Die Abrissarbeiten an der Bonner Nordbrücke zerren an den Nerven der Anwohnenden. Auch nachts wurde gehemmert. Anwohnerin Marion Wilhelmy (57) „freute“ sich außerdem über Lärm von Schutt-Lkws.
Belastender Abriss in Bonn„Ich freue mich heute aufs Durchschlafen“

Das Krachen des Stemmhammers geht durch Mark und Bein. Immer wieder bricht das schwere Gerät Brückenstücke raus, ein anderer Bagger frisst sich mit einem Greifer durch, beißt Stück für Stück ab. Schuttstaub weht und legt sich auf Autos und die Lungen der Schaulustigen.
Von Freitagnacht bis Montag (10. August) wurde in Bonn rund um die Uhr das erste Teilstück der maroden Vorlandbrücke, die auf die Nordbrücke führt, abgerissen. Auch in den Nächten. „Ich freue mich heute aufs Durchschlafen“, gesteht Anwohnerin Marion Wilhelmy (57) am Dienstag (11. August) gegenüber EXPRESS.de.
Bonner Brückenabriss: Erster Abschnitt lief Tag und Nacht
Die 57-Jährige wohnt direkt an der Vorlandbrücke, allerdings auf der Römerstraße. Zwar wurde mit dem Abriss über der nahen Graurheindorfer/Herseler Straße begonnen, vom Lärm bekam sie trotzdem reichlich mit. „Da kann man tagsüber kein Buch lesen. Das ist eine Dauerbelastung“, erklärt sie. Und das nicht nur am Tag...
„Alles, was da an Bauschutt lag, ist auf Lkw geladen und nachts bei uns an der Brücke abgeladen worden. Die haben vor unserer Tür die Wüste Gobi aufgeschüttet“, erzählt sie. „Das ging die Nächte von Samstag auf Sonntag und von Sonntag auf Montag so. Das war sehr laut und belastend. Ich fühle mich heute ziemlich matschig.“
Insgesamt dauert der Abriss der 660 Meter langen Vorlandbrücke mehrere Monate. Sie wurde in 14 Abschnitte aufgeteilt, die nacheinander abgearbeitet werden, allerdings dann nicht mehr nachts. Wann der Abschnitt über der Römerstraße dran ist, weiß Anwohnerin Marion Wilhelmy nicht. Doch dann rücken ihr Stemmhammer und Abbruchzange ganz nah auf die Pelle.
Die 57-Jährige ist auf der anderen Seite begeistert, wie zügig die Abrissarbeiten laufen. Die Mitarbeiter des Bauunternehmens seien echte Profis, da säße jeder Handgriff, erklärt sie. Am Dienstag sei sie gegen 6.45 Uhr dann auch direkt zur Abrissstelle hin. „Da waren die Graurheindorfer sowie die Herseler Straße wieder frei, fuhr der Verkehr“, freut sich Marion Wilhelmy.
So belastend der Abriss für die Anwohner sei, sagt sie: „Mir ist wichtig, dass es schnell weitergeht.“ Die neue Vorlandbrücke soll bis Ende 2028 neu gebaut werden. Die Autobahn GmbH hat bereits die Ausschreibung für den Ersatzneubau veröffentlicht. Der Auftrag soll noch vor Weihnachten vergeben werden.
An der Vorlandbrücke waren schwere Schäden festgestellt worden. Daher war die komplette Nordbrücke, über die die A565 führt, für den Verkehr gesperrt worden.

