Corona-Frust pur „Das ist ein Skandal”: Kölner Professor geht auf Politiker los

DrIngoFroboese

Dr. Ingo Froböse, hier ein Foto aus dem Jahr 2019, hat für die Entscheidungen der Politiker im Bezug auf Sport kein Verständnis.

Köln – Die Wahrheit über Corona: Es gibt kaum eine Branche, die derzeit nicht von der Pandemie dominiert und eingeschränkt wird. Doch während andere Branchen zumindest gemeinsam im Boot sitzen, wurde im Sport eine paradoxe Situation geschaffen: Die Profis, etwa die Fußball-Bundesliga oder die Handball-WM 2021, dürfen spielen, Amateure nicht einmal gemeinsam joggen gehen.

  • Kölner Sporthochschul-Professor Dr. Ingo Froböse kritisiert Politik
  • Corona-Entscheidungen im Sport für Froböse nicht nachvollziehbar
  • Auch in Sachen Gesundheit ergeben sich einige Probleme

Dr. Ingo Froböse: Kölner Professor kann Sport-Entscheidungen nicht verstehen

Eine Lage, die für Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln nicht nachvollziehbar ist. „Das ist die Strategie Brot und Spiele, wie im alten Rom. Schauen dürft ihr, aber nicht selbst spielen”, ärgert sich Froböse in einem Interview mit ispo.com. „Dabei ist doch zum Beispiel die Handball-WM mit den ganzen Corona-Fällen eine echte Farce.”

Noch schlimmer für den Kölner Sportwissenschaftler: Über die Wertigkeit des Sports für die Gesundheit werde momentan überhaupt nicht geredet. Dabei sei Sport ganz entscheidend für die Gesundheit und die Psyche der Menschen, jetzt und in der Zukunft.

Corona im Sport: Dr. Ingo Froböse befürchtet Schlimmes

„Ich finde es dramatisch, was gerade passiert. Im letzten Jahr waren es schon drei Monate, in denen Sport und Bewegung weitgehend eingeschränkt wurden,. Jetzt sind es seit dem 2. November schon wieder bald vier Monate und ein Ende ist nicht abzusehen. Wir produzieren die Kranken der Zukunft und provozieren Entwicklungsdefizite bei Kindern”, so Froböse.

HandballWM_SpanienDaenemark

Die Handball-WM, hier das Halbfinale Spanien (in rot) gegen Dänemark am Freitag (29. Januar), ist für Dr. Ingo Froböse eine „Farce”.

Statt einer differenzierten Sichtweise in der Sportbranche sei großflächig alles dicht gemacht worden. Dabei hätte es durchaus Möglichkeiten gegeben, findet der SpoHo-Professor: „Warum ist es nicht möglich, Tennis in der Halle ohne jeden Körperkontakt zu spielen, wenn nur jeder zweite Platz besetzt und Duschen geschlossen werden? Warum kann man im Fußball nicht Trainingsformen ohne Körperkontakt nutzen, um Technik und Taktik zu schulen? Warum darf Reiten nicht stattfinden?” Auch die Fitnessstudios hätten ihre Hausaufgaben in Sachen Infektionsschutz gemacht.

DSHS Köln: Professor greift die Politik wegen Corona-Plan an

Die Folgen dieser Entscheidungen für die Menschen seien dramatisch. Froböse selbst hat mehrere Gutachten zum Thema „Gewichtszunahme in der Pandemie” erstellt, man gehe je nach Stadt von drei bis vier Kilogramm pro Person im Schnitt aus.

Auch die Entwicklung von kleinen Kindern sieht der Experte in Gefahr, ebenso die Psyche vieler Menschen, die den Sport als Stressventil benötigen.

Sollten Sport-Experten in die Diskussion eingebunden werden?

Wird die Diskussion im Sport zu wenig von Sport-Experten begleitet, dafür zu viel von Virologen? Froböse jedenfalls sieht es so: „Momentan wird alles von einer kleinen Gruppe von Virologen und Intensivmedizinern dominiert. Der Deutsche Olympische Sportbund spielt in der Diskussion dagegen keine Rolle, genau wie wir Experten für Sport und Prävention. Das ist ein Skandal! Aber man braucht sich darüber nicht zu wundern: Politiker wie Scholz, Altmaier oder Lauterbach haben keinen richtigen Bezug zum Sport.” (tw)

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.