„Domino-Effekt“ verursacht Staus Darum gehen immer mehr Brücken in NRW in die Knie

Kraftfahrzeuge stehen am 10.04.2017 in Köln (Nordrhein-Westfalen) auf der A3 auf dem Kölner Ring an einer Baustelle im Stau.

Der Kölner Ring (hier im April 2017) ist nach wie vor ein Nadelöhr. Durch die Zunahme maroder Brücken in NRW wird die Situation nicht besser.

Die Sperrung der maroden Brücke auf der A45 bei Lüdenscheid hat Auswirkungen bis nach Köln. EXPRESS.de hat mit einem Verkehrsexperten über den Zustand der Autobahnbrücken in NRW gesprochen.

Das Chaos auf der Sauerlandlinie A45 durch die Vollsperrung der Talbrücke Rahmede bei Lüdenscheid hat Auswirkungen bis ins Rheinland. Denn viele Verkehrsteilnehmer – vor allem Lkw-Fahrer – nehmen derzeit die Ausweichroute über die A1, A3 und A4.

Dabei gibt es auch auf und mit den Brücken im Rheinland erhebliche Probleme, die durch die Sperrung der Rahmede-Talbrücke auf der A45 nicht gerade kleiner werden – im Gegenteil. EXPRESS.de hat den ADAC-Experten Prof. Dr. Roman Suthold, der unter anderem zum Thema Mobilitätsmanagement an der Fresenius-Hochschule in Köln lehrt, um eine Einordnung gebeten.

A1, A43, A45: Marode Brücken lösen weitere Autobahnschäden aus

Dabei erklärt der ADAC-Experte auch, warum derzeit – salopp gesprochen – in Nordrhein-Westfalen und insbesondere im Rheinland eine Brücke nach der anderen „in die Knie geht“.

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„Die Prognosen der Vergangenheit gelten nicht mehr. Der Zustand der Brücken aus den 60er und 70er Jahren verschlechtert sich offenbar noch schneller als man bisher gedacht hat. Beim Bau der Brücken war man von rund 80 Jahren ‚Lebensdauer‘ einer Autobahnbrücke ausgegangen“, erklärt Suthold im Gespräch mit EXPRESS.de.

Und der Experte malt ein düsteres Bild: „Die Brücke auf der A45 hat 2017 noch die Gesamtnote 3,0 bekommen. Jetzt, nur vier Jahre später, ist sie ein absoluter Problemfall. Mehr Verkehr und schwere Lkw zwingen die alten Brücken in die Knie.“ Und ein Vergleich, den Prof. Suthold zieht, schockiert denn doch: „Ein 40-Tonner belastet eine Brücke so sehr wie 60.000 Autos.“

Er spricht sich dafür aus, dass Brückenprüfungen aufgrund der angespannten Situation „zeitlich noch engmaschiger durchgeführt werden, als es das Regelwerk vorsieht.“ Zugleich müsse die Politik weiter massiv in die Erhaltung und Erneuerung von Brücken, die nun mal die „Nadelöhre“ im Verkehr seien, investieren.

ADAC-Experte warnt: „Kein Domino-Effekt bei Brücken in NRW“

„Es darf jetzt nicht zu einem Domino-Effekt kommen, wo in NRW eine Brücke nach der anderen für Lkw gesperrt werden muss“, sagt Suthold. Die Sperrung der A 45-Talbrücke für Lkw „kann für den ohnehin stark belasteten Kölner Autobahnring zum Super-Gau werden.“

Neben der Leverkusener Brücke, die für den Lkw-Verkehr gesperrt ist und deren Schrankensystem für die Rahmede-Talbrücke der A45 übernommen werden soll, ist auch die Emschertalbrücke auf der A43 zwischen Recklinghausen und Herne teilweise für Lkw gesperrt. Die daraus resultierenden Staus sind mehr als atemberaubend ...

A1, A43, A45: Marode Brücken in NRW werden zum Jahrzehnt-Problem

Und das „Brücken-Problem“ in NRW – insbesondere im Rheinland – wird Autofahrer sowie Planungs- und Bauexperten wohl noch über Jahre in Atem halten. Suthold: „In den 2020er Jahren werden massiv Investitionen nachgeholt. Und ad hoc brechen – sprichwörtlich – immer mehr Brücken weg. Mit den Sanierungs- oder Bauarbeiten werden wir wohl in den 2030er Jahren landen.“ (smo)

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