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Nach Todes-Fahrt in LeipzigExperte verrät Bundeswehr-Trick gegen die Angst

Gürtel einer Einsatzkraft mit Ausrüstung und Handschellen

Copyright: IMAGO / Swaantje Hehmann

Gürtel einer Einsatzkraft mit Ausrüstung und Handschellen.

Nach der Todesfahrt: Ein Fachmann enthüllt eine Methode der Streitkräfte.

Ganz Deutschland ist erschüttert über die Ereignisse in Leipzig: Ein Wagen fuhr in eine Ansammlung von Passanten, zwei Personen kamen ums Leben und zahlreiche wurden verletzt. Der 33 Jahre alte Lenker agierte anscheinend ohne erkennbares Muster, sein Beweggrund liegt im Dunkeln. Ein Verbrechen, das sprachlos zurücklässt und große Furcht hervorruft, da es jeden hätte erwischen können. Diese Empfindung von Hilflosigkeit und Verunsicherung lähmt viele.

Aber es existieren Methoden, um in derartigen Ausnahmesituationen die Kontrolle zu behalten. Ein besonderes Verfahren, bekannt als Combat-Coaching, wurde von Thomas Loew für die deutschen Streitkräfte konzipiert. Loew ist Professor im Bereich Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Regensburger Universität. Der Fachmann erläutert, wie wir alle unbegründete Furcht meistern und in brenzligen Lagen einen kühlen Verstand behalten können. Das berichtet „t-online“.

Fachmann erklärt: Empfundene Bedrohung ist nicht die reale Bedrohung

Im Anschluss an dramatische Ereignisse wie jenes in Leipzig kommt die Frage auf: Ist diese Furcht gerechtfertigt? Laut Loew muss hier deutlich zwischen der empfundenen und der realen Bedrohung differenziert werden. Furcht in gewissen Lagen sei gewöhnlich, was Einsatzkräfte wie Polizisten oder Rettungskräfte jeden Tag erfahren. Wir haben aber die Möglichkeit zu lernen, uns durch simple Methoden wieder zu fangen.

Ein unkompliziertes Verfahren ist die „LAGE-Analyse“. In einer angespannten Lage stellt man sich dabei die Fragen: Wie ist meine Stimmung? Wie verkrampft bin ich? Spüre ich eine innere Hektik? Wie ausgelaugt fühle ich mich? Schon allein diese Fragen schaffen Abstand zum eigenen Gefühl und ermöglichen eine gelassenere Reaktion.

Darüber hinaus erwähnt Loew eine „falsche Einschätzung von Risiken“. Die Furcht vor einer Gewalttat ist häufig enorm, auch wenn die rechnerische Möglichkeit, selbst betroffen zu sein, äußerst niedrig ist. Er stellt eine erstaunliche Gegenüberstellung an: Das Risiko, durch einen Verkehrsunfall zu sterben, ist deutlich größer. Dennoch fürchten sich die wenigsten Leute davor, ein Fahrzeug zu benutzen.

Laut Loew unterstützt es, sich diese Tatsachen vor Augen zu führen, um Gefahren besser bewerten zu können. Seine Empfehlung ist, die Realität mit simplem Rechnen zu begreifen. Dies heißt nicht, unvorsichtig zu sein, sondern bewahrt davor, von übermäßiger Furcht blockiert zu werden. Vielmehr sei ein Gespür für wirksame Selbstverteidigung nötig.

Das 7-Phasen-Modell der Streitkräfte

Loew hat das „Combat-Coaching“ speziell für Notfallsituationen von Einsatzkräften konzipiert. Es handelt sich um eine erprobte Vorgehensweise, die Soldaten dabei unterstützt, selbst im schlimmsten Durcheinander die Kontrolle zu wahren – zum Beispiel, wenn nach einer Detonation Hektik entsteht und sie in einer bedrohlichen Umgebung verharren. Der grundlegende Gedanke lautet: Erst die Lage analysieren (Check), danach stufenweise agieren (Change).

Auf diese Weise bildet sich ein mentaler Leitfaden, der dabei unterstützt, aus der akuten Angst herauszufinden. Wichtig sei hierbei nicht allein, einen kühlen Kopf zu behalten, sondern gezielt Gelassenheit aufzubauen. Die Methode stützt sich auf sieben konkrete Phasen, die „7 Cs“:1. Control (Kontrolle): Mittels wiederholter kleiner Bewegungen und bewusstem Atmen die physische Selbstbeherrschung wiedererlangen.2. Cognition (Erkenntnis): Die eigenen Gedanken ordnen: Was zählt in diesem Moment am meisten?3. Chance (Möglichkeit): Welche Optionen zum Handeln bestehen in dieser Lage überhaupt?4. Calculate (Abwägen): Die unterschiedlichen verfügbaren Alternativen gegeneinander abwägen.5. Coordinate (Abstimmen): Wer ist sonst noch involviert, wer benötigt Informationen oder muss mitmachen?6. Concentrate (Konzentration): Den Fokus auf das Allerwichtigste legen.7. Change (Veränderung): Erst im Anschluss, nach sorgfältiger Abwägung, mit der Handlung beginnen.

Seelische Erstversorgung für die ganze Gesellschaft

Loew plädiert dafür, dass seelische Erstversorgung den gleichen Stellenwert erhalten muss wie die körperliche. Der Fachmann betont: „Jeder Mensch sollte die Grundlagen der psychischen Selbstregulation erlernen“. Niemand könne wissen, was die kommenden Jahre bereithalten, ob durch gesellschaftliche Veränderungen oder Umweltkatastrophen.

Aus diesem Grund seien Programme notwendig, die seelische Erstversorgung planmäßig lehren. Er regt an, bereits in Bildungseinrichtungen eine zweistündige Schulung zum Umgang mit Stress zu etablieren. Der Kurs für die Fahrerlaubnis, den zahlreiche Menschen vor langer Zeit absolviert haben, sei keinesfalls ausreichend, um auf derartige Notlagen vorbereitet zu sein. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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