlerweile reißt die Urlauber-Flaute zahlreiche Wirtschaftszweige in den Abgrund, die eigentlich auf endlosen Reichtum gehofft hatten. Das berichtet „El País“.
Schon vor zwölf Monaten kam der erste Weckruf aus dem Gastgewerbe. Die Inhaber registrierten damals ein Minus von zehn Prozent bei den gebuchten Betten. Nun schlagen auch die Airlines die Hände über dem Kopf zusammen, weil sich die Verbindungen tief ins Dschungelgebiet finanziell absolut nicht mehr rentieren. Ein massiver Rückgang von 33 Prozent bei den Fluggästen wird seit 2025 verzeichnet.
Eigentlich galt dieser Dschungel-Airport als absolutes Vorzeigemodell. Unter der Regierung von Andrés Manuel López Obrador (2018–2024) wurde der Bau stolz vorangetrieben. Das Ziel war es, den überfüllten Verkehrsflughafen in Cancún zu unterstützen und Urlaubern eine schnelle Route in jenes Gebiet zu bieten, welches nach der Corona-Krise 2021 einen irren Boom erlebte.
Anfangs funktionierte dieser Plan abseits von Cancún hervorragend, weil zahllose internationale Touristen anreisten. Dadurch explodierten jedoch die Kosten für den Service vor Ort. Zudem mehrten sich die Klagen vieler Reisender über Wucher-Strategien etwa bei Taxifahrten oder auch Abzock-Erlebnisse mit der lokalen Polizei.
Der Hype brach schnell zusammen. Zahlreiche Geschäfte sowie Firmen in Tulum mussten ihre Türen bereits für immer verriegeln. Ein Abstecher ins Hotelviertel offenbart das ganze Drama. Direkt am Strand befindet sich dort das eher schlichte Resort Maya Tulum samt Strandclub, kleinen Bungalows sowie eigener Gastronomie. Noch im Oktober 2025 sonnten sich auf den Polstern vereinzelte Urlauber und genossen das Wetter. Inzwischen wirkt das Areal komplett ausgestorben.

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Reinigungstrupps kämpfen in Tulum vergeblich gegen die Braunalgen-Plage.
Wie nach einer panischen Massenflucht von einer Sekunde auf die andere wirken die verwaisten Sitzgruppen, Liegestühle und Tische. Da sich vor der Anlage keiner mehr um die Strandpflege kümmert, wuchert auf beinahe tausend Metern Küste nur noch das braune Sargassum.
Durch den Anstieg der Meerestemperatur breiten sich die Pflanzen im Wasser blitzschnell aus, werden dann in riesigen Feldern an den Strand gespült, wo sie vertrocknen und dabei übel riechende Gase ausströmen. Bislang scheiterten alle Maßnahmen, um die Strände dauerhaft von der Plage zu befreien.
Obwohl die seit April laufende Algen-Zeit eigentlich fast vorbei ist, sucht man das berühmte klare Karibikblau Ende Oktober weiterhin vergeblich. Stattdessen färbt sich die weiße Gischt der Brandung eklig rotbraun.
Auswertungen von NASA-Satelliten belegen für das Jahr 2026 eine nie dagewesene Masse dieser Meerespflanzen im karibischen Raum. Eindringlich warnt die amerikanische Raumfahrtbehörde: „Verrottendes Sargassum setzt Schwefelwasserstoff frei, ein Gas mit dem Geruch fauler Eier, das ein potenzielles Problem sowohl für Ökosysteme als auch für den Tourismus darstellt.“
Zwar schickt die mexikanische Regierung Reinigungstrupps an die Strände und an vielen Orten setzen Strandclubs eigene Mitarbeiter ein, doch gegen die Naturgewalten und den wirtschaftlichen Abschwung in Tulum scheint derzeit kein Kraut gewachsen zu sein.
