Corona-Brief aus der JVA Kölner „Tatort“-Dreh empört Häftlinge – gelten andere Regeln?

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Besuch im Gefängnis: Eine Glasscheibe trennt Besucher und Insassen voneinander. Das Foto wurde im Juni 2020 in einem Gefängnis in Rheinland-Pfalz aufgenommen.

Köln/Remscheid – Es sind verurteilte Mörder, Diebe, Betrüger oder andere Verbrecher, die sich ungerecht behandelt fühlen. Insassen von Gefängnissen in Nordrhein-Westfalen wie der JVA Ossendorf in Köln dürfen derzeit aufgrund des Coronavirus keinen physischen Kontakt zu Besuchern haben. Da sich aber „draußen“ aktuell mehrere Personen treffen dürfen, fordern die Häftlinge das auch für sich und ihre Familien.

In einem Brief an den EXPRESS heißt es aus dem Gefängnis: „Wir wollen unsere Kinder wieder in den Arm nehmen.“

Corona-Revolte in der JVA? Eine Gruppe von Häftlingen aus Remscheid fordert, dass die aktuellen Coronaregeln auch für sie gelten sollen. Denn in den Justizvollzugsanstalten herrschen andere Regeln in Bezug auf das Coronavirus.

So dürfen sich aktuell laut der Coronaschutzverordnung des Landes NRW maximal zehn Personen aus zwei Haushalten treffen. Im Gefängnis, so auch in der JVA Köln, ist direkter Kontakt strikt verboten. Das sorgt für großen Unmut bei den Insassen.

Ein Auszug aus dem Brief: „Seit dem 16. März 2020 findet in der JVA Remscheid nur noch ein eingeschränkter Besuch statt. Seitdem werden wir durch eine Trennscheibe von unseren Familien getrennt und können uns nur über eine eigens dafür eingerichtete Telefonanlage unterhalten. Ein Ende, so scheint es, ist nicht in Sicht, denn durch die weggefallenen Besucherkontrollen haben die Justizangestellten weniger Arbeit, was ihren Dienst natürlich vereinfacht.“

Laut den Insassen sind die Corona-Regeln im Gefängnis überholt. Zudem habe ein Filmteam bei der Aufzeichnung einer Folge des Kölner Tatorts gegen die Schutzverordnung verstoßen.

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Ein Auszug aus dem Brief der Häftlinge der JVA Remscheid

In dem Brief heißt es weiter: „Wie kann es sein, dass unsere sozialen Bindungen aufs Härteste belastet werden, im Gegenzug befand sich aber im September ein über 30-köpfiges Filmteam in der Anstalt und drehte Szenen für den neuen Köln-Tatort. Ein abschließendes Gruppenfoto ohne Mund- und Nasenschutz stellte auch kein Problem dar, sondern sorgte für allgemeines Wohlbefinden unter den Bediensteten. Im Hinblick auf dieses groteske Geschehen, stellen wir uns berechtigt die Frage, wann dürfen wir endlich wieder unsere Kinder und Frauen in den Arm nehmen?“

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Blick aus einer Zelle in der Justizvollzugsanstalt Köln, aufgenommen im August 2011.

In dem Brief hinterfragen die Insassen eine Vielzahl von Regeln, wie etwa, dass trotz bestehender Maskenpflicht für das Personal bis zu 40 Häftlinge zusammen duschen müssen. „Hier wird ein Regelwerk aufgestellt, das sich jedem Sachverstand entzieht und zu keiner logischen Schlussfolgerung kommen kann“, kritisieren sie.

JVA Remscheid: Häftlinge kritisieren Corona-Regeln im Gefängnis

Doch für Katja Grafweg, der Leiterin der JVA Remscheid, ist der Fall glasklar. Auf EXPRESS-Anfrage sagt sie: „Die Besuche von Inhaftierten in der JVA Remscheid finden, den landesweiten Vorgaben entsprechend, in der Form statt, dass Körperkontakte zwischen Besuchern und Inhaftierten ausgeschlossen sind. Diese Einschränkungen sind notwendig, um die ungebremst hohe Infektionsgefahr für die Inhaftierten und Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten.“

Ein Flur in der JVA Köln

Ein Flur in der JVA Köln

Für die Insassen der JVA Remscheid gebe neben dieser Form von Besuchen auch die Möglichkeit, Angehörige und Freunde über Skype-Kontakte zu erreichen, so die JVA-Chefin.

Für die Häftlinge, die ihre Angehörigen gerne wieder in den Arm nehmen würden, heißt es also, dass sie weiterhin die Tage zählen müssen. Entweder bis sie freigelassen werden oder die Regeln für Besuche gelockert werden.

JVA: Häftlinge wollen ihre Familien wiedersehen

Am Ende des Briefes aus dem Gefängnis heißt es noch: „Die Nerven unserer Eltern, Kinder, Ehefrauen und Lebenspartnerinnen liegen allmählich blank und mit jedem Tag, an dem wir ohne vernünftigen Besuch auskommen müssen, wird die Situation unerträglicher. Wir, die Gefangenen, sind im Begriff, unsere wichtigste Stütze zu verlieren, um wieder erfolgreich resozialisiert zu werden.“

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