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Stille Helden Bonner Studis helfen Uni-Klinik in Corona-Krise

MedizinstudentKocurek

Medizinstudent Martin Kocurek unterstützt die Pflegefachkräfte auf den Intensivstationen am UKB. 

Bonn – Dieses Jahr ist alles anders: Das Osterwochenende verbrachte Medizinstudent Martin Kocurek nicht bei seiner Familie, sondern an seinem neuen Arbeitsplatz, einer Intensivstation der Bonner Uniklinik. „Das ging gut ab und war anstrengend", sagt der 21-Jährige. Kocurek ist einer von über 80 Medizinstudenten höherer Semester, die das Krankenhaus als Aushilfen in der Corona-Krise eingestellt hat.

„Wir sehen eine enorme Motivation, in so einer Krise Aufgaben zu übernehmen", berichtet Alexander Pröbstl, Vorstand Pflege und Patientenservice an der Uniklinik Bonn. „Die machen das nicht nur als Nebenjob, die haben gesagt: »Wir wollen helfen!«“

PröbstlUniklinik

Alexander Pröbstl, Vorstand Pflege und Patientenservice am UKB freut sich über die motivierten studentischen Aushilfe.

Ende März hatte das Krankenhaus einen Aufruf über die Universität gestartet und 120 Interessenten zu einem Kennenlernen eingeladen. In Einzelgesprächen wurden Einsatzmöglichkeiten geklärt, die vom Studienfortschritt der Bewerber und anderen Umständen wie Bafög abhängen. Einige starteten direkt in der Woche danach.

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Für Martin Kocurek, Medizinstudent im 6. Semester, war direkt klar, dass er sich melden will: „Mit dem Wissen aus drei Jahren Studium kann ich mich nützlich machen." Jetzt arbeitet der 21-Jährige seit drei Wochen auf der Intensivstation. Seine bisherige Praxiserfahrung: ein dreimonatiges Pflegepraktikum und ein Monat Famulatur in der Unfallchirurgie. Er freut sich, nun richtig „mit anpacken" zu können.

Das Pflegepraktikum war Einstellungskriterium Nummer eins. „Wir können keine Laien die Pflege der Patienten machen lassen", betont Pröbstl. Die neuen Aushilfen lernten außerdem in einem Training an Simulations-Puppen spezielle Handgriffe der Intensivpflege. Denn auf Intensivstationen bestehe wegen der Ausbreitung des Corona-Virus der höchste Personalbedarf. Einige Studenten hätten schon Erfahrung, etwa zehn Prozent sogar eine Ausbildung in der Krankenpflege.

Studenten helfen Bonner Uniklinik: Intensivstation als Neuland

Für Kocurek war die Intensivstation unbekanntes Terrain. Am ersten Tag liefen er und die anderen neuen Aushilfskräfte mit den Intensivpflegern mit, die ihnen alles erklärten. In einer zweitägigen Fortbildung für die Intensivpflege lernte Kocurek den Umgang mit Beatmungsgeräten und medizinische Fakten zum Corona-Virus. Die Bedienung medizinischer Geräte lerne man im Hörsaal nicht, sagt er.

Als „helfende Hand, die mitdenken kann", bezeichnet Kocurek sich selbst. „Ich bin studentische Hilfskraft. Ich handle nur unter Anleitung", betont er. „In drei Wochen wird man kein Intensivpfleger. Das ist eine lange Ausbildung." Der Personalschlüssel auf Station sei also 2:1. Ein Intensivpfleger plus Aushilfe kümmere sich um zwei Patienten.

Studenten helfen Bonner Uniklinik: Patienten wurden teilweise auf Godeshöhe verlegt

Zur Schicht im Neurologischen Rehabilitationszentrum „Godeshöhe" fährt Kocurek mit dem Fahrrad. Dorthin wurden Intensiv-Patienten mit anderen Erkrankungen wie Influenza oder Lungenentzündung verlegt, die nicht mit Corona-Patienten auf dem Venusberg in Kontakt kommen sollen. „Für die wäre Corona brandgefährlich", sagt Kocurek.

Auf Station bereitet Kocurek Medikamente vor, zieht Infusionen auf, wäscht und lagert die Patienten und stellt die Beatmungsgeräte ein - immer unter Aufsicht des Intensivpflegers. „Das ist eine ernste Sache, da dürfen keine Fehler passieren." Eine Schicht dauert acht Stunden, auch Nachtdienste hat Kocurek schon hinter sich. Der neue Job bescherte ihm schon viele Aha-Momente: „Medikamente beispielsweise. Ich habe die Wirkstoffnamen in der Theorie gelernt, jetzt sehe ich die Wirkung und lerne die Dosierung."

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Die Arbeit auf der Intensivstation erfordert ein „medizinisches Auge", berichtet Kocurek. Denn dort lägen Menschen mit ernsten und vielen verschiedenen Erkrankungen, deren Pflege intensiv und vor allem auch sehr medizinisch sei. „Das Leben der Patienten auf der Intensivstation hängt von vielen Geräten und Medikamentengaben ab."

Intensive Betreuung bedeutet aber viel mehr, besonders wegen des aktuellen Besuchsverbots. „Der Leidensdruck ist sehr hoch. Die Patienten durch diese schwere Zeit zu bringen - dafür sind wir in der Pflege da", sagt Kocurek. Die Arbeit ist nah am Patienten.

Studenten helfen Bonner Uniklinik: Keine Angst vor Infektion

„Durch die Arbeit merke ich die soziale Isolation nicht so wie andere", sagt Kocurek. Aber wenn der 21-Jährige nach der Schicht nach Hause kommt, kann er nicht viel machen, außer eine Runde joggen zu gehen.

Vor der Infektionsgefahr hat Kocurek keine Angst: „Dem Risiko ist man im Krankenhaus immer ausgesetzt. Außerdem sind wir gut ausgestattet mit Schutzbekleidung und Hygieneausrüstung." Der Medizinstudent sorgt sich mehr um Freunde und Leute mit Existenzängsten. Und auch ihn beschäftigt die Frage „Wie geht es weiter?" in allen möglichen Facetten: „Wann kann ich wieder Fußball spielen, Freunde und Familie treffen? Gibt es bald einen Impfstoff? Kommt die Welle oder nicht? Wie lange machen die Menschen die Einschränkungen mit?"

Studenten helfen Bonner Uniklinik: Erfahrung für den späteren Job

Die Freude über die junge Unterstützung in der Klinik ist groß. „Ich wurde sehr nett empfangen. Alle sind froh darüber, gut aufgestellt zu sein für den Ernstfall", erzählt Kocurek. „Etwa die Hälfte der Studenten hat sich entschieden, den Vertrag zu verlängern", freut sich Pröbstl. „Das kommt den Patienten zu Gute und den jungen Medizinern, die in der intensiven praktischen Zeit in der Krise viel für die Zukunft lernen." Kocureks Werkstudentenvertrag ist erstmal auf ein halbes Jahr befristet, aber auch er kann sich vorstellen, nach der Corona-Pandemie weiter dort zu arbeiten. „Ich lerne so viel, was ich später als Arzt brauchen werde."

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