Ein Mann tötet seine Freundin in Leverkusen, doch im Prozess kommt die Wende: Ein Gutachter hält ihn für schuldunfähig.
Wende in Kölner MordprozessGutachter mit Schock-Diagnose für Täter

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Der Mordprozess vor dem Kölner Landgericht gegen einen Mann aus Opladen neigt sich dem Ende zu.
Ein Mann schlägt seine Freundin in Opladen tot. Doch jetzt die unfassbare Wende vor dem Kölner Landgericht: War der Täter zum Zeitpunkt der Tat gar nicht Herr seiner Sinne?
Für Christos F. (34, Name geändert), der seine Partnerin am 21. November des Vorjahres brutal getötet hat, geht es wohl nicht in den Knast. Stattdessen droht ihm die Unterbringung in der Psychiatrie auf unbestimmte Zeit. Das ist zumindest die klare Empfehlung von Martin Kramps. Der forensische Psychiater aus Düsseldorf hat sich seit Prozessbeginn intensiv mit dem Angeklagten auseinandergesetzt. Er untersuchte ihn Ende April in der Klinik Bedburg-Hau und nochmals Mitte Juli, als das Verfahren am Kölner Landgericht bereits lief.
Prozess in Köln: Gutachter mit eindeutigem Fazit
Das Fazit von Kramps ist eindeutig: Der 34-Jährige laboriert an einer hochkomplexen posttraumatischen Belastungsstörung. Dieses Leiden sei so gravierend, dass der Mann zum Tatzeitpunkt nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen sei: „Die Steuerungsfähigkeit war aufgehoben.“ Daran bestehe kein Zweifel, es sei „sicher“, betonte der Experte.
Der Angeklagte, der die Tat vor der 5. Großen Strafkammer des Landgerichts Köln zwar quasi gestanden, aber auch erklärt hatte, sich „an nichts mehr erinnern zu können“, stand unter dem Einfluss von Rauschmitteln und Alkohol. Wie hoch die Dosis war, lässt sich laut Gutachter aber „nicht seriös“ bestimmen. Das liegt auch daran, dass der genaue Todeszeitpunkt der vier Jahre jüngeren Frau unklar ist. Christos F. war damals mit ihr allein in seiner Wohnung am Opladener Wupperufer.
Unbestreitbar ist jedoch, mit welch unfassbarer Gewalt er die Frau misshandelt hatte. Psychiater Kramps sprach am Dienstag (22. September 2026) von einer „Übertötung“.
Der Täter selbst war indes tagelang überzeugt, seine Freundin würde noch leben. Ein totaler Realitätsverlust. Erst sechs Tage nach dem Verbrechen ließ er sich von der Polizei im gegenüberliegenden Park festnehmen. Auch da glaubte er noch fest daran, dass die Frau am Leben sei. „Er ist ein Meister der Verdrängung“, so die Analyse von Psychiater Kramps. Das betreffe nicht nur dieses entsetzliche Verbrechen.
Bilanz lautete: „Scheiß-Kindheit“
Das Charakterbild des Beschuldigten, das der Gutachter den ganzen Vormittag über zeichnete, ist das eines Mannes, der spätestens mit der Aufnahme in ein Kinderheim traumatisiert wurde. Der Vater war früh verstorben, die inzwischen ebenfalls tote Mutter war mit der Erziehung ihrer beiden Söhne sichtlich überlastet. Obwohl Christos F. von einer „tollen Mutter“ sprach, lautete die Bilanz dennoch: „Scheiß-Kindheit“.
Den Schulabschluss schaffte er, die Lehre zum Einzelhandelskaufmann brach er jedoch ab. Danach zog der junge Mann durch Deutschland, bis er 2012 in Leverkusen ankam. Zuerst hielt er sich mit Aushilfsjobs über Wasser, lebte zuletzt aber „vom Amt gelebt“. Dazu trank und kiffte er immer mehr.
Es gab immer wieder Beziehungen zu Frauen, doch keine davon endete glücklich. Vielmehr sahen die Partnerinnen schnell zu, dass sie auf Distanz gingen. Mehr als ein Vorfall landete schließlich bei der Justiz. Am Dienstag kam eine weitere Geschichte hinzu: Peter Koerfers, Vorsitzender der 5. Großen Strafkammer, trug das Urteil einer Kollegin vom Amtsgericht Köln vor. Es handelte von einer Nacht im März 2014. Damals hatte Christos F. im McDonald’s am Rudolfplatz eine junge Frau belästigt, die das nicht wollte. Als ein anderer Gast dazwischenging, soll er diesen verprügelt haben. Einen Polizisten beschimpfte er als „Nazi“.
Später wurde es noch deutlich brutaler. Der Höhepunkt vor gut zwei Jahren: Er verletzte den Vater einer Freundin in Opladen so schwer, dass dieser mehrfach wiederbelebt werden musste und bleibende Schäden erlitt.
Auch wegen dieser Tat schließt Gutachter Kramps eine ambulante Therapie aus. Das sei „riskant bis unmöglich“. Wie die Kammer unter Peter Koerfers dies bewertet, wird sich zeigen. Beim nächsten Termin werden die Plädoyers in dem Mordprozess gehalten. (red)
