Sarah Connor hat die größte Show ihrer aktuellen Tour in der Kölner Lanxess-Arena gespielt. Dabei lieferte sie fast drei Stunden ab und teilte viele private Momente. Zudem sorgte sie wieder für einen Aufreger.
Vor umjubelter Köln-ShowSarah Connor: Internet-Post sorgt für Wirbel

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Sarah Connor beim Konzert am Montag (25. März 2026) mit zwei ihrer Tänzerinnen in der Lanxess-Arena.

Es ist eine oft unterschätzte Superkraft: die Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können. Pop-Queen Sarah Connor (45) beherrscht die Selbstironie perfekt. In ihrer Karriere, die nun schon über ein Vierteljahrhundert dauert, gab es oft genug Anlass dazu.
Fehltritte hat sich die Sängerin einige geleistet. Da war die Fernsehheirat mit Marc Terenzi (47) samt anschließender Trennung. Mit ihren Outfits griff sie ebenfalls mehrmals daneben. Deutschland diskutierte, ob sie bei „Wetten, dass..?“ Unterwäsche trug oder nicht.
Sarah Connor: 14.000 Fans beim Konzert in der Lanxess-Arena
Und schließlich war da der Gipfel der Peinlichkeiten: der „Brüh im Lichte dieses Glückes“-Patzer beim Singen der deutschen Nationalhymne. Mit diesem Image spielt die Powerfrau gern. „Bitte singt laut mit. Ich bin bei deutschen Texten nicht immer so sicher“, bat sie am Mittwochabend (25. März 2026) die 14.000 Fans in der Lanxess-Arena.
Vor der größten Show ihrer Tour hatte sie bei Instagram schon wieder für Wirbel gesorgt. „Heute Lanxess-Arena in Düsseldorf! Freu mich so auf euch“, hatte sie am Nachmittag gepostet. Ihr Mann und Manager Florian Fischer (51) bekam direkt Schnappatmung. Er fuhr nach Köln, obwohl er das gar nicht geplant hatte.
„Ich hab‘ euch natürlich geärgert, ist ja wohl klar, ne? Mein Mann kam in die Garderobe und sagte: Sarah, du hast falsch gepostet. Ich so: Mann, Alter, denkst du, ich weiß nicht, dass wir in der Kölnarena sind? Als könnte ich das je vergessen.“ Diese sympathischen Momente geben den Fans das Gefühl, dass da auf der Bühne kein Star steht, sondern die beste Freundin, die zum Kaffeeklatsch vorbeigekommen ist.
Und die hatte einiges zu erzählen. Nach sechsjähriger Pause hat Sarah Connor mit „Freigeistin“ satte 24 neue Songs auf den Markt gebracht, ihr fünftes Nummer-eins-Album in Deutschland. Fremdgehen, gleichgeschlechtliche Liebe, One-Night-Stands, Polyamorie – Connor öffnet bei den Titeln ihr Herz komplett und spielt sie in Köln fast alle.
„Zum Glück habe ich einige Krisen in meinem Leben, sonst würde es nicht so viele gute Songs geben. Gut für euch, schlecht für mich“, sagt sie. Sarah Marianne Corina Lewe, so ihr Geburtsname, hat in der Tat schon eine wilde Achterbahn-Karriere hingelegt.
Den Durchbruch hatte sie 2001 mit der Single „Let’s Get Back to Bed – Boy!“ Doch es folgte der Knick. Fünf Jahre ohne Plattenvertrag, Schaffenskrise, Konzerte vor 300 Leuten. „Mein Mann hat die Stühle auseinandergeschoben, damit es in der Halle voller aussieht“, erinnert sie sich.

