Der Preis für Anwohnerparkausweise ist explodiert, von 30 auf bis zu 120 Euro im Jahr. Und die Kölner und Kölnerinnen reagieren knallhart. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.
Preis-SchockAnwohnerparkausweis: Stadt Köln sieht „vielfältige Gründe“ für Rückgang

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Parken mit Anwohnerparkausweis im Belgischen Viertel. (Archivfoto)
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In Köln ist die Zahl der Anwohnerparkausweise regelrecht abgestürzt. Ein sattes Minus von 16,5 Prozent innerhalb eines Jahres! Grund dafür sind die neuen, saftigen Preise, die sich nach der Autogröße richten.
Konkret: Die Menge der Ausweise fiel von 58.425 am 1. März des Vorjahres auf nur noch 48.765. Das sind 9.660 Parkgenehmigungen weniger auf den Straßen, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet.
Kosten für Bewohnerparkausweis deutlich gestiegen
Wer heute einen Bewohnerparkausweis will, muss tief in die Tasche greifen. Je nach Fahrzeuggröße werden 100, 110 oder sogar 120 Euro pro Jahr fällig. Kaum zu glauben: Jahrelang lag der Preis bei schlappen 30 Euro jährlich.
Durchgeboxt hat diese saftige Preiserhöhung der Stadtrat. Die Initiative kam vom damaligen Mehrheitsbündnis, bestehend aus Grünen, CDU und Volt, die das Ganze mit ihrer Stimmenmehrheit entschieden haben.
Ein Jahr später zieht die Stadtverwaltung ein positives Fazit. Sie meint: „Die Zahlen belegen: Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer reagieren auf Preissignale. Die Gebührenordnung ist somit ein wirksamer Baustein unserer integrierten Mobilitätsplanung. Flankierend zum Ausbau von Alternativen setzt sie den notwendigen Anreiz zum Umdenken und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Mobilitätswende.“
Hier gibt's die wichtigsten Antworten auf die drängendsten Fragen.
Wie funktioniert das Anwohnerparken?
Köln hat 47 spezielle Anwohnerparkgebiete. Man erkennt sie an einem roten Punkt auf den Parkscheinautomaten. Wer einen Ausweis besitzt, kann in diesen Bereichen gratis sein Auto abstellen. Früher kostete das Vergnügen nur die 30 Euro Jahresgebühr, die als reine Verwaltungsgebühr galt.
Seit dem Jahr 2022 haben die Kommunen in NRW freie Hand, höhere Preise festzulegen. Den Ausweis mit dem roten Punkt platzieren die Besitzer meist hinter der Frontscheibe. Für sie entfällt auch die Höchstparkdauer. Zum Ende des Jahres 2023 kursierten ungefähr 59.500 solcher Genehmigungen. Dem gegenüber stehen 50.400 Parkplätze in den 47 Zonen.
Waren es nicht auch mal pauschal 100 Euro jährlich?
Stimmt genau. Es gab eine Phase vom 1. Oktober 2024 bis zum 28. Februar 2025, in der pauschal 100 Euro fällig wurden, egal wie lang das Auto war. Der Grund: Das damalige Mehrheitsbündnis wollte die Preise eigentlich noch drastischer anheben und an die Autolänge binden. Aber die Verwaltung gab zu, mehr Vorlaufzeit für die technische Umstellung zu benötigen. Für diese 151 Tage galt daher eine Sonderregel: Wer einen Ausweis beantragte, zahlte 100 Euro für ein ganzes Jahr oder 65 Euro für sechs Monate.
Am 1. Oktober 2024 waren sogar noch 61.715 Genehmigungen im Umlauf. Das bedeutet: Seit der Preis für den Bewohnerparkausweis von 30 auf mindestens 100 Euro kletterte, ist die Anzahl in nur 17 Monaten um 21 Prozent (ein gutes Fünftel) auf 48.765 eingebrochen.
Noch höhere Gebühren? Was war geplant?
Die ursprünglichen Pläne waren noch krasser: Man dachte über jährliche Kosten von 330, 360 und 390 Euro nach, abhängig von der Autogröße. Für Besitzer eines Köln-Passes sollte es einen Rabatt geben, mit Tarifen von 105, 112 oder 120 Euro, je nach Fahrzeug. Den Köln-Pass bekommen zum Beispiel Leute, die Grundsicherung erhalten.
