Rund 13.200 Kilometer Autobahn gibt es in Deutschland. Sowie jede Menge Rastplätze – mit bisweilen schrägen Namen. Woher die kommen und warum Autobahnen welche Nummern haben.
„Verrückte“ RastplätzePäuschen am Pennacker, lümmeln am Leckerhorst

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Wer mag der leckere Horst wohl sein?!! Der Parkplatz Leckerhorst an der A46 bei Iserlohn

Wer auf unseren Autobahnen unterwegs ist, steht oft aufgrund von „Verkehrsaufkommen“ im Stau, mangels Sprit an der Tankstelle oder zwecks wichtiger (Pipi-)Pause auf einem Parkplatz. 13.200 Kilometer Autobahn schlängeln sich laut Bundesministerium für Verkehr von Flensburg bis Passau – mit mehr als 270 Tunneln und 40300 Brücken. Zu unserem „Fernstraßennetz“ (übrigens eines der dichtesten in ganz Europa) gehören neben den Autobahnen auch die Bundesstraßen. 440 bewirtschaftete Rast- und 1500 unbewirtschaftete Parkplätze säumen das Fernstraßennetz.
Seit fünf Jahren verantwortet die Autobahn GmbH des Bundes unsere Autobahnen – davor lagen Belange wie Planung, Bau und Erhalt in Händen der einzelnen Bundesländer – im Auftrag des Bundes. Jetzt ist sprichwörtlich alles unter einem Dach, was Abläufe vereinfachen, Genehmigungen beschleunigen und Baumaßnahmen „kosteneffizient“ halten soll.
Rastplätze – bisweilen eher zum Ausraten
Und die Autobahn GmbH trägt seit einer halben Dekade auch die Verantwortung für sämtliche Rastanlagen an den Autobahnen. Die leider nicht immer so sauber und ordentlich sind, wie sich viele Pausen-Gäste das wünschen würden. Was daran liegt, dass einigen von der Autobahn GmbH beauftragten Serviceunternehmen sowie manchem „Rast-Gast“ in Sachen Müll und Fäkalien ziemlich viel ziemlich egal zu sein scheint. Ein aktueller Stichprobentest des ADAC auf 50 unbewirtschafteten Rastplätzen zeigt, dass an der Autobahn vieles im Argen liegt: Besonders der Zustand der Toiletten war gelinde gesagt – kacke! 46 Prozent der Rastplätze erhielten die Bewertung „mangelhaft“ oder „sehr mangelhaft“ – 64 Prozent der Anlagen haben sich im Vergleich zum vorherigen Test verschlechtert. Laut Autobahn GmbH, die das ADAC-Ergebnis „sehr ernst“ nimmt, brauche man in den kommenden Jahren rund eine halbe Milliarde Euro für die Sanierung der Anlagen. Kurzfristig stünden 100 Anlagen an, die erneuert werden müssen.
Denn Rastplätze mit so klangvollen Namen wie Engelrödchen oder Höllenplacken, Dickenwalze oder Ludergraben haben eine gewisse Sorgfalt verdient. Woher aber kommen die bisweilen komisch klingenden Namen? Die Autobahn GmbH sammelt über die regionalen Behörden Vorschläge (auch von Bürgern!) ein. Willkürlich dürfen diese nicht sein, meist orientieren sie sich an landschaftstypischen Gegebenheiten. Neu angelegte Parkplätze dürfen zudem nicht mehr denselben Namen tragen wie eine Autobahnausfahrt – um Reisende nicht zu verwirren. Unter dem Motto „Nomen est omen“ haben wir hier mal die (dem Namen nach) skurrilsten Rastanlagen der Republik zusammengestellt.

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Kein Parkplatz, sondern ein Querschnitt durch den namensgebenden Flöz Mausegatt (zu sehen in der Bergbausammlung Rheinhausen).
