„Das Miteinander hat gelitten” Konzert in der Volksbühne: Tommy Engel geht mit Köln ins Gericht

Tommy Engel bei seinem Konzert am 3. September 2021 in der Volksbühne am Rudolfplatz.

Tommy Engel bei seinem Konzert am Freitag in der Volksbühne am Rudolfplatz.

Die Premiere von Tommy Engel in der Volksbühne am Rudolfplatz war stimmungsvoll. Doch abseits des Konzerts hatte der Kölner Star-Sänger noch etwas mehr zu sagen. EXPRESS war dabei.

Köln. Es war, als wollte der Applaus der etwa 300 Zuschauer gar nicht enden. Und das, obwohl Tommy Engel (71) kurz zuvor nicht gesungen, sondern „nur” gesprochen hatte. „Ich freue mich ganz besonders, dass ihr gekommen seid. Damit zeigt ihr uns, dass wir mit der 2G-Regelung richtig liegen”, so der Kölner Sänger am Freitagabend (3. September) bei seinem Auftritt in der Volksbühne am Rudolfplatz. 

Bis Sonntag (5. September) und dann nochmal in der nächsten Woche (10. bis 12. September) ist Engel in der Volksbühne zu Gast, die Konzerte sind der Ersatz für die für September 2020 geplanten Jubiläumskonzerte unter dem Titel „70 Johr op d'r Welt und 60 Johr op d'r Bühn“. Wie die Premiere am Freitag finden auch die übrigen Konzerte unter 2G-Bedingungen statt, es gibt aber Ausnahmen, zum Beispiel für Schwangere.

Tommy Engel: Premiere in der Volksbühne vor 300 Zuschauern

„Was uns natürlich auch sehr freut, ist die Tatsache, dass die Volksbühne voll hinter unserer 2G-Entscheidung steht und uns dabei unterstützt. Vielen Dank dafür“, sagt Engel auf der Bühne. Denn nach der Bekanntgabe der 2G-Regeln habe es durchaus auch negative Kommentare gegeben, wie der musikalische Leiter Jürgen Fritz erklärt.

„Es ging soweit, dass man uns Nachbarschaft zum dritten Reich nachgesagt hat. In der Summe waren es aber nur zehn Leute. Dass wir den richtigen Weg gegangen sind, zeigt aber deutlich der gestiegene Ticketverkauf für die Volksbühne und den WeihnachtsEngel“, freut sich Fritz. Auch die 13 Shows (19. November bis 19. Dezember) werden nach jetzigem Corona-Stand unter den 2G-Regeln stattfinden.

Tommy Engel im Interview: „Das Miteinander hat sehr gelitten”

Doch Corona ist bei weitem nicht das einzige Thema, das den Kölner Sänger derzeit umtreibt, wie EXPRESS.de erfahren durfte. Reporterin Daniela Decker sprach vor dem Konzert in der Volksbühne mit dem 71-Jährigen auch über andere Themen. 

Die Gastspiele in der Volksbühne sind seit langer Zeit Ihre ersten Indoor-Auftritte. Was glauben Sie, wie es weitergehen kann?
Engel: Alles, was groß und drinnen stattfindet, ist gefährlich und nur sehr schlecht zu kontrollieren. Der FC spielt unter freiem Himmel, das ist etwas ganz anderes. Hätte die Volksbühne nicht mitgezogen und auf 3G bestanden, hätte ich die Konzerte abgesagt. Ich habe gerade erst Reiner Hömig im Krankenhaus besucht und gesehen, was Corona anrichten kann. Er selber sagt ja, das er dem Tod nochmal von der Schippe gesprungen ist und allen nur raten kann, sich impfen zu lassen. Das kann ich nur unterstreichen.

