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„Schlüpfen, um zu sterben“Mysteriöse Insekten-Schwärme über Köln

Tausende Insekten tanzen nachts um Kölns Laternen. Was wie eine Plage wirkt, ist ein faszinierendes Naturschauspiel.

Tausende geflügelte Tierchen tanzen nachts um Kölns Laternen, sogar am Hauptbahnhof. Was aussieht wie eine Plage, ist in Wahrheit ein kleines Wunder.

Wer in den letzten Nächten in Köln unterwegs war, hat es vielleicht gesehen: Riesige Schwärme von Insekten, die wie wild um Straßenlaternen kreisen. Besonders krass war es über den Gleisen am Kölner Hauptbahnhof, wo unzählige Tierchen im grellen Licht flatterten, wie ein Video auf Facebook zeigt.

Kölner Biologe erklärt das „unglaubliche Phänomen“

Viele dachten sofort an Motten, doch Experten stellen klar: Das sind mit großer Wahrscheinlichkeit Eintagsfliegen. Im Sommer kommen sie für wenige Tage in riesiger Zahl aus ihrem Versteck, um sich zu paaren und Eier zu legen. Ihr Schicksal danach ist allerdings besiegelt: der schnelle Tod.

Dominik Breker, Diplom-Biologe vom Kölner Umweltbildungszentrum Gut Leidenhausen, bringt Licht ins Dunkel. Die Eintagsfliegen haben gerade Paarungszeit und sind deshalb vor allem in der Nähe des Rheins zu sehen. Es könnte sich um die Art „Vergängliche Jungfrau“ (Uferaas) handeln, die laut WDR auch am Duisburger Hauptbahnhof gesichtet wurde – ebenfalls in Rheinnähe.

Breker beschreibt, was da genau passiert: Die Larven verbringen den Großteil ihres Lebens auf dem Grund des Rheins. Doch wenn Temperatur und Zeitpunkt passen, kommt es zu einem „unglaublichen Phänomen“. Innerhalb weniger Tage schlüpfen Abertausende Larven gleichzeitig. Die Fliegen schwärmen aus, paaren sich, legen ihre Eier wieder im Rhein ab und sterben kurz darauf. Ein gutes Zeichen übrigens: Ihr Vorkommen spricht für eine gute Wasserqualität im Rhein.

„Sie schlüpfen, um zu sterben“, fasst es Breker zusammen. Am Rheinufer liegen dann oft unglaubliche Mengen der toten Tiere. Auch die Nabu-Biologin Michelle Etienne bestätigt: Mit der Paarung und Eiablage ist ihr Lebenszweck erfüllt. Die Tiere sind nicht für ein langes Leben gemacht, sie haben nicht einmal Mundwerkzeuge zum Fressen.

Ihr kurzer Auftritt hat aber einen wichtigen Sinn: Sie sind eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel. Die jagen die Fliegen in der Luft bei ihrem „Hochzeitstanz“ um die Lampen oder picken die toten Tiere am Ufer auf. Ein wahres „Festmahl für die Vögel“, so Etienne.

Nach der Eiablage beginnt der Kreislauf im Rhein von vorn, der je nach Art ein bis drei Jahre dauern kann. Dieses beeindruckende Naturschauspiel der riesigen Schwärme tritt übrigens nicht jedes Jahr in dieser Intensität auf, es hängt immer von verschiedenen Umweltfaktoren ab. (red)

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