Zweiter Lockdown unnötig? Top-Virologen lehnen Maßnahmen der Regierung ab

Streeck

Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn ist gegen einen erneuten Lockdown. Er fordert ein Ampelsystem. Hier wurde der Experte im März 2020 in einem Labor in Bonn abgelichtet.

Berlin – Lockdown-Light in Deutschland! Experten der Wissen- und Ärzteschaft halten die scharfen Maßnahmen der Regierung jedoch für unnötig. Deshalb hatten sie kurz vor dem Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (28.10.) Forderungen eingereicht.

Gegen Lockdown: Virologen und Ärzte wollen Schutz von Risikogruppen

Beim Treffen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde über weitere Maßnahmen im Kampf gegen Corona entscheiden.

So wurden die Schließung von Gastronomie und Freizeitstätten, sowie schärfere Kontaktbeschränkungen getroffen. Diesen halten unter anderem Virologe Prof. Hendrik Streeck und Prof. Jonas Schmidt-Chanasit für unnötig.

In einer Online-Pressekonferenz haben Streeck & Co. erklärt, warum sie einen Lockdown ablehnen. Darin plädieren sie für Gebote statt Verbote.

Corona: Virologen und Ärzte halten Lockdown für unnötig

Man sollte sich auf einen gezielten Schutz der Risikogruppen fokussieren, erklärt Top-Virologe Streeck im Interview mit RTL.de.

Die Pandemie sei nicht mehr „ausschließlich im Rahmen einer Kontaktnachverfolgung“ einzudämmen. Deshalb fordern Vertreter der Wissen- und Ärzteschaft nun ein bundesweites Ampelsystem anstatt eines Lockdowns.

Das Ampelsystem soll die Lage auf einen Blick wiedergeben und eine Bewertung der Situation möglich machen.

Zusätzlich sollen nicht nur die Kennzahlen der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner, sondern auf „alle relevanten Kennzahlen, wie Infektionszahlen, Anzahl der durchgeführten Tests, stationäre und intensivmedizinische Behandlungskapazitäten“ erkenntlich werden.

Corona: Virologen und Ärzte fordern Ampelsystem statt Lockdown

Die Experten fordern Gebote statt Verbote. Die Bevölkerung müsse von der Politik zur Mitarbeit motiviert werden. Die Infektionszahlen würden laut den Experten nicht als Basis für politische Entscheidungen reichen.

Anhand des Ampelsystems könnten Bund und Länder „dann klar kommunizieren, wie die aktuelle Situation aussieht, mit welchen Entwicklungen zu rechnen ist und mit welchen Maßnahmen darauf reagiert werden sollte“, erklärt Streeck.

Außerdem könnten eine Gefährdung von Risikogruppen und eine mögliche Überlastung des Gesundheitswesens frühzeitig identifiziert werden.

Corona-Pandemie: Gebote statt Verbote

Dieses System würde jedoch nur mit der Mitarbeit der Bürgerinnen und Bürger funktionieren. Deshalb müsse den Menschen Hoffnung und Mut gemacht werden, anstatt Angst und Panik zu verbreiten.

Denn „sobald sich Verordnungen als widersprüchlich, unlogisch und damit für den Einzelnen als nicht nachvollziehbar darstellen oder von Gerichten außer Kraft gesetzt werden, bekommen wir ein Akzeptanz- und Glaubwürdigkeitsproblem“, heißt es.

Ein Lockdown würde dies Probleme ankurbeln und laut den Experten kontraproduktiv wirken, da bereits jetzt ganze Wirtschaftszweige vor dem Aus stünden und die soziale Ungleichheit wachse. Der Rückgang der Fallzahlen, so heißt es, sei „politisch zwar eine dringende Aufgabe, aber nicht um jeden Preis.“

Corona: Risikogruppen schützen und fokussieren

„Es ist für die Unterzeichner unstrittig, dass der Fokus im weiteren Verlauf der Pandemie auf dem Schutz von Risikogruppen liegen muss“, erklärt Streeck.

Um die unfreiwillige Isolation der Risikogruppen zu verhindern, schlagen die Ärzte vor, dass Besucher nur nach negativem Antigen-Schnelltest Zutritt zu Pflege- und Seniorenheimen bekommen.

Außerdem sei das Tragen von FFP2-Masken erforderlich. Zusätzlich müsse das Pflege-, Medizin- und Reinigungspersonal regelmäßig getestet werden.

Gegen Lockdown: Auch Veranstaltungen sollen stattfinden

Die Experten beziehen sich auch auf Veranstaltungen. Ihnen zufolge bei diesem Thema große Unklarheit.

„Daher sollten Veranstaltungen mit Hygienekonzepten und Teststrategien unter wissenschaftlicher oder gesundheitsamtlicher Begleitung durchgeführt werden, um herauszufinden, ob das Risiko einer Virusübertragung überhaupt in relevantem Umfang besteht“, fordern die Wissenschaftler in ihrem Schreiben.

Eine kontrollierte Veranstaltung im öffentlichen Raum sei schließlich gesellschaftlich besser und würde weniger Infektionen mit sich bringen als ein privates Treffen im Innenraum. (mh)

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