Forscher warnt: Diese Kavaliersdelikte können tödlich sein
Der tödliche UnterschiedWarum 20 km/h mehr über Leben und Tod entscheiden können

Copyright: Hauke-Christian Dittrich/dpa/dpa-tmn
Kreuz und quer und wer ist wer? Das typische Gewusel im Straßenverkehr hat die Kamera hier zwar magisch eingefangen - doch es birgt auch Gefahren.
Kurz am Radstreifen stoppen für die Semmeln vom Bäcker: Ist doch keine große Sache. Und in der 30er-Zone mal das Gaspedal auf 50 km/h durchdrücken – was soll schon passieren? Genau hier liegt das Problem: Diese zusätzlichen 20 km/h können den Ausschlag zwischen Leben und Sterben geben, wie der Unfallforscher Siegfried Brockmann in einem Gespräch verdeutlicht.
Sein großer Wunsch wäre es, wenn der oberste Grundsatz der Verkehrsregeln in jedem Fahrzeug sichtbar wäre. «Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht», so lautet der Text. Würde dieser Leitsatz von allen verinnerlicht, wären viele Probleme gelöst, meint der Fachmann von der Björn Steiger Stiftung. Doch bis dahin ist es ein langer Prozess. Er identifiziert drei der am häufigsten verkannten Bedrohungen.
Tödliche Geschwindigkeit: Die meistignorierte Gefahr
Für Brockmann ist überhöhtes Tempo das größte Risiko. Bei seinen Präsentationen konfrontiert er das Publikum oft mit einer Frage, um die gewaltige Diskrepanz zwischen 30 und 50 km/h aufzuzeigen. Die verbreitete Haltung dazu sei: «Na, ist ja ein Kavaliersdelikt.» Ein fataler Trugschluss.
Sein Fallbeispiel ist erschreckend klar: Sie sind mit exakt 30 km/h in einer Tempo-30-Zone unterwegs. Plötzlich läuft ein Kind auf die Fahrbahn. Eine Notbremsung bringt Ihr Auto unmittelbar vor dem Kind zum Stehen. Und nun die entscheidende Frage: Mit welchem Tempo wären Sie noch unterwegs gewesen, wenn Sie an dieser Stelle 50 km/h auf dem Tacho gehabt hätten?
Der Schock-Moment: Warum 20 km/h mehr alles ändern
Die meisten Leute schätzen etwa 20 km/h. Die brutale Wahrheit: Sie hätten noch nicht einmal angefangen zu bremsen. Der Grund dafür ist die massiv unterschätzte Strecke, die man allein während der Reaktionszeit überwindet. Bei Tempo 30 beläuft sich der gesamte Weg bis zum Stillstand auf circa 14,5 Meter. Mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h beträgt allein der Reaktionsweg schon 18 Meter.
Das bedeutet: Mit 30 km/h hätte es diesen Crash niemals gegeben. Brockmanns Fazit ist knallhart: „Bei 50 km/h wäre das Kind mit sehr großer Wahrscheinlichkeit tot.“ Ein Aufprall mit dieser Wucht ist in der Regel lebensbedrohlich, wie die dpa berichtet. Die Entscheidung, ob man erlaubte 30 oder eben 50 km/h fährt, ist also keine Bagatelle, sondern kann in einem solchen Fall den Unterschied ausmachen.
Risiko Motorrad: 20-fach höhere Todeswahrscheinlichkeit
Die zweite oft verdrängte Bedrohung ist das Fahren auf zwei Rädern. Die Wahrscheinlichkeit, auf einem Motorrad ums Leben zu kommen, ist im Vergleich zum Auto 20-mal so hoch. Eine Statistik, die sich die wenigsten Bikerinnen und Biker vergegenwärtigen, wenn sie sich in den Sattel schwingen. Viele verlassen sich auf ihre Schutzmontur, doch die Forschung zeigt: Ab einer Aufprallgeschwindigkeit von 40 km/h ist dieser Schutz praktisch wirkungslos. «Es geht ja nicht darum, ob der Schädelknochen bricht, sondern es geht darum, dass das Gehirn sich im Schädel bewegt», erklärt Brockmann. Dagegen ist bei hohem Tempo kein Helm gewachsen.
Gefahr Parken: Wenn der kurze Stopp zur Falle wird
Als drittes großes Risiko nennt der Experte das Halten und Parken, das als indirekter Auslöser für unzählige Kollisionen dient. Das Problem beginnt beim Ausparken, wenn schnell ein Radler übersehen wird, und setzt sich beim Einparken fort, wenn plötzlich ein Passant im Weg ist. Besonders heikel: das kurze Abstellen auf dem Radweg für den Bäckereibesuch, was Radfahrende in den fließenden Verkehr zwingt. Auch abrupt geöffnete Autotüren („Dooring“) sind eine massive Bedrohung. Hinzu kommt die verdeckte Sicht durch parkende Fahrzeuge, eine enorme Gefahr, insbesondere für Kinder. Trotzdem zögern viele Städte, Parkflächen zu reduzieren – aus Sorge vor Anwohnerprotesten. (dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