- Flöz Mausegatt (A45): Wie niedlich – aber nur dem Namen nach! Denn die Bezeichnung des Rastplatzes auf Dortmunder Gebiet geht zurück auf den gleichnamigen Steinkohleflöz (dicke Kohleschicht) im südlichen Ruhrgebiet. Mausegatt bedeutet im Niederdeutschen so viel wie Mauseloch – die Bergleute mussten bei der Kohleförderung kriechen wie die Mäuse. Eine gefährliche, anstrengende Arbeit. Rasten auf „Flöz Mausegatt“ ist dagegen ein Klacks.
- Dickenwalze (A45): Der Parkplatz bei Lüdenscheid ist bis Mai 2027 wegen Bauarbeiten gesperrt. Aber nicht, weil hier mit einer dicken Walze über den Platz gerollt wird! Der Name stammt von der Familie Dicke, die in der Nähe ein kleines Walzwerk besaß. Davon gab es früher im märkischen Sauerland viele – das nahe bei Lüdenscheid gelegene Hohenlimburg ist die Wiege des Kaltwalzens. JP Hüseken walzte 1830 als Erster runden Draht zwischen zwei gehärteten Walzen – daraus wurde Kaltband. Ein Welterfolg.
- Leckerhorst (A46): Benannt nach dem Leckerhorstweg (einer Verbindung zwischen den Iserlohner Stadtteilen Oestrich und Grürmannsheide). „Horst“ bedeutet im Altdeutschen Dickicht oder Gehölz. Wie das „Lecker“ davor kam? Unbekannt.
- Pennacker (A46): Nicht weit vom Leckerhorst entfernt liegt der Pennacker. Zwar kann, wer auf dem Parkplatz nahe der Sauerland-Metropole Iserlohn ein „Päusken“ einlegt, dort auch schlafen. Der Name aber leitet sich ab vom Familiennamen „Penn“ – der Pennacker war also in etwa das Feld der Familie Penn.
- Speckhorn (A43): Klingt ein bisschen wie die Ruhrpottvariante des Schinkencroissants – der Parkplatz zwischen Recklinghausen und Marl (benannt nach dem Recklinghäuser Ortsteil Speckhorn/Bockholt) hat aber mit Essen nichts zu tun. „Specke“ (auch Speck oder Spieke) bezeichnet einen aus Reisig oder Holzstücken gebauten Weg, um Sümpfe oder kleine Gewässer trockenen Fußes zu überqueren. Und Horn steht hier für ein keilförmiges Waldstück.
- Am Blauen Stein (A61): Klassische Flurbezeichnung aus alter Zeit, die sich auf Grenzsteine bezieht. An dem Rastplatz zwischen Weilerswist und Swisttal ist heute noch ein blauer Stein – ein sogenannter Gerichtsstein – zu sehen.
Himmel und Hölle an der Autobahn
- Engelrödchen (A61): Wer beim Namen des Rastplatzes bei Boppard romantische Sternchen sieht, irrt. Denn, so fanden es Kollegen von SWR 3 heraus, das „Engel“ im Namen kommt von „angulus“ (lat. für Ecke) und „rod“ bedeutete im Mittelalter, den Wald mit Feuer zu roden. Also alles andere als ein himmlischer Name, diese Ecke Wald, die einfach niedergebrannt wurde ...
- Höllenplacken (A6): Man könnte aufgrund des Namens meinen, die Errichtung der Rastanlage zwischen Ramstein und Kaiserslautern sei eine Höllenplackerei gewesen. War’s vielleicht auch – der Wortteil Hölle aber kommt von der alten Bezeichnung für ein schattiges, enges Tal. Und ein „Placken“ war in früheren Zeiten schlicht ein kleines Feld.
Kröten und Krachledernes
- Morkepütz (A4): Zwischen Bielstein und Gummersbach schlummert die kleine Rastanlage, deren Name, so schreibt es die Dorfgemeinschaft Morkepütz, anno 1443 zunächst „Morkepissel“ lautete. Morke leitet sich ab von Murke (Kröte), Pissel von Peisel (Tümpel). Der Tümpel wurde durch den Pütz (=Brunnen) ersetzt – Morkepütz ist also ein Krötenbrunnen. Die gleichnamige kleine Ortschaft wirbt stolz mit dem Slogan „Das Dorf mit der Kröte!“. Vielleicht fahren Sie das nächste Mal nicht nur vorbei, sondern halten dort zum Wandern im malerischen Bergischen mal an.
