Panzer und Stalingrad-SpruchNeue Optik am Ebertplatz in Köln sorgt für irritierte Blicke

Panzer-Nachbau steht hinter Glas am Ebertplatz in Köln.

Das Panzer-Modell eines Leopard II ist am Ebertplatz zu sehen. Das Foto wurde am 27. Januar 2023 aufgenommen.

Ein Panzer aus Pappe hinter Glas, dazu zwei Schriftzüge. Eine neue Kunstinstallation am Ebertplatz fällt auf.

Ein Nachbau eines Leopard-II-Panzers sorgt seit einer Woche am Ebertplatz für Aufsehen und Verwunderung. Die Papp-Installation in betont kitschiger Postkarten-Winterlandschaft steht hinter einer Glasscheibe vor den Aufgängen zur Neusser Straße und Sudermannstraße.

Auf einer der Scheiben steht „Stalingrad. Ein Wintermärchen“ geschrieben, auf der anderen ein Zitat der Band „Böhse Onkelz“. Das Kanonenrohr ist auf die Scheibe gerichtet, also auch direkt auf Passantinnen und Passanten.

Panzer am Ebertplatz in Köln sehr auffällig: Was steckt dahinter?

Für Kurator Julian Volz hat die Installation „keine eindeutige Aussage“, sie wolle lediglich „Fragen aufwerfen“, wie er im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ erklärt. Dass die erste Assoziation vieler Menschen eine Verbindung zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und die aktuelle Panzer-Debatte zieht, ist nachvollziehbar – von den Macherinnen und Machern aber nicht unbedingt gewollt.

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„Es ist keine politische Demonstration. Es geht vielmehr darum, zu versuchen, wie ein Meme im Stadtraum wirken kann“, sagt Volz. Memes sind Bilder oder Kurzvideos mit einer kurzen Textbotschaft, die üblicherweise auf Social-Media-Kanälen geteilt werden.

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Diese Memes „ins Dreidimensionale zu überführen“ sei das Experiment dieser Installation, sagt Valerie Buchow, eine der beteiligten Künstlerinnen.

Der Papp-Panzer sei etwas kleiner als das Original von Krauss-Maffei-Wegmann, damit es überhaupt unter die Decke passe. Der Aufbau habe vor Ort eine Woche gedauert. Zuerst sei mit Holzlatten ein Gerüst geformt worden, das dann mit Pappe umbaut worden sei. „Wir hatten eine Säge und eine Schneidestation vor Ort“, berichtet Buchow.

Die bewusst kitschig gehaltene Tapete im Hintergrund solle auf Männlichkeitsideale in rechten Subkulturen anspielen, sagt Volz. Der Schriftzug „Stalingrad. Ein Wintermärchen“ sei eine Anspielung auf Heinrich Heines satirisches Versepos „Deutschland. Ein Wintermärchen“.

Die Niederlage der Wehrmacht in Stalingrad und der Tod von hunderttausenden Soldaten seien von den Nazis benutzt worden, um noch weiter für den Krieg zu mobilisieren. Dabei könne Krieg durch nichts verherrlicht werden. Die Installation ist noch etwa drei Wochen zu sehen, sie steht noch bis Karnevalssamstag (18. Februar) am Ebertplatz.