Damit sind wir beim Thema Impfgegner.
Ohne Impfen geht es einfach nicht weiter. Da ist auch keine Diplomatie mehr angesagt. Es gibt Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen dürfen – kein Thema. Dann hast du Leute, die immer etwas zu nörgeln haben und dann hast du die echten Impfgegner und Verschwörer. Angeblich waren wir nicht auf dem Mond, 9/11 haben die Amerikaner selber gemacht und Bill Gates will die Menschheit zwangsimpfen und überwachen. Du kannst denen mit Beweisen kommen, das interessiert die überhaupt nicht. Du bekommst diese Menschen einfach nicht umgestimmt, geschweige denn davon überzeugt, dass die Impfstoffe Leben retten können.

Wäre die 2G-Regelung auch für Karneval die beste Lösung?
Der Karneval ist nur schlecht zu kontrollieren, daher wäre 2G die beste Lösung. Ich wünsche allen, dass es funktioniert, aber sobald der Alkohol in einem vollbesetzten Saal hinzukommt, wird es nicht einfach. Dennoch sollte keiner das Handtuch werfen. Ganz im Gegenteil, die Künstler müssen wieder auf die Bühne. Und nochmal: Ohne Impfen geht es einfach nicht weiter. Corona verschwindet nicht einfach von alleine wenn wir nur lange genug warten.

Themen wie Corona und die Flutkatastrophe werden für den Wahlkampf benutzt. Mit welchen Gefühlen stehen Sie dem Wahlkampf gegenüber?
Am wichtigsten ist es, wählen zu gehen. Ich habe für mich schon meine Wahl getroffen, deswegen interessiert mich der Wahlkampf nicht mehr. Ich weiß nicht, wie man das nennen soll, aber vielleicht muss man das geringere Übel wählen. Und lass uns doch mal ehrlich sein: Wahlprogramme sind das Papier nicht wert, auf denen sie geschrieben sind. Unter anderem, weil es seit Jahren schon keine zwei, drei Lösungen gibt – sondern es gibt nur eine Lösung – es ist ganz egal, welche Partei es macht. Am Ende des Tages musst du versuchen, dem Land etwas Gutes zu tun und dafür gibt es keine drei Optionen: links, Mitte, rechts. Die Zeiten sind vorbei.

Tommy Engel bei seinem Konzert am 3. September 2021 in der Volksbühne am Rudolfplatz.

Das Konzert vor gut 300 Zuschauern fand unter 2G-Bedingungen statt.

Sie sind so tief mit der Stadt Köln verwurzelt. Ärgern Sie sich auch manchmal?
Köln ist eine Stadt, wahrscheinlich wie viele andere Städte auch, nicht toll, aber es ist unsere Heimat. Ich tue mich manchmal schwer und ich bin bestimmt nicht mit allem zufrieden. wie es läuft. Aber ich bin hier geboren und werde irgendwann hier sterben. Es gibt diesen Begriff Hassliebe. Alles Blödsinn. Ich möchte nicht woanders leben.

Verbundenheit zur Stadt ja, aber nicht ohne kritischen Blick, oder?
Stimmt! Überall sind Baustellen, Straßen werden aufgerissen und sind sie endlich fertig, werden Absperrungen wochenlang nicht weggeräumt, obwohl man da schon längst hätte wieder durchfahren können. Gibt es keine Leute, die so etwas kontrollieren können? Es bleibt alles liegen. Ich habe kein Problem damit, dass Köln nicht gerade die sauberste Stadt ist. Manchmal ist es gut, nicht über die großen Probleme nachzudenken, sondern eher zu versuchen, die kleinen Dinge in Ordnung zu bringen.

Wie empfinden Sie die Verkehrsentwicklung?
Die Leute fahren wie die Irren durch die Stadt. Ob das mit dem Roller, Motorrad, Fahrrad oder Auto ist. Es gibt auch keine Rush Hour mehr, es ist immer Rush Hour. Es ist immer alles voll. Und so benehmen sich die Leute auch. Das Miteinander hat in den vergangenen Jahren sehr gelitten. (dd, tw)

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