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Prostitution in KölnMiss O. über Sexarbeit: „Deshalb kommen Männer zu mir“

Miss O. räumt im EXPRESS.de-Interview mit Mythen rund um die Prostitution auf.

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Miss O. räumt im EXPRESS.de-Interview mit Mythen rund um die Prostitution auf.

Die Kölner Sexarbeiterin Miss O. (45) spricht im zweiten Teil des EXPRESS.de-Interviews über Grenzen. Hat sie schon mal einen Gast rausgeschmissen oder abgelehnt?

Sex-Leben in Köln – im ersten Teil des EXPRESS.de-Interviews hat Bizarrlady Miss O. (45) bereits offen erzählt, wie sie zur Sexarbeit gekommen ist.

Im zweiten Teil geht es um Grenzen: Wen sie ablehnt, wie sie sich absichert – und was Männer sich am häufigsten von ihr wünschen.

„Ich lehne sehr oft potenzielle Gäste ab“ – das sind die Gründe

Hast du schon mal einen Gast abgelehnt oder rausgeschmissen? Und warum?

Miss O.: Ich lehne sehr oft potenzielle Gäste ab. In der Regel geschieht das aus zwei Gründen: Jemand hat mein Profil nicht gelesen und fragt nach Dingen, die ich nicht anbiete. Jemand verhält sich in den ersten Nachrichten respektlos oder gibt sich keinerlei Mühe in der Kommunikation.

Wenn man mich nur mit einem „Hi“ oder „Hey“ anschreibt und schon an der Hürde scheitert, meine Fragen zu Vorlieben, Tabus etc. zu beantworten, ist das für mich ein Problem. Mangelnde Kommunikation ist einer der häufigsten Gründe, aus denen ich jemanden ablehne. Gerade im BDSM, aber auch generell in der Sexarbeit, ist sie unfassbar wichtig.

Rausschmeißen musste ich noch niemanden, da ich meine Gäste entsprechend auswähle und wir vorher viel kommunizieren. Wem das schon zu viel ist, der kommt im Zweifel gar nicht erst zu mir.

Wenn keine Stimmung aufkommt oder zu viel los ist

Welche Sicherheitsvorkehrungen triffst du, und wie verarbeitest du stressige Situationen?

Miss O.: Sicherheit beginnt für mich nicht erst, wenn jemand vor mir steht. Sie beginnt bei der Kommunikation im Vorfeld: Wie kommuniziert jemand? Sind die Absprachen klar? Werden meine Grenzen schon auf WhatsApp respektiert? Kommuniziert jemand klar seine eigenen Grenzen? Habe ich ein ungutes Gefühl, das ich nicht ignorieren möchte? Das ist eines meiner wichtigsten Werkzeuge.

Vor Ort ist es so, dass ich aktuell ausschließlich in Studios arbeite. Deshalb bin ich nie allein mit einem Gast und kann mich im Zweifel auf die Strukturen im Studio verlassen. Stressige Situationen entstehen eher dann, wenn ich vor Ort merke, dass zwischen mir und einem Gast gar keine Stimmung aufkommen will, oder einfach viel zu viel los ist.

Ich versuche auch nie, zu viele Termine hintereinander quasi „abzuarbeiten“. Natürlich kommen Sessions auch mal Schlag auf Schlag, aber generell versuche ich, keine „Fließbandarbeit“ zu machen, sondern meine Termine bewusst mit dem Gast zu planen, damit wir beide entsprechend Zeit und Ruhe haben.

Vieles davon bespreche ich mit Kolleginnen bei einem Kaffee, und das hilft immer sehr. Man ist nie die einzige Person, die eine bestimmte Situation schon einmal erlebt hat, und kann vom Rat anderer immer profitieren.

„Ich suche mir meine Sessions und mein Gegenüber sehr genau aus“

Empfindest du bei der Arbeit manchmal Ekel oder Langeweile?

Miss O.: Nein, ich mache zum einen nur, was mir selbst auch Spaß macht, und ich suche mir meine Sessions und mein Gegenüber sehr genau aus. Natürlich kann eine Arbeit anstrengend sein. Nicht jede Begegnung ist gleich interessant, und nicht jeder Mensch passt zu jeder anderen Person. Das gilt aber auch für andere Berufe. Niemand würde ernsthaft erwarten, dass eine Friseurin jeden Haarschnitt liebt, eine Künstlerin jede Auftragsarbeit inspirierend findet oder Warenverräumerinnen im Supermarkt nichts lieber tun, als frierend vor dem Kühlregal zu stehen und Käse und Butter einzusortieren.

Auch das habe ich schon beruflich gemacht und würde mich nie wieder darauf einlassen. Von anderen Berufen erwartet schließlich auch niemand, dass jede Aufgabe Spaß macht oder besonders inspirierend ist.

Und ja, es gibt bestimmte Praktiken, die messier sein können als andere. Aber der Körper reagiert nun mal, wie der Körper eben reagiert. Langeweile umgehe ich, indem ich mir meine Gäste und die entsprechenden Sessions genau aussuche. Solange ich meinen Gast sympathisch finde, empfinde ich auch keinen Ekel.

Erregt dich der Sex mit Freiern?

Miss O.: Zum einen biete ich ja keinen klassischen Sex an, und ich mag meine Gäste auch nicht als Freier bezeichnen – schon wieder so ein politisch aufgeladenes Wort.

Grundsätzlich hat die Arbeit natürlich mit Lust und Erregung zu tun, und ich bin durchaus ein sinnlicher Mensch. Aber meine Arbeit lässt sich nicht darauf reduzieren, ob ich bei einer bestimmten Handlung körperlich erregt werde. Zumal meine Arbeit auch nicht ausschließlich mit Sex zu tun hat, selbst wenn der Gesetzgeber sie so wahnsinnig gern darauf reduziert und moralisiert. Ich finde auch die Vorstellung problematisch, dass die Qualität dieses Berufs davon abhängt, ob die Person, die ihn ausübt, selbst erregt ist.

Als gäbe es nur dieses eine Gefühl, das man dabei empfinden kann. Und auch hier würde ich wieder infrage stellen, ob wir an anderen Berufen ähnliche Maßstäbe anlegen. Was ich aber in jedem Fall sagen kann: Ich habe Spaß an dieser Art von Arbeit. In jeder Hinsicht. Im BDSM geht es oft auch gar nicht unbedingt um Sex, viele Szenarien haben psychologische und soziale Aspekte, die darin verarbeitet werden.

„Männer kommen zu mir, um nicht mehr als Männer funktionieren zu müssen“

Welche Rollenspiele wünschen sich die Männer am häufigsten?

Miss O.: Meiner Erfahrung nach sind es weniger konkrete Rollenspiele, die Männer am häufigsten wünschen, sondern eher bestimmte Spielarten. Oder – und das sagt viel über unsere Gesellschaft und unser Verständnis von Männlichkeit aus – sie möchten sich fallen lassen, sich begehrt fühlen, sich hingeben können und auch einmal nicht ständig funktionieren müssen. Sie möchten weich sein dürfen.

Männer kommen vor allem zu mir, um eben nicht mehr als Männer funktionieren zu müssen. Und mehr Männer, als man denkt, entdecken, dass die Natur sich etwas dabei gedacht hat, als sie die Prostata an einer bestimmten Stelle versteckt hat.


Im dritten und letzten Teil zieht Miss O. Bilanz: Sie erzählt, aus welchen Verhältnissen ihre Gäste stammen und was Außenstehende über Sexarbeit wissen sollten. Außerdem geht es um den Preis.