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Affenzüchter vor Gericht Missstände in privater Zucht: „Tiere schrien vor Schmerz“

Ein Berberaffen-Jährling sitzt auf dem Affenberg auf einem Baum. Das Foto wurde am 09.03.2022 aufgenommen.

Ein Affenzüchter wegen schwerer Vorwürfe vor Gericht. Der Prozess vor dem Amtsgericht Duisburg startete am 7. April 2022.

Affen sind in vielen Zoos eine richtige Besucherattraktionen, es gibt auch Privatleute, die die eigentlich wilden Tiere züchten. Ein nun vor dem Amtsgericht Duisburg begonnener Prozess zeigt, dass es immer wieder zu schlimmen Missständen kommen kann.

Vor dem Duisburger Amtsgericht hat am Donnerstag (7. April) der Prozess gegen einen privaten Affenzüchter aus Oberhausen begonnen. Der 69-Jährige soll Affendiebstähle in verschiedenen Zoos in Auftrag gegeben und falsche Vermarktungsbescheinigungen bei Behörden beantragt haben, warf ihm die Staatsanwaltschaft am Donnerstag vor.

In seiner Zucht soll er Affen nicht ausreichend gefüttert und getränkt und mehrere Tiere unsachgemäß und ohne ausreichende Betäubung operiert haben, um die Identifikationschips der Affen zu entfernen. „Die Tiere schrien vor Schmerzen, ihre Wunden wurden nicht zugenäht, sondern einfach geklebt“, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Tupait bei der Verlesung der Anklage.

NRW: Affen aus dem Krefelder und Duisburger Zoo gestohlen

Mitangeklagt ist ein 39-Jähriger, der im Auftrag des 69-Jährigen in mehreren Zoos unter anderem in Krefeld und Duisburg Tiere gestohlen haben soll - nicht nur Affen, sondern auch eine Schildkröte, die der Mann bei einem Besuch im Duisburger Zoo in einem Kinderwagen versteckt haben soll.

Den beiden Männern werden unter anderem Diebstahl, Tierquälerei und Urkundenfälschung vorgeworfen. Die Angeklagten äußerten sich in dem Prozess zunächst nicht. Der 69-jährige hat seine Zucht seit 2018 aufgegeben. Die Ermittlungen gegen den Hauptangeklagten hatten nach einem spektakulären Diebstahl dreier sehr seltener Goldener Löwenaffen aus dem Krefelder Zoo Ende Juli 2015 begonnen.

Der Krefelder Zoodirektor Wolfgang Dreßen hatte danach auf eigene Faust in der Affen-Liebhaberszene nach seinen Tieren gesucht, wie er berichtete. „Ich habe mich 2015/16 intensiv mit privaten Haltern in Verbindung gesetzt, die ich als Zoomensch vormals gar nicht kannte, und bin zig Hinweisen aus der ‚Szene‘ nachgegangen.“ Eine lange Mail eines mutmaßlichen Szenemitglieds habe den Durchbruch gebracht, sagte Dreßen. Dabei führte offenbar auch eine Spur zu dem langjährigen privaten Züchter aus Oberhausen.

Schlimme Missstände: Tote Affen in der Wohnung des Züchters entdeckt

Im Prozess sagte eine Zollfahnderin als erste Zeugin aus, die den Fall intensiv recherchiert hatte und im August 2018 die Wohnung des Züchters durchsuchen ließ. Dabei wurden 14 tote Affen in einer Tiefkühltruhe gefunden. Die lebenden Affen seiner Zucht habe er Monate zuvor an eine Bekannte nach Polen abgegeben.

Nachbarn hätten ausgesagt, dass der Angeklagte den Tieren im Sommer oft zu wenig Wasser gegeben habe, berichtete die Zollfahnderin. Die Nachbarn hätten deshalb mehrfach von nebenan mit einem Gartenschlauch Wasser rübergespritzt. Im Winter sei ein Affe im Außengehege erfroren. Für einen schwer verletzten gelähmten Affen habe der Hauptangeklagte keinen Tierarzt geholt.

Ein Motiv des Mannes war laut Staatsanwaltschaft Geldgier. Für die seltenen Affen wird viel Geld geboten - je seltener desto mehr. Allein das im Krefelder Zoo verschwundene Elternpaar ohne seinen Nachwuchs hatte nach Angaben des Zoos einen Wert von 25 000 bis 30 000 Euro. Seit dem Diebstahl aus dem Zoo Ende Juli 2015 sind die Tiere verschwunden und bisher nicht wieder aufgetaucht.

Der 69-Jährige Oberhausener habe über die Jahre viele Tiere neu gezogen und insgesamt 225 Affen gehalten, sagte die Zollfahnderin - viele davon falsch ausgezeichnet, weil die Identifikationstransponder mit anderen Namen und Daten überschrieben werden konnten.

Offenbar seien viele Tiere unrechtmäßig vermarktet worden oder es gebe gar keine Information mehr über den Verbleib der Affen. Den Gesamtwert der Affen des Oberhauseners schätzte sie auf 500 000 Euro. (dpa)

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