Wegen eines Werbeplakats am Flughafen Palma liegt Mallorca im Streit mit der deutschen Sparkasse: Der Slogan sorgt für Empörung.
XXL-Werbung am FlughafenÄrger um Sparkassen-Plakat auf Mallorca

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Ein Werbeplakat am Flughafen von Mallorca sorgt für Zoff (Archivbild)
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Ein riesiges rotes Banner sorgt für politischen Zoff zwischen Mallorca und Deutschland: Ein rund 16 mal 30 Meter großes Plakat am Parkhaus des Flughafens Palma (Son Sant Joan) wirbt für Wero – das Echtzeit-Zahlungssystem der Sparkassen.
Der Slogan darauf: „Was auf Malle passiert, wird auf Malle beglichen“. Was in der zuständigen Werbeagentur vermutlich als cleveres Wortspiel galt, hat auf der Insel einen handfesten Politikstreit ausgelöst.
Ein Wortspiel mit Sprengkraft
Wero funktioniert ähnlich wie das in Spanien bekannte Bizum: Geld lässt sich damit einfach von Smartphone zu Smartphone überweisen. Das Banner spielt auf genau diese Funktion an – „beglichen“ als Synonym fürs Bezahlen.
Doch die Anlehnung an die geflügelte Formel „Was in Las Vegas passiert, bleibt in Las Vegas“ hat auf Mallorca niemanden kaltgelassen. Denn im Spanischen wird diese Redewendung häufig im Party-Kontext verwendet – im Sinne von: Alles ist erlaubt, solange keiner davon erfährt.
Die Werbeagentur Jung von Matt SPORTS, die hinter der Kampagne steckt, postete das Banner vergangene Woche auf LinkedIn – und schrieb dazu: „Know your audience“ (zu Deutsch: „Kenne deine Zielgruppe“).

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Dieses Plakat sorgte für Ärger auf der Urlaubsinsel.
Zudem schwärmte die Agentur davon, dass deutsche Touristen sich am Flughafen Palma gefühlt haben dürften, als hätten sie ihren Heimatflughafen gar nicht verlassen. Eine Sparkassen-Mitarbeiterin aus dem Marketing bezeichnete den Slogan laut „Das Investment“ als „kurz, direkt, lustig“ und „sofort verständlich“. Auf Mallorca kam das anders an.
Tourismusminister kritisiert Kampagne scharf
Der balearische Tourismusminister Jaume Bauzà sieht in dem Begriff „Malle“ selbst bereits eine „touristische Karikatur“, die die Insel auf ein Reiseziel für „Freigetränke und schnelles Geschäft“ – einen „Themenpark der Exzesse“ – reduziere.
Er schickte einen formellen Brief an Aena-Präsident Maurici Lucena und Flughafendirektor Tomás Melgar mit der Forderung, das Plakat „unverzüglich“ zu entfernen. Es sei „absolut inakzeptabel“, dass eine strategische Infrastruktur wie der Flughafen Botschaften verbreite, „die schädliche Stereotype über Mallorca transportierten“.
Die linksgrüne Regionalpartei Més steigerte die Tonlage noch weiter. Parteisprecher Lluís Apesteguia bezeichnete die Kampagne als Beispiel für „koloniale Misshandlung“ und brachte sogar einen Parlamentsantrag auf sofortige Entfernung des Banners ein. Aena handle „offen gegen die Mallorquiner, um uns vollständig auszupressen“.
Auch der mallorquinische Hotelierverband meldete sich zu Wort: Der Slogan erinnere an eine Art von Verhalten, die mit dem Exzesstourismus vergangener Jahrzehnte verbunden sei, und stehe im Widerspruch zu den Bemühungen, Mallorca als Qualitätsdestination zu positionieren.
Aena weist Kritik zurück – Sparkasse kündigt „Prüfung“ an
Flughafenbetreiber Aena widersprach der Kritik ausdrücklich. Das Unternehmen erklärte, der Flughafen Palma sei nicht der Erzeuger touristischer Nachfrage – die Besucherzahlen hingen vielmehr vom Reiseziel selbst und vom touristischen Angebot Mallorcas ab. Man sehe sich daher nicht in der Verantwortung für das Image, das einzelne Werbekampagnen möglicherweise hervorrufen. Das Plakat bleibt hängen.
Der Vizeministerpräsident Antoni Costa ließ am Freitagnachmittag (29. Mai) verlauten, dass die Geduld der Balearen-Regierung am Ende sei – und man weiter eine öffentliche Entschuldigung erwarte.
Ein Sprecher der Sparkassen-Finanzgruppe erklärte gegenüber der „Mallorca Zeitung“, den hergestellten Bezug zum exzessiven Partytourismus „schwer nachvollziehen“ zu können: „Werbung braucht Aufmerksamkeit, deswegen muss sie zuspitzen.“ Man werbe „für ein unabhängiges europäisches Zahlungsverkehrssystem, nicht für eine bestimmte Art der Freizeitgestaltung“.
Zu keiner Zeit sei beabsichtigt gewesen, „mit dem Plakat die Gefühle der Einwohnerinnen und Einwohner der Insel zu verletzen“. Und weiter: „Sollte das in einzelnen Fällen passiert sein, so nehmen wir das sehr ernst und werden daher den weiteren Umgang mit diesem Plakat prüfen.“
Der eigentliche Streit geht tiefer
Großflächige Werbung am Flughafen Palma ist seit Jahren üblich. Neben Vergnügungslokalen wie dem Megapark und dem Bierkönig buhlen dort auch Immobilienunternehmen wie Engel & Völkers und Autovermieter wie Sixt um Aufmerksamkeit.
Was den Sparkassen-Wirbel jedoch über das einzelne Banner hinaus interessant macht: Der Flughafen Palma wird fast ausschließlich von Madrid verwaltet – Mallorca hat dort so gut wie kein Mitspracherecht. Die Balearen fordern das seit Längerem, Aena blockt konsequent. Der Streit um die Sparkassen-Werbung liefert der Inselpolitik nun ein weiteres, willkommenes Argument in diesem alten Machtkampf.
Es ist eine gewisse Ironie, dass ausgerechnet ein deutsches Kreditinstitut, das eigentlich nur seine App bewerben wollte, mitten in diesen Streit geraten ist, der mit Bezahlen nur wenig zu tun hat. (mg)
