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Kölner Sexarbeiterin packt ausMiss O. über Kunden – und ihre ungewöhnlichen Wünsche

Miss O. räumt im EXPRESS.de-Interview mit Mythen rund um die Prostitution auf.

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Miss O. räumt im EXPRESS.de-Interview mit Mythen rund um die Prostitution auf.

Vom Escort zur Bizarrlady: Die Kölner Sexarbeiterin Miss O. (45) spricht im EXPRESS.de-Interview ganz offen über ihren Job. Auch über verrückte und ungewöhnliche Kundenwünsche.

Köln und die Rotlichtszene. Aktuell sind 1171 Sexarbeiterinnen in Köln angemeldet, 17 Bordelle genehmigt. Acht Einträge liegen zudem unter dem Stichwort „Einzelhandel und Erotik“ vor. Das sind die nackten Zahlen der Stadt Köln.

Hinter diesen Zahlen stecken Menschen – wie Miss O. (45). Sie arbeitet unter anderem in Köln. Im EXPRESS.de-Interview spricht sie ganz offen über ihren Job und ihre Kundschaft. Zudem erklärt sie, warum sie nicht als „normale Prostituierte“ bezeichnet werden will. Hier Teil 1 des Interviews.

Miss O. (45): „Ich bin keine klassische Domina“

Was unterscheidet deine Arbeit von einer „normalen“ Prostituierten? Wie bezeichnest du dich und deine Arbeit?

Miss O.: Ich bevorzuge den Begriff Sexarbeit, wie viele andere meiner Kolleginnen und Kollegen auch – unter anderem, weil dieser Begriff selbst gewählt und dadurch wertschätzender ist. Prostitution ist ein gesellschaftlich und moralisch aufgeladener und vor allem gesetzlich stark regulierter Begriff.

Es gibt also auch keine „normalen Prostituierten“, sondern einfach eine Vielfalt an Sexarbeitenden, die verschiedenste Services auf verschiedenste Art und Weise anbieten. Ich bin keine klassische Domina. Grundsätzlich bezeichne ich mich als Domme beziehungsweise im deutschen Kontext als Bizarrlady.

In meiner Arbeit geht es oft um Machtumkehr, um das Zusammenspiel aus Schmerz und Lust, um Erniedrigung, ums Loslassen und Abtauchen, darum, sich selbst neu zu entdecken und die Kontrolle abzugeben. […] Ich halte die Vorstellung, dass manche Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter gesellschaftlich akzeptabler oder moralisch höherstehend seien als andere, für ziemlich absurd.

Vor über zehn Jahren einmal als Escort versucht

Wo bietest du deine Sexarbeit an? Wo können Kunden dich treffen?

Miss O.: Ich arbeite in verschiedenen Städten. Mein Hauptstudio ist in Köln, aber ich bin auch regelmäßig in Duisburg und immer mal wieder in Berlin anzutreffen.

Wie und wann bist du zur Sexarbeit gekommen?

Miss O.: Ich habe mich vor über zehn Jahren einmal als Escort versucht und bin damals bei einer tollen kleinen Agentur untergekommen. Trotz vieler toller Gäste musste ich allerdings feststellen, dass die Girlfriend Experience ganz und gar nicht meinen persönlichen Vorlieben entspricht. Dann bin ich über eine Freundin zum BDSM gekommen und habe mir gedacht: Vielleicht muss ich es doch noch einmal versuchen.

(Die Abkürzung BDSM steht für Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism. Unter BDSM versteht man also in der modernen Sexualität eine Sammlung aller Fetischpraktiken, Anm. der Redaktion.)

Wie trennst du deinen Beruf von deinem Privatleben?

Miss O.: Letztlich so wie (hoffentlich) jeder andere Mensch auch. Ich versuche, meine Handyzeit zu reduzieren. Ich habe Feierabend, Wochenende und Freizeit wie jeder andere auch. Ich habe meine Grenzen, meine Zeit und mein eigenes Leben. Dazu gehört auch, dass ich nicht ständig erreichbar bin.

Auch getrennte Kontaktmöglichkeiten helfen dabei: eine eigene geschäftliche Telefonnummer, ein separates Handy oder eine eigene E-Mail-Adresse. Das ist keine Besonderheit der Sexarbeit – schließlich nutzen auch viele andere Menschen ein Diensthandy, statt berufliche Anrufe über ihr privates Telefon abzuwickeln.

Dabei behalte ich immer im Kopf, was ein Gast einmal zu mir sagte: „Verfalle nie der Versuchung, auf Biegen und Brechen einen Termin möglich zu machen.“ Wenn ich Feierabend habe, habe ich Feierabend.

Ausgefallene Spielarten – einer wollte, dass wir gemeinsam Brot missbrauchen

Was bietest du an – was war dein verrücktester oder ungewöhnlichster Kundenwunsch?

Miss O.: Ich bin relativ breit aufgestellt, weil mich vor allem die Reaktionen meines Gegenübers interessieren. […] Zu meinen Schwerpunkten gehören Femdom, Nippelspiele oder anale Spiele, CBT (Cock and Ball Torture) und jegliches Impact Play. Ich biete außerdem Feminisierung und entsprechende Rollenspiele an.

Was ich ganz besonders mag und was zu den etwas ausgefalleneren Spielarten gehört, sind Kitzelfetischisten und Menschen, die auf sogenanntes Sploshing stehen. Im weitesten Sinne sind das Spiele mit Lebensmitteln, zum Beispiel Marshmallowcreme.

Mein All-Time-Favorite bleibt aber immer noch der US-amerikanische Missionar und Prediger, der zu mir kam, um seine Beichte vor mir abzulegen und sich, in seinen eigenen Worten, nackt zu meinen Füßen aufzulösen. Zumindest für eine Weile. Ich werde auch recht häufig für bestimmte Raceplay Szenarien gebucht und ich mag die Spannung, die entsteht, wenn sich die gewohnten Machtverhältnisse plötzlich umkehren. Typisch sind Konstellationen wie Herrin und Sklavin, Lehrerin und Schüler oder Wärterin und Gefangener.

Eine Begegnung, zu der es leider nie kam, die mir aber immer im Kopf bleiben wird, war die Anfrage eines Menschen aus einem von Krieg und Hunger geprägten Land, der wollte, dass wir gemeinsam Brot missbrauchen. Ein grundlegendes Nahrungsmittel, das hier im Überfluss vorkommt und weggeworfen wird, während in seinem Herkunftsland Menschen hungern.

Ich möchte an dieser Stelle aber nicht zu sehr ins Detail gehen, da mir die Privatsphäre meiner Gäste wichtig ist. Ebenso wichtig ist mir ein respektvoller Umgang mit ihren Wünschen. Sie sollten weder lächerlich gemacht noch zur reinen Unterhaltung ausgeschlachtet werden.


In Teil zwei beantwortet Miss O. unter anderem die Frage, ob sie schon mal einen Gast abgelehnt oder rausgeschmissen hat, und welche Sicherheitsvorkehrungen sie bei der Arbeit trifft.