Ach, die war das? Vor 20 Jahren: Kölner Komikerin bringt berühmtes Lied auf den Markt

MirjaBoes

Ob sie hier die „20 Zentimeter” zeigt? Mirja Boes, hier ein Foto aus dem Jahr 2017, machte vor 20 Jahren am Ballermann Karriere.

Köln – Pünktlich zu Ostern feiert der schlüpfrige Feten-Hit „20 Zentimeter“ von Möhre alias Mirja Boes (49) Jubiläum: Seit 20 Jahren grölt das Partyvolk die neckischen Tiraden einer Frau, die sich über den zu kurz gekommenen Peter lustig macht. Wie passt das in die aktuelle Geschlechterdebatte und gendergerechte Sprache? Boes gibt Antworten.

  • Mirja Boes schrieb vor 20 Jahren Hit „20 Zentimeter”
  • Viele wissen nicht, dass der Song von der Kölnerin ist
  • Boes hält den Text für gendergerecht

EXPRESS: Glückwunsch! Der berühmte „20 Zentimeter“-Song wird in diesen Tagen 20 Jahre alt. Wird das gefeiert?

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Ja, damals ist der Song vor 20 Jahren in die erste Ballermann-Saison gegangen, das wäre jetzt um diese Zeit gewesen. Wie gefeiert wird - das weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich irgendwann mit einem Riesen-Festakt. Auf Mallorca. Obwohl: Bei manchen Festen spielt einem Corona in die Karten, dass man sie nicht feiern muss. Ich hatte den Song auch in mein letztes Bühnenprogramm mitgenommen. Als Spaßnummer, meine Band hat ihn dann als Elvis Presley- oder Pavarotti-Song gesungen. Da gab es viele erstaunte Gesichter, dass der Song von mir und nicht von irgendeiner „Möhre“ ist – und das fand ich lustig. Das zeigt, dass ich mich gepellt habe und woanders weiterlaufe.

Könnte man solch einen Song heute überhaupt noch singen, mit diesen sexuellen Anspielungen?

Ja, es ist einfache, schnelle Unterhaltung. Es ist ja auch ein männerfeindlicher Song. Und von daher – das geht! Das ist ja noch möglich. Mein Lieblingswitz kommt auch immer noch gut: ,Was macht die Frau, wenn der Mann im Zickzack durch den Garten läuft? Weiterschießen!' Aber irgendwann hört das sicher auch auf, Männer auf die Schippe zu nehmen.

Sind wir alle im Gender-Wahn?

Ich war neulich eingeladen, als Gästin. Und da habe ich eingangs des Gesprächs gesagt: Darf ich nicht einfach euer Gast sein? Ist das nicht in Ordnung? Ich bin manchmal von dieser Sprachbeugung echt genervt. Weil ich jemand bin, der schnell denkt und schnell redet.

Mirja Boes: Genervt von Gender-Sternchen

Wenn erstmal alle Sternchen bei der Begrüßung abgefrühstückt werden müssen, denke ich: Ich bin doch da! Sprich einfach mit mir! Vor mir aus kann man auch »Liebe Kölnernde« statt »Liebe Kölnerinnen und Kölner« sagen. Ich habe das Gefühl, dass das große Ganze aus den Augen verloren geht, weil man sich im Details verliert. Es wird ganz viel an der Sprache kaputt gemacht – und an einigen Stellen wird es absurd.

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Frauen in einer Begrüßung nicht anzusprechen, ist aber auch wieder falsch…

Ich persönlich finde nicht, dass eine Gleichberechtigung vom großen »Innen« abhängt. Es wird aber noch irrer. Neulich war ich bei einer Comedy-Sendung in der Aufzeichnung, wo nur Frauen zu Gast waren. Bei der Probe sagte der Moderator: »Ich freue mich, so ein schöner Abend. Heute Abend haben wir nur Frauen hier.« Während ich dachte: Ach, dieser freundliche Moderator freut sich einfach nur, dass wir heute da sind, regten sich zwei Frauen auf: »Oh, jetzt werden wir stigmatisiert! Warum ist das denn etwas Besonderes, dass nur Frauen hier sind?«

Das ist ein Tanz auf dem Vulkan, was da gerade passiert. Irgendwann sind wir alle geschlechtslos, weil wir gar nicht mehr verifizieren können: Ist es ein Weibchen oder ein Männchen? Ich habe neulich einen lustigen Satz gelesen: Ein Kater ist immer noch eine Katze. Es kommt also immer auf die Betrachtungsweise an.

Teil 2 des großen Interview mit Mirja Boes folgt in den
nächsten Tagen.

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