700 Arbeitsplätze in Gefahr? Große Fluggesellschaft schließt Standort in Köln

Tuifly_Symbol

Die Fluggesellschaft Tuifly, hier bei einem Abflug von Hannover 2013, verkleinert die eigene Flotte.

Köln/Hannover – Der Reisekonzern Tui will den deutschen Ferienflieger Tuifly wegen der Corona-Krise um rund die Hälfte verkleinern. Das Management habe die Pläne am Donnerstag den Mitarbeitern vorgestellt, sagte ein Tuifly-Sprecher am Freitag.

Tuifly halbiert eigene Flotte und schließt Standorte

Ziel sei, die eigentlich vorgesehene Flotte von 39 Jets vom Typ Boeing 737 zu halbieren und mehrere deutsche Standorte wie Köln, Bremen und Münster-Osnabrück zu schließen. Wie viele Jobs wegfallen, werde nun Teil der Gespräche zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmervertretern.

Bei Tuifly gibt es dem Sprecher zufolge rund 2000 Vollzeitstellen, davon 1400 Piloten und Flugbegleiter. Dem Nachrichtensender ntv zufolge stehen die Jobs von 700 Mitarbeitern auf der Kippe, davon 230 Vollzeitstellen. Der Sprecher wollte die Zahlen nicht bestätigen. Ziel sei, die verkleinerte Flotte über das ganze Jahr hinweg auslasten zu können und nicht im reiseschwachen Winter zu viele Flugzeuge zu haben.

Tuifly: Geschäft durch Corona weggebrochen

Das Geschäft von Tuifly ist wie bei anderen Fluggesellschaften durch die Corona-Krise praktisch weggebrochen. Bis zu sieben der Tuifly-Maschinen waren bisher für die Lufthansa-Tochter Eurowings im Einsatz. Diese Verträge laufen aber aus, und auch Eurowings verkleinert die Flotte. Tui hat bereits mit dem Flugzeugbauer Boeing ausgehandelt, dass der Konzern bestellte neue Maschinen vom Typ 737 Max erst später abnehmen muss.

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Am 17. Juni will Tuifly den Ferienflug wieder aufnehmen. Der Start eines eigenen Langstreckenangebots liegt dem Sprecher zufolge nun aber auf Eis. Eigentlich wollte Tuifly Urlauber von November an mit zwei Jets vom Typ Boeing 787 „Dreamliner“ nach Mexiko und in die Dominikanische Republik bringen. Dies sei angesichts der Corona-Krise aber derzeit nicht sinnvoll, sagte der Sprecher.

Arbeitnehmervertreter sehen die Kürzungspläne sehr kritisch - auch angesichts der Tatsache, dass Tui gleichzeitig mit Darlehen der staatlichen Förderbank KfW zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit unterstützt wird. „Wenn nun ein mit Steuergeldern finanzierter Arbeitsplatzabbau kommen sollte, wäre das schon ein starkes Stück“, sagte ein Gewerkschafter der Deutschen Presse-Agentur.

Tuifly unterhält elf Standorte in Deutschland

Die Geschichte von Tuifly begann 2006, als Tui beschloss, die beiden Fluggesellschaften Hapag-Loyd Flug und Hapag-Loyd Express (beide gehörten der Tui AG) zusammenzuschließen und unter einer gemeinsamen Marke auftreten zu lassen. Seit der Abgabe der Städteverbindungen an Air Berlin im Oktober 2009 versteht sich Tuifly als Ferienflieger, sowhl für Kurz- und Mittel- als auch für Langstrecken.

Insgesamt unterhält Tuifly elf Standorte in Deutschland: Berlin-Tegel, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hannover, Karlsruhe/Baden-Baden, Köln/Bonn, München, Nürnberg, Saarbrücken, Stuttgart, Paderborn/Lippstadt. (tw, dpa)

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