Meckenheim Toter Schütze Igor Z. (†44): Seine Vereinskumpel geben ihre Waffen ab

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Ein Polizist ist am 22. November 2020 am Tatort in Meckenheim im Einsatz. 

Meckenheim – Die Szenen sorgten für Entsetzen: Am Abend des 22. Novembers lief Igor Z. (†44, Name geändert) mit zwei Pistolen und einem Rucksack voll mit Munition durch die Straßen und schoss um sich. Später stellte die Polizei bei ihm zu Hause ein ganzes Waffenarsenal sicher. Messer, Macheten, eine Axt, Kurz- und Langwaffen, große Mengen an Munition. 

Wie konnte Igor Z., der bei der Tat einen hohen Alkoholpegel von 1,5 Promille hatte, das alles legal besitzen? 

Schütze von Meckenheim: Igor Z. hatte selbst einen Sportschützenverein gegründet

Der Deutsch-Russe hatte Anfang 2019 selbst einen Sportschützenverein gegründet. Der Verein hat zehn Mitglieder, er selbst war Vorsitzender. Trainiert wurde in einem Schießkino in Wachtberg, das fest in russischer Hand sein soll. 

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Jetzt reagierten seine Kumpel aus dem Sportschützenverein: Sie übergaben ihre Waffen an einen Händler, so die Polizei Bonn. Der Verein in Wachtberg steht vor der Auflösung.

Igor Z. besaß seit 2018 einen Waffenschein. Im gleichen Jahr beantragte er eine Waffenbesitzkarte. In dem Zusammenhang wurde seine Zuverlässigkeit im Umgang mit Waffen geprüft.

Die Polizei als Waffenbehörde durchleuchtet ihn: Ist er vorbestraft? Ist er wegen Gewalt- oder Drogendelikten polizeiliche in Erscheinung getreten? Liegt ein Sachkundenachweis zu Waffenhandhabung und Wissen um wesentliche rechtliche Normen vor?

Schütze von Meckenheim: Igor Z. war zuvor noch nie polizeilich in Erscheinung getreten

Inzwischen ginge die Überprüfung sogar Richtung Verfassungsschutz, erklärt Polizeisprecher Robert Scholten. „Das Polizeipräsidium Bonn verwaltet derzeit knapp 5000 Waffenbesitzer mit insgesamt rund 27.000 Waffen.“ Alle zwei, drei Jahre würden diese turnusmäßig erneut überprüft. Auch, wenn ein Waffenbesitzer zum Beispiel wegen Alkohol oder Aggression im Straßenverkehr auffällt. 

Igor Z. hatte eine weiße Weste. Keine Vorstrafen, keine gemeldeten Auffälligkeiten. Bis zum 22. November...

Schütze von Meckenheim: Warum schoss der 44-jährige Igor Z. betrunken um sich?

An dem Abend muss irgendetwas einen Kurzschluss bei ihm ausgelöst haben. Offenbar gab es im privaten Umfeld des 44-Jährigen Stress – doch was genau seinen Amoklauf auslöste, wird vermutlich nie geklärt. Ein eskalierender Streit mit seiner Ehefrau soll es nicht gewesen sein.

Amokläufer Meckenheim - gepixelt

Igor Z. (44) war begeisterter Motorradfahrer. Hier posierte er vor dem Drachenfels. 

Nach EXPRESS-Infos hatte der Deutsch-Russe kurz vor seinem Amoklauf seine Frau in der ehelichen Wohnung eingeschlossen.  „Jetzt wirst du sehen, was passiert“, soll er gesagt haben, als er die Wohnung kurz darauf wieder verließ – bewaffnet. 

Die eingesperrte Ehefrau soll sich nach EXPRESS-Informationen mit Hilfe einer Axt befreit haben. Die Axt wurde später neben zahlreichen weiteren Waffen in der Wohnung sichergestellt. 

Schütze von Meckenheim: Er schrie „Geh’ nach Hause, du Wichser, du deutscher Hurensohn“

Igor Z. schoss auf Häuser, Autos und Polizisten, verletzte einen Beamten schwer. Auf einem Whatsapp-Film, den Anwohner drehten, hört man den 44-Jährigen laut brüllen: „Geh’ nach Hause, du Wichser, du deutscher Hurensohn“. Nach EXPRESS-Infos war er ganz in Weiß gekleidet.

