Bluttat in Bonner Bus  Fahrgast schwerst verletzt – jetzt spricht der Messerstecher

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Der Retter aus der Linie 601: Ahmad Al Sheikh Huessein Kames (l.) mit Polizeipräsident Frank Hoever

Bonn – Nach der blutigen Attacke in der Buslinie 601 hat sich der mutmaßliche Täter jetzt zu der Tat geäußert. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Robin Faßbender am Donnerstag auf EXPRESS-Anfrage. 

„Wenn das stimmt, was er sagt, dann könnte eine psychische Störung vorgelegen haben“, so Faßbender. Tatverdächtiger (55) und Opfer (22) haben sich nach bisherigen Informationen nicht gekannt. Nähere Details zum Inhalt der Aussage wollte der Oberstaatsanwalt nicht machen.

Die Tat hatte in ganz Bonn für Fassungslosigkeit gesorgt. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit hätte es mindestens einen Toten gegeben, wenn ein syrischer Flüchtling nicht so toll reagiert hätte. 

Retter Ahmad: Der gebürtige Syrer handelte als einziger, als der Täter zustach

Ahmad Al Sheikh Huessein Kames (28) war Montagnachmittag (27. Juli) auf dem Heimweg von der Arbeit, als er bemerkte, dass in der Buslinie 601 Panik ausbrach. Er sah, dass sich ein Mann über einen Fahrgast beugte und immer wieder mit dem Messer einstach. Der Syrer handelte sofort – als einziger...

Am Mittwoch bedankte sich Bonns Polizeipräsident Frank Hoever bei dem Helden. „Er war der einzige, der zugepackt und den Täter gestoppt hat“, lobte er. Hoever hatte sich  die Videoaufzeichnungen aus dem Bus angeguckt und war stark beeindruckt: „Das war eine bemerkenswerte und tolle Aktion.“

Retter Ahmad: In Bonner Bus umklammerte er den Angreifer drei Minuten lang

Ahmad Al Sheikh Huessein Kames hatte den Angreifer (55) vom Opfer runtergerissen und drei Minuten lang umklammert. „Er hat mehrfach versucht, sich loszureißen. Zum Glück hatte ich genügend Kraft“, erzählte Ahmad. Der Täter habe die ganze Zeit das Messer gehalten. Deshalb habe er dessen rechten Arm fixiert.

„Ich hatte viel Angst“, gab er zu. „Aber ich konnte nicht einfach stehen bleiben und sagen, das geht mich nichts an.“

An einer Bushaltestange hielt der Syrer den Messer-Mann bis zum Eintreffen der Polizei fest. Dann machte er die „zweite bemerkenswerte Geschichte“, wie Polizeipräsident Hoever es nannte: Ahmad lief zum Opfer, sprach mit ihm und leistete mit zwei weiteren Helfern, die in dem Moment den Bus betraten, Erste Hilfe. 

Retter Ahmad: 28-Jähriger macht Ausbildung in Bonner Uniklinik

„Für mich war es selbstverständlich“, sagte Ahmad. „Ich würde so etwas immer wieder machen“ Der 28-Jährige kam 2016 aus Syrien nach Deutschland und absolviert gerade an der Bonner Uniklinik eine Ausbildung zum technischen Anästhesie-Assistenten. 

Sein Chef, Professor Wolfgang Holzgreve: „Er hat einen kühlen Kopf behalten und gewusst, auf was es ankommt.“ Ahmad habe dabei auch das in der Ausbildung Gelernte angewandt. „Nämlich in Krisensituationen schnell und beherzt handeln zu können“, so der Ärztliche Direktor der Uniklinik stolz. 

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Blutiger Angriff im Bus: In der Linie 601 der SWB kam es in Bonn am 27. Juli 2020 zu einem Messerangriff. Das Opfer schwebte nach der Tat in Lebensgefahr.

Am Montagabend gegen 16.10 war es zu der blutigen Attacke in der Linie 601 gekommen. Ein 55-Jähriger stach unvermittelt auf einen Fahrgast (22) ein. „Die Leute riefen: Da hat jemand ein Messer“, schilderte ein Zeuge dem EXPRESS. Die Fahrgäste wären dann alle nach vorne Richtung Fahrer gestürmt.  Auf Höhe des Hauptbahnhofes stoppte der Bus, viele Fahrgäste flüchteten in Panik, als sich die Türen öffneten. 

Retter Ahmad: Täter ließ sich widerstandslos festnehmen

Nach der Rettungstat von Ahmad ließ sich der Messerstecher widerstandslos von der Polizei festnehmen. Sein Motiv: unklar. Laut Polizei waren der 55-Jährige und sein späteres Opfer an der Haltestelle Marienhospital eingestiegen. Sie kennen sich nicht, haben aber wohl kurz miteinander gesprochen. 

Am Dienstag, 28. Juli, wurde der Messerstecher dem Richter wegen des Verdachts des versuchten Mordes vorgeführt: Haftbefehl!

Das lebensgefährlich verletzte Opfer musste notoperiert werden und kam auf die Intensivstation. Jetzt die gute Nachricht: Der junge Mann konnte nach Auskunft der behandelnden Ärzte die Intensivstation verlassen, wird aber noch längere Zeit in stationärer Behandlung bleiben müssen.

Bei den Ermittlern der Bonner Mordkommission haben sich inzwischen mehrere Fahrgäste gemeldet, deren Personalien am Tattag nicht bekannt waren. Die Polizei bittet die übrigen Personen, die sich in der Linie 601 befunden haben, aber noch nicht namentlich bekannt sind, sich unter 0228/15-0 zu melden. 

Messerstecher im Bus: Videoaufnahmen gesichert

Der Linienbus wurde von den Spurenermittlern der Polizei untersucht, Zeugen wurden vernommen. Auch ein Notfallseelsorger war im Einsatz. Der Busfahrer, der die Attacke selbst nicht mitbekommen hatte, wurde ebenfalls psychologisch betreut.

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