- Lederhose (A9): Einen solchen Ort würde man eher in Bayern verorten denn in Thüringen. Doch der Autohof Lederhose im Landkreis Greiz ist nach der 261-Einwohner-Gemeinde Lederhose benannt. Die wiederum hat ihren Namen nicht vom krachledernen Kleidungsstück, sondern von der slawischen Siedlung Ludoraz.

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Liegt bei Nürnberg, hat aber so rein gar nichts Vulgäres an sich: der Parkplatz Ludergraben.
- Krachgarten (A5): Als hätte man damals schon gewusst, dass es an Autobahnen laut ist. Schöne Vorstellung, aber nicht namensgebend. Der Parkplatz bei Gemünden in Hessen wurde nach dem alten Wort für Krähe benannt, ist also ein Krähengarten. Wobei – Krähen sind ja auch laut ...
- Ludergraben (A3): Mit gewieften, herrschsüchtigen und durchtriebenen „Weibsbildern“ hat dieses Luder nichts zu tun – der Name kommt von einem Bächlein, dem Ludergraben, der nahe des Parkplatzes durch den Wald murmelt. Das Gewässer bei Nürnberg wiederum hat seinen Namen vom Aas, das Jäger als Köder (Luder) unter anderem für Raubvögel auslegen. Na denn, Waidmanns Heil!
- Heidenheimer Kohlplatten (A7): Mit einem schmackhaften schwäbischen Traditionsgericht hat der Name des Rastplatzes bei Heidenheim an der Brenz nichts zu tun – an den Kohlplatten würde man sich auch eher die Zähne ausbeißen. Diese Kohlplatten sind laut Stadt Heidenheim „große, runde Bodenplatten im Wald, auf denen Köhler Holz schichteten, um Holzkohle herzustellen“.
- Unterm Hipperich (A4): Der Hipperich ist nicht der Ehemann der alten Hippe, sondern ein 352 Meter hoher Berg bei Engelskirchen an der Grenze zu Wiehl. Der Name von Berg und Parkplatz stammt laut Heimatverein Drabender Höhe aus dem Althochdeutschen und bedeutet „Heideberg“.
- Lustheide (A4): Benannt nach einem Stadtteil von Bergisch Gladbach. „Lusheed“ – so der Name im historischen Dialekt – bezeichnet laut Bürgerportal Bergisch Gladbach ursprünglich ein angenehmes, schönes oder freies Stück Natur.
Zahlen, bitte! Das bedeutet die Nummerierung
Jede Autobahn in Deutschland hat eine Nummer – was die bedeutet, erklärt der ADAC:
Die bedeutendsten Fernautobahnen haben einstellige Nummern, wie bei uns in NRW beispielsweise die A1, A3 oder A4.
Regional bedeutsame Autobahnen sind zweistellig (A59, A61). Sie geben eine grobe regionale Orientierung – so liegen Autobahnen mit den Nummern A50 und höher im Bereich Niederrhein bis Köln; A40 und höher sind vom Rhein-Ruhr- bis zum Rhein-Main-Gebiet zu finden.
Zubringerautobahnen (A565, A560, A555) sind dreistellig benannt.
Autobahnen mit geraden Nummern führen in der Regel von Ost nach West, die mit ungeraden Nummern sind der Nord-Süd-Richtung zugeordnet.
Die längste Autobahn Deutschlands ist die A7 mit 962 Kilometern, dann folgen A3 (769 Kilometer), A1 (748 Kilometer) und A4 (583 Kilometer).
Die meisten Autobahnkilometer hat Bayern (2554 Kilometer), gefolgt von NRW (2252 Kilometer) und Niedersachsen (1450 Kilo- meter). Schlusslicht ist der Stadtstaat Bremen mit nur 66 Kilometern.
