Razzien am frühen Donnerstag: Fahnder griffen zeitgleich in etlichen Regionen durch – Spuren reichen bis an den Rhein.
Razzia-Welle auch in NRWPolizei nimmt verbotene Neonazi-Gruppe ins Visier

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Polizisten haben in mehreren Bundesländern Wohnungen durchsucht. Gegen die Beschuldigten wird wegen des Verdachts der Fortführung einer verbotenen Vereinigung ermittelt. (Symbolbild)
Großrazzia im braunen Milieu! Frühmorgens am Donnerstag stürmten Hundertschaften zahlreiche Privaträume quer durch die Republik. Der schwere Vorwurf: Die längst untersagte rechtsextreme „Artgemeinschaft“ soll klammheimlich weiterbetrieben worden sein.
Die halleschen Strafverfolger veranlassten Zugriffe auf insgesamt 15 Adressen in verschiedenen Bundesländern. Im Visier der Beamten: mindestens eine Unterkunft eines Magdeburger AfD-Landtagsbewerbers. Doch damit längst nicht genug – Durchsuchungsbeschlüsse wurden ebenso an der Spree, in Brandenburg, Niedersachsen sowie bei uns im Westen vollstreckt.
Ermittlungen führen direkt nach NRW
Mitten in Nordrhein-Westfalen ließ die Detmolder Anklagebehörde zeitgleich zuschlagen: Betroffen waren Liegenschaften rund um Höxter. Zielgerichtet filzten Beamte zwei Adressen eines Pärchens innerhalb von Horn-Bad Meinberg plus die Bleibe eines weiteren Verdächtigen in Steinheim. Ihnen droht handfester juristischer Ärger, weil sie gegen Vereinsverbote verstoßen haben könnten.
Die heiße Fährte nahmen Kriminalbeamte aus Bielefeld gemeinsam mit hiesigen Staatsanwälten auf. Die Verdächtigen sollen vergangenen Juni zu einer Sonnenwende gereist sein. Die westfälischen Fahnder gaben den entscheidenden Hinweis weiter nach Osten: Der Treffpunkt lag damals wohl auf dem Grundstück von Simon Lansmann in Ipse, der für die dortige AfD kandidiert.
Wie die Hallenser Behördensprecherin darlegte, brachte diese Zusammenkunft das Verfahren überhaupt erst wieder ins Rollen. Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ enthüllte, grölten Anwesende dort wohl Gesänge der Hitlerjugend. Lansmann wies damals jede Nähe zur Gruppe und solchem Liedgut von sich. Trotzdem standen Fahnder am Donnerstag auch bei ihm sowie bei einem weiteren AfD-Politiker vor der Tür.
Die bereits 1951 ins Leben gerufene und ab 1957 registrierte Organisation verbreitet völkische, judenfeindliche und verfassungsfeindliche Hetze basierend auf NS-Rassenlehre. Ihre Symbolik zeigt etwa die Weltenesche oder Greifvögel, die ihre Krallen in Fische schlagen. Anhänger wurden gedrängt, Beziehungen ausschließlich innerhalb einer nordeuropäischen „Menschenart“ einzugehen. Gefeiert wurden heidnische Rituale.
Bereits vor fast drei Jahren verbot Nancy Faeser (SPD) den Zusammenschluss – damals gab es Durchsuchungen in Essen, Oberhausen sowie Porta Westfalica. Herbert Reul (CDU) fand klare Worte: „Die ‚Artgemeinschaft‘ verbreitet unter dem Deckmantel eines pseudo-religiösen germanischen Götterglaubens ein Menschenbild, das gegen die Menschenwürde verstößt“. Über soziale Netzwerke und Buchversand versuchten die Rechtsextremen Nachwuchs zu ködern. Reul betonte: „Das hat ab heute ein Ende. Den Verein gibt es nicht mehr“. (red)
