Die Bonner Polizei, die Stadt und das UKB suchen im Abwasser nach Drogen.
Drogen-Alarm in BonnPolizei sucht im Abwasser nach Koks & Co.

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Schriftzug der Polizei auf einer Uniform (Symbolfoto)
Die Bonner Polizei, die Stadt Bonn und das Universitätsklinikum Bonn (UKB) gehen einen neuen Weg zur Erkenntnisgewinnung für die Drogenprävention. Durch die systematische Untersuchung des Bonner Abwassers auf Ausscheidungsmengen illegaler Betäubungsmittel wollen die Kooperationspartner Konsumtrends frühzeitig erkennen und Präventionsmaßnahmen sowie Hilfsangebote darauf abstimmen. Das Projekt mit dem Namen "AWARE" (Abwasseranalyse zur Rauschgift-Evaluation) startete im April 2024 zunächst in einer Testphase auf Initiative der Polizei.
Objektive Daten als Frühwarnsystem
Bundesweit wird derzeit ein Anstieg der Kokaindelikte verzeichnet. Um "vor die Lage" zu kommen, ergänzen die Partner ihre Erkenntnisse zum Drogenkonsum in Bonn um objektive Daten aus der Abwasseranalytik.
„Die Ergebnisse der Abwasseruntersuchungen dienen uns als Frühwarnsystem für auffällige Entwicklungen“, erläutert Polizeipräsident Frank Hoever. „Sie helfen uns, ein vermehrtes Auftreten besonders gefährlicher Substanzen schneller zu erkennen und auch polizeiliche Maßnahmen entsprechend auszurichten.“
Auch für die beteiligten Ämter der Stadt Bonn liefert AWARE wichtige Erkenntnisse. Yvonne Wilke vom Amt für Soziales und Wohnen betont: „Das Frühwarnsystem ermöglicht es uns, in engem Austausch mit unseren Kooperationspartnern auf die Entwicklungen zu reagieren und unsere Maßnahmen zu überprüfen und anzupassen.“
„Abwassersurveillance ist vielen Menschen spätestens seit der COVID-19-Pandemie bekannt. Diese Art von Untersuchung kann aber auch genutzt werden, um Entwicklungen beim Substanzkonsum anonymisiert sichtbar zu machen“, erklärt Prof. Nico Mutters, Direktor des Instituts für Hygiene & Public Health des UKB. „Dafür untersuchen wir regelmäßig Abwasserproben aus den Bonner Kläranlagen auf Stoffwechselprodukte verschiedener Substanzen. So können Entwicklungen und Trends frühzeitig erkannt werden.“
Wichtigste Erkenntnisse der bisherigen Analysen
Die Untersuchungsergebnisse bestätigen einen deutlichen Anstieg von Kokain und Crack. Die Menge der im Abwasser festgestellten Rückstände ist auffällig und weist die höchste Konzentration aller untersuchten Stoffgruppen auf. Eine Differenzierung der Messwerte zwischen Kokain und Crack ist bisher nicht möglich.
Seit Herbst 2025 ist auch bei Cannabis ein deutlicher Anstieg der Werte feststellbar. Bei Amphetamin ist ein leichter Anstieg belegbar. Für Crystal Meth und Ecstasy (MDMA) ergeben sich bislang unauffällige Befunde. Fentanyl ist im Bonner Abwasser bislang nicht nachweisbar. Grundsätzlich gilt dabei: Mengenangaben lassen nicht auf die Anzahl der Konsumenten und Konsumentinnen schließen.
Prävention statt Repression
Die gewonnenen Erkenntnisse, so betonen die Experten und Expertinnen, sind stadtspezifisch zu betrachten und ermöglichen aufgrund unterschiedlicher Durchführungsmodelle bislang keinen validen Vergleich zu Messwerten anderer Städte. Die Projektpartner unterstreichen den rein präventiven Charakter und weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Untersuchungen keine repressiven Zwecke verfolgen. Anhand der Messergebnisse sind keine Rückschlüsse auf individuellen Konsum beziehungsweise Personengruppen oder spezifischer Stadtteile möglich. (red)
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