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Handy-Verbot, Soundbrei, 90-Minuten-SetPlacebo feiert trostlose Geburtstagsparty in Köln

Placebo beim Konzert in der Lanxess-Arena in Köln.

Copyright: Arton Krasniqi

Placebo-Frontmann Brian Molko beim Auftritt zum 30. Geburtstag in der Lanxess-Arena.

Die Band Placebo feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Auf der Geburtstagstour werden daher nur Songs aus den Anfangsjahren gespielt. Stimmung will dabei nicht aufkommen.

Dass Künstler zu einem Jubiläum gerne etwas Besonderes auf die Beine stellen, ist oft gelebte Praxis. Erst vor einer Woche spielte Stevie Wonder (76) in Köln sein vor 50 Jahren erschienenes Meisterwerk „Songs in the Key of Life“ komplett und verzichtete dafür auf einige Hits.

Auch die britischen Alternative-Rocker von Placebo haben was zu feiern. Vor 30 Jahren ging der Stern der Band um Frontmann Brian Molko (53) auf. Die Geburtstagstour, die am Montagabend (2. November 2026) in der Lanxess-Arena Station machte, widmet sich deshalb den Anfängen.

Placebo spielt zum Jubiläum nur die beiden ersten Alben

„The past is present“ (die Vergangenheit ist gegenwärtig) verkündet die Leinwand zu Beginn. Ein Countdown von 2026 bis 1996, der Bilder und Videos aus der Karriere der Band zeigt, lässt drei Jahrzehnte Placebo über die Leinwand ziehen.

Der Klassiker „Pure Morning“ eröffnet schließlich einen Ritt durch die Anfangsjahre. Bis auf zwei Ausnahmen kommen ausschließlich Songs der ersten beiden Alben „Placebo“ und „Without You I’m Nothing“ zum Zug. Doch eine Geburtstagsparty will anschließend nicht wirklich starten.

Molko möchte bei seinen Konzerten keine Handys im Publikum sehen. „Es ist schwierig, eine Verbindung aufzubauen und eine gemeinschaftliche Erfahrung zu schaffen. Helft uns dabei – mit Respekt und Liebe“, heißt es noch vor dem Start. Die Menge quittiert es mit Applaus.

Mehrmals wiederholt der Frontmann jedoch die Bitte, nicht zu filmen, „denn 1996 hatten wir keine verdammten Smartphones“. Es sei das schönste Geschenk zum Geburtstag, wenn keine Displays zu sehen seien. Die erhoffte Verbindung zwischen Künstler und Fans entsteht dennoch nicht.

Placebo beim Konzert in der Lanxess-Arena in Köln.

Copyright: Arton Krasniqi

Placebo-Bassist Stefan Olsdal beim Konzert in Köln.

Die 10.000 Fans halten sich überwiegend daran. Wer doch mal kurz einen Erinnerungsschnipsel aufnehmen will, wird von den Ordnern aus dem Bühnengraben mit einer grellen Taschenlampe geblendet. Ganz so schlimm wie in Hamburg, als sogar ein Fan aus der Halle geworfen wurde, ist es zwar nicht. Vielleicht liegt es aber auch an dieser strengen Haltung, dass die Mehrheit die Songs relativ teilnahmslos über sich ergehen lässt.

Molko (mit „Stunt-Girl“-T-Shirt) und Bassist Stefan Olsdal (in Latexweste) spielen die Titel routiniert und unambitioniert runter. Die restliche Band versinkt im hinteren Bühnenbereich im Gegenlicht. Die düstere Inszenierung passt zwar gut zur melancholischen Atmosphäre der Placebo-Songs. Doch da wohl auch der Tontechniker der Gruppe an diesem Montagabend nur Dienst nach Vorschrift macht, versinkt der Auftritt im Klangbrei.

Fans von Placebo in der Lanxess-Arena in Köln.

Copyright: Arton Krasniqi

Die eingefleischten Placebo-Fans hatten sich für das Konzert richtig herausgeputzt.

Erst die neue Single „Helen Keller“, die auf dem 1996er-Hidden-Track „H.K. Farewell“ basiert, reißt die Menge etwas aus der Lethargie. Olsdal klettert sogar von der Bühne herunter zum Volk und lässt sich in den ersten Reihen feiern. Beim Hit „Every You Every Me“ kommt richtig Stimmung auf.

Doch nach Kate Bushs „Running Up That Hill“ ist nach exakt anderthalb Stunden und nur 17 Titeln auch schon wieder Schluss. Drei Jahrzehnte Bandgeschichte haben offenbar Spuren hinterlassen. Molkos nasale und androgyne Stimme sitzt zwar immer noch. Energie und Intensität der Briten sind jedoch verloren gegangen.