Der Abriss an der Nordbrücke steht kurz bevor. Die Vorbereitungen laufen – und bei Anwohnenden kochen die Emotionen hoch. Sie trauern um eine grüne Oase und sind wütend.
Abriss NordbrückeBaumleichen statt grüner Oase – in Bonn kochen die Emotionen

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Auf dem Gelände der ehemaligen Fahnenfabrik in Bonn, Römerstraße, liegen mehrere gefällte Bäume.

Es kracht und knackt auf dem Gelände der ehemaligen Fahnenfabrik, so laut, als würden Baumstämme regelrecht zerbrochen. Im hinteren Teil wird mit schwerem Gerät gearbeitet – während vorne zur Römerstraße hin bereits ein gefällter Baum neben dem anderen liegt.
Anwohnerin Marion Wilhelmy (57) bricht es fast das Herz. Für den Abriss der sogenannten Vorlandbrücke der Bonner Nordbrücke im August wird derzeit die Baustelle eingerichtet. Dazu müssen die Bäume auf dem direkt angrenzenden Fabrikgelände offenbar weg.
Bonner Nordbrücke: Anwohnerin beklagt brachiale Fällungen
Seit Montag (27. Juli) wird gerodet, berichtet Marion Wilhelmy. Acht bis zehn Meter neben der Brücke. In dem Radius liegt die ehemalige Fahnenfabrik. „Sie lag jahrelang im Dornröschen-Schlaf, eine grüne Oase – und jetzt wird losgeackert, ohne Rücksicht auf Natur und Tiere“, beklagt die 57-Jährige.
Auch alte Bäume seien bereits gefällt worden. „Aber nicht würdevoll, sondern brachial mit der Schaufel“, schildert sie und fügt hinzu: „Ich weiß, Bonn ist im Ausnahmezustand – aber das hier ist einfach traurig.“
Seit der Vollsperrung der Nordbrücke am 3. Juni herrscht Verkehrschaos. Grund sind schwere Schäden am Tragwerk der linksrheinischen, 660 Meter langen Vorlandbrücke. Sie wird jetzt abgerissen und neugebaut. Es soll schnell gehen, denn die Autobahnbrücke über den Rhein ist eine wichtige Verkehrsader.
„Ich habe gedacht, die knabbern die Brücke vorsichtig von vorne ab, aber die fahren von rechts und links mit den Abriss-Fahrzeugen dran“, erzählt Anwohnerin Marion Wilhelmy. Da sei sie wohl naiv gewesen, meint sie. Es würden auch nicht nur die Bäume auf dem Gelände der Fahnenfabrik gefällt, sondern „alles um die Vorlandbrücke wird gerodet“.
Anwohner Marcus Rey (38) sagt: „Ich verstehe, dass etwas wegen der Arbeiten weg muss, aber komplett...“

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So sah das Gelände der ehemaligen Fahnenfabrik in Bonn, Römerstraße, aus, bevor die Bäume gefällt wurden.
Dass jetzt so viele Bäume sterben müssen, macht die Anwohnenden fassungslos. „Wir wollen nicht als Querulanten dastehen, die sich gegen Abriss und Neubau der Brücke stemmen. Es ist uns aber wichtig, dass man sensibel damit umgeht. Vielleicht kann man ja auch den einen oder anderen Baum retten“, stellt Marion Wilhelmy klar. Sie habe bereits vor sechs Wochen bei der Autobahn GmbH angefragt, wieviele Bäume gefällt werden und welche Ausgleichspflanzungen geplant sind. „Da habe ich bis heute keine Anwort erhalten.“
Die 57-Jährige hat den Zustand auf dem Firmengelände durch den Zaun mit Fotos dokumentiert. „Wenig später hat man direkt einen Sichtschutz angelegt, vermutlich damit wir nichts mitbekommen“, erzählt sie.
Die Lage ist für alle hochemotional. Nicht nur, weil eine grüne Oase abgeholzt wird – zahlreiche Anwohnende bangen auch um ihr Zuhause. Denn die Autobahn GmbH will die Nordbrücke verbreitern. Die Stadt Bonn ist allerdings dagegen. Auch, weil dann Wohnhäuser abgerissen werden müssen.
Marion Wilhelmy und ihr Mann haben schon vor zwei Jahren die Info erhalten, dass sie möglicherweise zwangsenteignet würden. „Die beiden Häuser nebenan würden auf jeden Fall abgerissen“, erklärt die 57-Jährige. Auch sozialer Wohnungsbau wäre betroffen.
„Ich wohne seit 26 Jahren in dem Haus neben der Nordbrücke, habe dort Kinder großgezogen. Wir dachten, wir werden dort alt“, sagt sie leise. Ihr Leben sei auf den Kopf gestellt worden. „Aber wir müssen das aushalten. Das ist mein Viertel.“
Eine Anfrage von EXPRESS.de bei der Autobahn GmbH ist bislang unbeantwortet geblieben. Wir wollen unter anderem wissen, wie viele Bäume und in welchem Umfeld gefällt werden müssen.
