Riesen-Baustelle am Kölner Rheinufer: Im Rheinauhafen entstehen nach einem Unfall neue Anlegestellen für Schiffe.
Projekt am Kölner UferWarum im Rheinauhafen gebaggert wird wie verrückt
Ein Bauvorhaben von gigantischem Ausmaß nimmt im Rheinauhafen Gestalt an. Doch die Arbeiten sind eine echte Herausforderung.
Im Herzen von Köln, direkt am Rheinauhafen, wächst aktuell ein Mega-Projekt für den professionellen Schiffsverkehr auf dem Rhein. Über eine Strecke von circa 1,3 Kilometern entstehen acht neue Anlegestellen, die über zehn Zugänge erreichbar sein werden. Schon im nächsten Jahr sollen dort wieder die ersten großen Frachter anlegen. Und das Beste: Trotz schwieriger Bedingungen und schwankendem Pegel läuft alles nach Plan.
Geringer Rheinpegel als unerwarteter Helfer
Lange Zeit war der Rheinauhafen ein zentraler Knotenpunkt für den Schiffsverkehr in der Domstadt. Doch dann kam der Februar 2018: Zwei Frachter rissen sich los und krachten gegen die Kaimauer, die schwer beschädigt wurde.
Die Konsequenz: Die städtische Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) zog die Reißleine und verhängte ein komplettes Anlegeverbot. Eine teilweise Lockerung im September galt nur für kleinere Boote. Durch die neuen Anlegestellen soll der Hafen bald wieder für alle Berufsschiffe zugänglich sein.
Der momentan niedrige Wasserstand des Rheins ist für die Crew vor Ort ein echter Segen. Zwar gibt es auch Schwierigkeiten, aber vor allem positive Aspekte. Im nächsten Schritt müssen die schon montierten Stahlrohre erweitert werden. Da die Anschlusspunkte momentan trocken liegen, ist der Zugang viel unkomplizierter. „Die Wasserstände spielen uns dabei etwas in die Karten“, bestätigt Bauleiter Stephan Derichs vom Wasserbau-Unternehmen OHF. Die Erweiterung der Rohre lasse sich so viel wirksamer umsetzen, als es bei mehr Wasser im Fluss der Fall wäre.
Gebaut wird hier direkt in einem Wohngebiet. Aus diesem Grund gibt es klare Regeln, was Lärm und Vibrationen angeht. Die riesigen Stahlpfähle zum Festmachen der Schiffe, auch Dalben genannt, werden nicht wie sonst üblich in den Grund gerammt. Stattdessen kommt eine besondere Drehbohrtechnik zum Einsatz. Diese Methode ist zwar komplizierter, aber sie schont die Nerven der Nachbarschaft und schützt die umliegenden Häuser.
Zielmarke: März 2027
Die Dimensionen dieses Vorhabens sind auch für Rhein-Verhältnisse enorm. Ganze 38 Dalben, jeder mit einem Durchmesser von 1,40 Metern, werden in den Boden gebracht, dazu kommen 20 Stützpfähle. Auf dieser Konstruktion werden dann die Stege und Treppen für die Besatzungen montiert. An der neuen Anlegestelle finden zukünftig bis zu zehn Schiffe zur selben Zeit Platz. Auch für Bauleiter Stephan Derichs ist diese Baustelle ein echtes Highlight: „So große freie Uferabschnitte, auf denen neue Liegestellen entstehen, gibt es am Rhein nur selten.“ Die Mischung aus der schieren Länge, der Menge der Pfähle und den neuen Anlegeplätzen macht das Ganze zu einem einmaligen Bauprojekt.
Bis zum Herbst sollen die Bohrungen abgeschlossen sein. Danach geht es mit dem Stahlbau und der Gestaltung der Rheinpromenade weiter. Ein wichtiges Detail: Es werden Landstromanschlüsse installiert, sodass die Schiffe im Hafen ihre Motoren nicht laufen lassen müssen. Die Eröffnung der neuen Außenliegestelle ist für März 2027 vorgesehen. Wenn die Verhältnisse auf dem Rhein mitspielen, dürfen dann zum ersten Mal seit 2018 wieder große Frachter mit einer Tragfähigkeit von 1200 Tonnen und mehr im Rheinauhafen festmachen. (red)