Aber dann kam der Dämpfer: Das Bundesverwaltungsgericht kippte die Regelung in Freiburg. Der Grund war unter anderem, dass „für die Ermäßigung und den Erlass der Gebühren aus sozialen Gründen eine Rechtsgrundlage“ fehle.

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Die Grafik zeigt die aktuell gültigen Tarife für das Anwohnerparken in Köln.
Weil die Kölner Pläne den Freiburger sehr ähnelten, zog die Stadt die Notbremse und kassierte ihre Vorhaben wieder ein. Das Ergebnis: Bis heute gibt es keinen Rabatt für Inhaber des Köln-Passes, weder bei der 100-Euro-Pauschale noch bei den aktuellen Tarifen. Daraufhin schlug die Stadtverwaltung die jetzigen Kosten von maximal 120 Euro pro Jahr vor.
Welche Rolle spielt die Fahrzeuglänge konkret für die Höhe der Gebühr?
Für kleinere Autos bis 4,109 Meter Länge werden 100 Euro im Jahr fällig; das betrifft etwa 27 Prozent aller Fahrzeuge. Richtig teuer wird es für große Schlitten zwischen 4,710 und 5,6 Metern: Hier kostet der Ausweis 120 Euro jährlich (ca. 20 Prozent). Die große Mehrheit der Kölner Autos (rund 53 Prozent) liegt dazwischen und zahlt somit 110 Euro pro Jahr.
Was ist mit Autos, die länger sind?
Laut Stadtverwaltung kann man auch für größere Fahrzeuge wie Kleinbusse (bis zu acht Sitze plus Fahrer) einen Bewohnerparkausweis bekommen. Anders sieht die Sache bei Wohnmobilen aus, die immer beliebter werden: Hier wird jeder Fall einzeln geprüft. Die Stadt stellt klar: „Voraussetzung ist, dass Ihnen kein anderes Fahrzeug zur Verfügung steht. Dazu gehören auch Dienst- oder Firmenfahrzeuge“.
Warum verzichten so viele Kölner und Kölnerinnen auf einen Anwohnerparkausweis?
Die Stadt nennt „vielfältige Gründe“ und erklärt: „Dieser Rückgang belegt deutlich, dass der tatsächliche Parkraumbedarf im öffentlichen Raum geringer ist, als es die Zahlen aus den Vorjahren vermuten ließen. Es zeigt sich ein wertvoller Spielraum für eine menschen- und umweltgerechtere Gestaltung der Quartiere.“
Ein Fallbeispiel ist Tamara R. aus Köln (Name von der Redaktion geändert). Sie besaß vor der Preiserhöhung sowohl einen Stellplatz in einer Tiefgarage als auch einen Bewohnerparkausweis. Wenn Besuch kam, parkte Tamara R. ihren Wagen einfach im Anwohnergebiet, während die Gäste die Garage nutzten. Die 30 Euro pro Jahr fand sie nach eigenen Worten noch in Ordnung. Aber als der Preis auf 100 Euro sprang, war Schluss – sie verlängerte den Ausweis nicht mehr, weil er ihr zu kostspielig wurde. Dieses Beispiel macht aber auch klar: Ein Auto weniger gibt es dadurch nicht.
Gibt es Ausnahmen für den Ausweis?
Ja, aber die sind ebenfalls nicht umsonst. Geschäftsleute benötigen keinen Bewohnerparkausweis. Stattdessen können sie eine Sondergenehmigung beantragen, die für das gesamte Stadtgebiet gilt. Der Spaß kostet dann aber mindestens 170 Euro pro Jahr.
Wie viel Geld nimmt die Stadt durch die höheren Gebühren ein?
Zuerst hatte die Stadt mit Einnahmen von 5,3 Millionen Euro gerechnet. Aber seit die gestaffelten Preise gelten, spülen sie sogar 6,4 Millionen Euro in die Kasse. Wenn man die Übergangsphase mit der 100-Euro-Pauschale dazurechnet, kommt man sogar auf satte 8 Millionen Euro.
Warum ist in Bonn die Reduzierung für Bonn-Pass-Inhaber möglich und Köln nicht?
In Bonn ist man überzeugt, dass das eigene Modell vor Gericht standhält. Dort zahlen Inhaber eines Bonn-Passes nur 90 Euro statt der vollen 360 Euro im Jahr. Die Kölner Stadtverwaltung hingegen teilte mit, es existiere „nach wie vor keine rechtliche Möglichkeit für einen aus sozialen Gründen abgesenkten Tarif“. Man werde die Debatte auf Bundesebene „intensiv verfolgen“. (red)
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