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Mord in Kölner KlinikTodesdrama um Beatmungsschlauch – keine Haft?

Ein Patient, der im künstlichen Koma liegt und beatmet wird, liegt in einem Bett.

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Das Opfer lag im künstlichen Koma (Symbolfoto), als der Beschuldigte den Beatmungsschlauch rausgerissen haben soll. 

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Was in einer Kölner Klinik geschah, ist ein Albtraum. Ein Mann soll auf der Intensivstation zum Mörder geworden sein.

Ein 32-jähriger Mann wird mit einer heftigen Alkoholvergiftung ins Heilig-Geist-Krankenhaus in Longerich eingeliefert. Doch auf der Intensivstation wird der Chemielaborant laut Anklage zum Mörder. Er soll seinem sedierten Zimmernachbarn den Atemschlauch entrissen und so sein Leben beendet haben.

Seit Donnerstag (16. April 2026) steht der Beschuldigte vor dem Kölner Landgericht. Doch eine Gefängnisstrafe wird es wohl nicht geben: Wegen festgestellter Schuldunfähigkeit kommt stattdessen die Einweisung in eine Entzugsklinik oder die Psychiatrie infrage.

Köln: Delirium mit tödlichen Folgen auf der Intensivstation?

Nach seiner Aufnahme im Krankenhaus entwickelte der Mann laut Ermittlungsergebnissen ein Alkoholdelirium mit massiven Entzugserscheinungen. Die Anzeichen dafür sind oft extreme Verwirrtheit, Wahnvorstellungen, Zittern und Schweißattacken.

Er teilte sich auf der Intensivstation ein Zimmer mit einem 75-jährigen Krebspatienten, der im künstlichen Koma lag und maschinell beatmet wurde. In der schrecklichen Nacht im vergangenen November soll der Angeklagte seinem Bettnachbarn dann den Atemschlauch sowie einen Dichtungsring entfernt haben.

Obwohl sofort Rettungsversuche unternommen wurden, starb der ältere Herr kurz nach dem Angriff. „Wir haben eine neue Trachealkanüle platziert, aber das hat nicht funktioniert, es gab kein Atemgeräusch“, schilderte die damalige Stationsärztin als Zeugin. Auch das Einführen eines Tubus über den Mund blieb ohne Erfolg.

Der Sauerstoffgehalt im Blut des Krebspatienten sank stetig, bis eine Reanimation nötig wurde. „Die Luft ging leider nicht in die Lunge, sondern nur ins Gewebe“, erläuterte die Ärztin. Daraufhin habe man die Wiederbelebungsmaßnahmen beendet.

Köln: Pflegerin bricht im Zeugenstand in Tränen aus

Im Gerichtssaal beschrieb eine Krankenschwester, wie sich das Drama zutrug. Der Angeklagte sei ihr schon bei der Aufnahme negativ aufgefallen, als er ihr ein „halt die Fresse“ zurief, weil er das Krankenhaus sofort wieder verlassen wollte. „Ich bin seit sechs Jahren Pflegekraft, sowas schockt mich nicht mehr“, sagte sie aus. In den folgenden Tagen habe sich der Patient jedoch unauffällig verhalten. „Er hat mir von seinen Hobbys und seinem Hund erzählt“, berichtete die Pflegerin. Als sie dann die schrecklichen Ereignisse der Tatnacht schilderte, kamen ihr die Tränen.

Der Beschuldigte mit seinem Verteidiger Markus Haupt beim Prozessauftakt im Kölner Landgericht

Copyright: Hendrik Pusch

Der Beschuldigte mit seinem Verteidiger Markus Haupt beim Prozessauftakt am Donnerstag (16. April 2026) im Kölner Landgericht

Am Vorabend habe der 32-Jährige geklingelt und nach Medikamenten gegen den Entzug verlangt. Kurz nach 0 Uhr habe er dann wieder den Alarmknopf gedrückt. „Dann saß er da schon nackt an der Bettkante“, gab die Zeugin zu Protokoll. Ihre Aufforderung „Legen Sie sich doch bitte hin“ habe er ignoriert. Stattdessen habe der Patient auf einmal laut aufgeschrien und sei auf die Krankenschwester losgegangen. „Ich habe mich erschrocken, selbst laut geschrien und bin aus dem Zimmer geflüchtet“, beschrieb die Zeugin die Situation. Beim Hinauslaufen habe sie noch ein klirrendes Geräusch gehört. Danach sei der 32-Jährige in den Gang gelaufen.

Köln: Verteidiger nennt Vorfall eine „tragische Geschichte“

Der Angeklagte soll außerdem versucht haben, in ein weiteres Patientenzimmer zu gelangen. Sicherheitspersonal half dabei, den Mann zu beruhigen und ihn zurück in sein Zimmer zu bringen. Erst dort bemerkten die Pflegekräfte und Ärzte den fehlenden Atemschlauch bei seinem Zimmernachbarn. Der Richter Achim Hengstenberg wollte wissen, ob vielleicht ein anderer Patient unbemerkt den Raum betreten haben könnte. Die Zeugin schloss das aus. Ein Alarm wäre ausgelöst worden, hätten sich Patienten von den Überwachungsmonitoren entfernt.

Anschließend wurde der Beschuldigte erst in die Uniklinik gebracht und später in der LVR-Klinik Bedburg-Hau, einer Einrichtung für psychische und neurologische Erkrankungen, untergebracht. Dort wartet er nun auf das Ergebnis des Prozesses. Sein Anwalt Markus Haupt nannte die Ereignisse in Longerich auf Anfrage unserer Redaktion eine „sehr tragische Geschichte, natürlich für das Opfer, aber auch für meinen Mandanten“. Für den 32-jährigen Angeklagten gehe es nun darum, einen Weg zu finden, seine massive Alkoholsucht zu bekämpfen.

Köln: Absturz durch Mobbing und Depressionen

Über sein Leben erzählte der Angeklagte, dass er eine Zeit lang als Fitnesstrainer tätig war, bis starke Rückenschmerzen seine sportliche Laufbahn beendeten. Daraus hätten sich bei ihm Depressionen entwickelt. Ein Studium der Geophysik brach er ab und machte stattdessen eine Ausbildung zum Chemielaboranten. An seinem Arbeitsplatz sei er von einem Vorgesetzten gemobbt worden. Daraufhin ließ er sich krankschreiben und trank zunehmend mehr Alkohol – am Ende bis zu einem Liter Spirituosen täglich. Er sei bereits mehrfach wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus gewesen.

Das Landgericht in Köln hat nun zu urteilen, ob der Angeklagte weiter in der Entzugsklinik bleiben muss – eine Maßnahme, die auf zwei Jahre begrenzt ist. Eine vom Gericht beauftragte psychiatrische Sachverständige begleitet den Prozess. Sollte sie feststellen, dass der Mann an einer ernsten psychischen Erkrankung leidet, droht ihm die unbefristete Einweisung in die forensische Psychiatrie. Aus dieser werden Patienten erst entlassen, wenn Ärzte sie nicht länger als gefährlich für die Gesellschaft ansehen. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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