Es kam schließlich zu einem SEK-Einsatz, einem Schusswechsel. Am Ende richtete sich Igor Z. selbst mit einem Kopfschuss.

Es bleibt die Frage nach dem Warum? „Seine Familie selbst sucht nach Antworten“, erzählte ein Bekannter von Z.s Familie betroffen. Igor habe doch alles gehabt, was man sich wünscht, sagt er. 

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Polizisten stehen hinter einem Absperrband. Nach mehreren Schussabgaben in Meckenheim nahe Bonn hat die Polizei am Abend des 22. November 2020 einen Tatverdächtigen überwältigt.

Der 44-Jährige war ein erfolgreicher Handwerker mit eigener Firma, war verheiratet, hatte Haus, Auto, Motorrad. Nach EXPRESS-Infos war Igor Z. auch Familienvater, hat eine Tochter aus erster Ehe. 

„Er liebte Action, wollte Abenteuer“, so der Bekannte. Igor habe lange in Indonesien gelebt, sei mit dem Motorrad in Russland gewesen. „Nur unter Alkohol – da war er unberechenbar“, sagt er. Dann hätten sich alle von Igor ferngehalten, weil er selbst mit Freunden aneinander geraten sei. „Am nächsten Tag hat er sich aber immer direkt entschuldigt.“

Schütze von Meckenheim: Igor Z. sympathisierte mit russischem Rockerclub 

Der begeisterte Motorradfahrer sympathisierte mit dem Putin nahen russischen Rockerclub „Nachtwölfe“. Im Internet zeigte er unter anderem Fotos der Rockerkutte, seine eigene trug das Emblem der „Nachtwölfe“. Auch ein Bild von Putin befindet sich in seiner Fotogalerie. 

Auf der anderen Seite war der 44-Jährige ein toller Handwerker. „Der beste Stuckateur überhaupt“, so einer seiner Kunden. Unklar ist, wie Igor Z.s Geschäft in der Coronazeit lief. Laut einem Bekannten soll er die Fassade seines ganzen Hauses neu gemacht haben. „Das macht man doch nicht selbst, wenn die Auftragsbücher gut gefüllt sind“, gibt er zu bedenken. 

Schütze von Meckenheim: 44-Jähriger schoss sich am Ende selbst in den Kopf

Die Obduktion am Montag (23. November) ergab, dass Igor Z. von drei Kugeln getroffen worden war. Aber nur eine war tödlich. Da es sich dabei um einen aufgesetzten Kopfschuss handelte, gehen Staatsanwaltschaft und Polizei davon aus, dass er sich diesen selbst zugefügt hat. 

Die Pistolen besaß Igor Z. als Sportschütze mit Waffenbesitzkarte legal. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung stießen die Ermittler auf ein regelrechtes Waffenarsenal. Messer, Macheten, eine Axt, diverse Lang- und Kurzwaffen sowie eine große Menge Munition wurden dort sichergestellt. Nur ein Teil davon sei allerdings auf der Waffenbesitzkarte eingetragen gewesen, so Robin Faßbender, Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft.

Am Dienstag erklärte Faßbender, dass die Überprüfung ergeben haben, dass unter den Waffen keine illegalen waren. Dafür Luftgewehre und Softairwaffen, die nicht eintragungspflichtig sind. 

Schütze von Meckenheim: Anwohner schlugen am Sonntag gegen 21 Uhr Alarm

Die Polizei war Sonntag gegen 21 Uhr alarmiert worden – Zeugen hatten im Bereich des Frankenwegs einen Randalierer gemeldet. Den Aussagen zufolge habe er eine Pistole gezogen und auf offener Straße geschossen. Danach zog der Mann weiter über die Tombergstraße in Richtung der Josef-Kreuser-Straße. „Hierbei gab er – so unser derzeitiger Erkenntnisstand – weitere Schüsse ab“, erklärte der Polizeisprecher. Daraufhin waren Spezialkräfte angefordert worden.

Es habe sich bei dem Ganzen um eine „sehr dynamische Lage“ gehandelt, sagte der Polizeisprecher. Umliegende Gebäude habe man aufgrund der Gesamtsituation so schnell nicht evakuieren können. Den Einsatzkräften war es schließlich gelungen, sich so zu positionieren, dass der Schütze sich weder in einem Haus verschanzen noch sonst wohin flüchten konnte. Trotz Ansprache durch Beamte wollte er sich nicht ergeben – sondern richtete sich stattdessen selbst...

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