Seit dem Morgen läuft eine großangelegte Razzia mit Schwerpunkt in NRW zu Handybetrug.
Europaweiter Einsatz in 19 LändernGroßrazzia mit Schwerpunkt in NRW

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Seit dem Morgen läuft eine großangelegte Razzia mit Schwerpunkt in NRW zu Handybetrug (Symbolbild).
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Großrazzia mit Schwerpunkt in NRW! Nach Informationen von WDR, NDR und SZ laufen seit dem frühen Dienstagmorgen Durchsuchungen in etwa 160 Objekten in 19 Ländern. Zentrum der Maßnahmen ist demnach Nordrhein-Westfalen, unter anderem Krefeld.
Die Razzia richtet sich gegen eine mutmaßliche Handy-Betrügerbande: Sie soll rund eine Million minderwertige Handys an Privatkunden verkauft und Steuern hinterzogen haben.
Die dreiste Abzock-Masche der Bande
In Krefeld verschafften sich Beamte Zugang zu einem Lager, in dem Tausende der gefälschten Mobiltelefone vermutet wurden. Zeitgleich nahmen in Düsseldorf Spezialisten des Zolls einen der mutmaßlichen Drahtzieher in Gewahrsam: den 43-jährigen Ukrainer Oleksiy S. Das berichtet die „Tagesschau“.
Gemeinsam mit seinem Kompagnon, dem aus Moldau stammenden Eugen R., sowie weiteren Mittätern soll er eine verbrecherische Organisation aufgebaut haben. Die beiden Männer sollen bereits wegen Betrugsdelikten aktenkundig sein. Die Anschuldigungen wiegen schwer: Seit 2017 sollen die Verdächtigen ein ausgeklügeltes Betrugsmodell gefahren haben. Sie sollen aus alten Smartphone-Teilen Geräte zusammengeflickt und diese anschließend im Netz als brandneue Samsung-Modelle verhökert haben.
Laut Schätzungen ist auf diese Weise rund eine Million der Geräte bei gutgläubigen Kunden gelandet, die Mehrheit davon in Deutschland. Der Verkauf lief über große Internet-Plattformen wie Amazon. Der Erlös seit 2017: mindestens 300 Millionen Euro. Die Methode war heimtückisch: Die Gruppe erwarb wohl auf Märkten in Asien und der arabischen Welt gebrauchte Handy-Komponenten. In Werkstätten in Dubai und Hongkong wurden diese anschließend gesäubert, neu montiert, professionell in Schachteln verpackt und versiegelt.
Äußerlich wirkten die Geräte absolut authentisch, wie echte Samsung-Modelle. Doch im Inneren verbarg sich wohl billige Technologie. Aber das ist noch nicht alles. Die Fahnder verdächtigen die Gruppe zudem, allein in Deutschland Abgaben von mindestens 24 Millionen Euro nicht entrichtet zu haben. Der Vertrieb der nachgemachten Handys war anscheinend mit einem cleveren Modell zum Umsatzsteuerbetrug verbunden. Zuerst wurde die Einfuhrumsatzsteuer umgangen, indem die in den Niederlanden eintreffende Ware auf dem Papier nach Osteuropa weitergeschickt, in Wirklichkeit aber direkt nach Deutschland geschafft wurde.
So verprassten die Bosse die Millionen-Beute
Die Profite aus dem krummen Deal sollen die Hauptbeschuldigten S. und R. in Luxus investiert haben. Bei mitgeschnittenen Telefonaten bekamen die Fahnder mit, wie Oleksiy S. mit einem Makler den Kauf einer Immobilie verhandelte. Sein Budget dafür: lässige drei Millionen Euro. Sein Kompagnon Eugen R., der sich oft in Dubai aufhalten soll, war den Akten zufolge mit einem Rolls-Royce „Cullinan Black Badge“ unterwegs. Kostenpunkt für so ein Fahrzeug: über 400.000 Euro.
Der Schwindel flog im Vorjahr auf – ein anonymer Tippgeber war der Auslöser. Der Informant kontaktierte eine Logistikfirma und sprach eine Warnung bezüglich der Geschäfte von S. und R. aus. Kurze Zeit später gelangten die brisanten internen Details auch zum Zollfahndungsamt in Essen. Der Zoll leitete sofort umfangreiche Ermittlungen ein.
Aufgrund des enormen Ausmaßes des Falls hat die Europäische Staatsanwaltschaft die Ermittlungen an sich gezogen, da sie auf solche internationalen Betrugsdelikte spezialisiert ist. Die Untersuchungen dauern weiter an. (red)
