Der beliebte Kölner Straßenmusiker Fliege ist im Alter von 71 Jahren verstorben.
Lebte zuletzt zurückgezogenTrauer um bekannten Kölner Straßenmusiker „Fliege“

Copyright: Kalle Gerigk
Der beliebte Kölner Straßenmusiker „Fliege“ ist Anfang 2026 verstorben.

Die Straße war seine Bühne... Trauer um den Kölner Musiker Hermann Josef Wolf, genannt „Fliege“ (71).
„Er war die Straße, Klang und Herz. Jetzt ist es still“, schreibt Kalle Gerigk, Aktivist und Mietrebell. „Ich habe es geliebt, mit ihm auf der Straße Musik zu machen.“ Am Donnerstagabend (16. April 2026) fand in der Südstadt eine Trauerfeier für Fliege, wie der Verstorbene genannt wurde, statt.
Trauer um Kölner Straßenmusiker „Fliege“
In der Lutherkirche verabschiedeten sich viele gemeinsam mit Hans Mörtter von dem beliebten Straßenmusiker. Dazu gab es auch einen kleinen musikalischen Beitrag des Menschensinfonieorchesters, dessen Mitglied Hermann Josef Wolf Fliege über viele Jahre war.
Auf der Facebookseite des Orchesters heißt es, dass Fliege ein großer Kenner der Volksmusik und ein Mensch voller Geschichten war. In den 1970ern habe er oft mit „Klaus der Geiger“ auf der Straße gespielt. Die Straße sei seine natürliche Bühne gewesen, der direkte Kontakt mit den Menschen seine Art, Musik zu machen.
Doch Fliege wurde krank, zog sich nach und nach zurück. Er kämpfte, doch er verlor... Er verstarb in einem Pflegeheim. Nach Angaben von Wegbegleitern bereits am 19. Januar.
Zu einem Foto, darunter seine Lebensdaten, heißt es: „Nach all den Liedern auf der Straße, nach all den Fahrten durch die Stadt, nach all den schweren Jahren des Kampfes – nun hast du deinen Frieden gefunden. Deine Musik bleibt.“
„Einige Jahre lang war Fliege ein fester Bestandteil unserer Kundgebungen. Er war einfach da, plötzlich, ohne Ankündigung, mit seiner Gitarre in der Hand“, erinnert sich Aktivist Kalle Gerigk. „Er fing an zu spielen, und für einen Moment war alles andere nebensächlich. Das konnte wunderschön sein, berührend, verbindend. Und gleichzeitig war er ganz Fliege: Wenn wir dachten, jetzt ist es gut, jetzt reicht es, spielte er einfach weiter. Unbeirrbar. Selbst dann noch, wenn die Kundgebung längst vorbei war und kaum noch jemand zuhörte.“
Gerigk: „Er war in seiner eigenen Welt, in seiner Musik und hat sich davon nicht abbringen lassen. Ich habe oft mit ihm zusammen gesungen. Besonders bei ‚Knockin’ on Heaven’s Door‘. Ein Lied voller Sehnsucht und Frieden. Und dieser Refrain, der sich immer wiederholt. Bei Fliege wurde daraus etwas Endloses. Selbst wenn ich ihn bat, doch bitte zum Schluss zu kommen, ging es einfach weiter. Noch eine Runde, noch ein Refrain. Als gäbe es kein Ende. Beim nächsten Mal versprach er mir, sich kurz zu halten und blieb doch sich selbst treu.“
Fliege habe protestieren wollen, aber auch seine Kunst leben. Auf seine Art, in seinem Tempo, ohne sich anzupassen. „Das war manchmal anstrengend und gleichzeitig genau das, was ihn ausgemacht hat“, so Kalke Gerigk.
„Fliege“ ist tot: „Das war etwas Besonderes“
„Wir haben uns immer gefreut, wenn er kam. Und manchmal waren wir auch erleichtert, wenn er aufhörte. Beides gehört zur Wahrheit. Und beides gehört zu ihm. Mit leuchtenden Augen erzählte er von seiner Zeit als Straßenmusiker, besonders von den Momenten mit Klaus dem Geiger. Einmal standen sie tatsächlich gemeinsam auf einer Demo und haben zusammen gespielt. Das war etwas Besonderes. Und ich glaube, es hat ihn sehr glücklich gemacht.“
Irgendwann sei Fliege einfach weggeblieben. Kein Abschied, kein letzter Song. Kalle: „Ich habe mich oft gefragt, wo er ist, wie es ihm geht. Ich habe versucht, ihn zu erreichen, vergeblich. Und in den letzten Tagen kam dieser Gedanke wieder hoch: Ich müsste doch irgendwie herausfinden, was aus ihm geworden ist. Jetzt weiß ich es. Und es tut weh. Die Nachricht von seinem Tod hat mich tief getroffen. Fliege ist nicht mehr da. Aber seine Lieder, seine Eigenwilligkeit, dieses endlose Weiterspielen, das wird bleiben.“