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Mit ihrer zwölfköpfigen Band hat Sarah Connor die Songs auf ein tolles musikalisches Niveau gebracht.
Die Resonanz beim Medley-Block in der Mitte des Konzerts mit den englischsprachigen Songs zeigt, dass das Publikum lieber die andere Sarah hören will. Die Teilnahme an der TV-Show „Sing meinen Song“ änderte alles kolossal. Im Mai 2015 erreichte Connor mit ihrer ersten deutschsprachigen Single „Wie schön du bist“ ihren ersten Top-Ten-Hit seit sechs Jahren.
Seit dem Album „Muttersprache“ vor gut zehn Jahren singt sie auf Deutsch und erzählt aus ihrem Leben, so auch in Köln. Ihre beiden älteren Kinder Tyler und Summer seien vor drei Jahren für Studium und Schule nach England gezogen. „Mich hat es total zerrissen, die leeren Kinderzimmer zu sehen. Ich hab’ mich in den leeren Betten eingeweint. Die beiden waren so hyperaktiv. Plötzlich war es so ruhig am Küchentisch. Jetzt sind sie beide wieder da und schätzen es, wenn der Kühlschrank voll ist und die Wäsche gemacht wird.“
Mit ihrem jüngsten Sohn Jax habe sie via Facetime Fieber gemessen. „Ihm geht’s nicht so gut. Er hat aber kein Fieber, kann jedoch morgen wohl nicht zur Schule gehen“, lässt sie die Menge wissen. Die beste Freundin erzählt schließlich auch immer alles. Auch die wildesten Fantasien. „Du fasst mich an, ich bin erregt. Kann nicht glauben, dass jetzt auch noch meine Pussy mich verrät“, heißt es in „Schlechte Idee“.

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Sarah Connor hat für ihre Tour eine überaus aufwendige Bühnenproduktion auf die Beine gestellt.
Mit ihren Erzählungen nimmt die Sängerin die begeisterten Fans mit auf die Reise durch ihr Leben, garniert mit den passenden Songs. In „Ficka“ wütet sie gegen das Social-Media-Zeitalter, in dem jeder seine Hasskommentare loslassen kann. „Ich mach’ mir die Welt – Widde- Widde-wie sie mir gefällt“, heißt es dazu in Pippi-Langstrumpf-Manier.
„Die Nachrichten machen mir Angst. Ich mache mir schon große Sorgen um die Welt, in der wir leben“, sagt sie und erntet viel Zustimmung in der Arena. „Das, was wir hier erleben, wird nie eine Scheiß-KI ersetzen können. Wir haben großes Glück, in einem Land zu leben, in dem wir unsere Meinung frei äußern können. Und ich werde immer meine Meinung gegen Rechts und Rassismus sagen.“
Probleme wie Klima, Fluten, Hunger und Kriege werden weggekuschelt. „So schlimm wie jetzt war es noch nie, hat meine Oma schon gesagt. Aber Baby, heut, ja, heut, heut ist alles gut, heut ist erstmal alles gut.“ Bei „Zusammen ist man weniger kaputt“, in dem sie ihre schwere Beziehungskrise und ihre Liebe zu Mann Florian beschreibt, stockt die Stimme und kullern die Tränen.
Manchmal driften die Titel in die Schlagerecke ab, doch dann reißt die hervorragende zwölfköpfige Band alles wieder raus. Gitarrist Arto Mäkelä und auch Rhani Krija an den Percussions bringen die zarten Gefühlsoffenbarungen auf ein tolles musikalisches Level. Und schließlich ist Sarah Connor immer noch eine der größten Stimmen des deutschen Musikbusiness, die mühelos durch die Oktaven springen kann.

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Mit ihrem Song „Ficka“ thematisiert Sarah Connor den Social-Media-Hass, den sie ertragen muss.
Für ihre Tour hat die 45-Jährige eine enorm aufwendige Produktion gewählt. Die XXL-Bühne bietet über 531 Quadratmeter LED-Flächen mit sechs beweglichen Leinwänden und einem 13 Meter langen Steg. Vier Tänzerinnen und zwei Tänzer wirbeln umher und sorgen dafür, dass das fast dreistündige Konzert wie im Flug vergeht.
Mit „Bonnie & Clyde“ sowie der queeren Hymne „Vincent“ kommt am Ende noch mal richtig Bewegung in die Hütte. Eine echte Show-Explosion nach einem berührenden, intensiven Abend voller Gefühle und Plaudereien aus dem Ehe- und Familienleben.


