Vor fünf Jahren Sein Foto von der Kölner Silvester-Schande ging um die Welt

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Fotograf Markus Böhm spricht im EXPRESS über die Silvesternacht 2015.

Köln – Vergessen ist sie noch lange nicht, vielleicht wird sie das auch nie: Die Silvester-Schande von Köln 2015. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Köln stammte ein Großteil der Beschuldigten aus Algerien und Marokko. Die Vorkommnisse in Köln sorgten weltweit für Schlagzeilen und waren ein Schlag gegen die Willkommenskultur in der Flüchtlingspolitik.

Maßgeblichen Anteil daran und vor allem zur Aufklärung hatte jener Mann, der in der Silvesternacht vor Ort am Dom eigentlich nur privat ein paar Aufnahmen vom Feuerwerk machen wollte: Markus Böhm (43) aus Troisdorf.

Silvesternacht Köln: Fotograf aus Troisdorf machte historisches Foto

Dann aber reagierte er geistesgegenwärtig und dokumentierte mit seiner Canon EOS 700-Kamera und einem Camcorder das Chaos. „Ich denke sehr oft an diese krassen Ereignisse. Ich kann nicht verstehen, wie man so etwas machen kann. Man muss seine Mitmenschen mit Respekt behandeln“, sagt er.

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In der Kölner Silvesternacht 2015 kam es in Köln zu sexuellen Übergriffen gegenüber Frauen.

Ob er nochmal draufhalten würde in so einer Situation? Böhm muss nicht lange überlegen, um zu antworten: „Ja, das würde ich machen. Man weiß ja heute, ich dass ich so zur Aufklärung beigetragen habe.“

Mutig war es auf jeden Fall. Denn als „Nazi“ und „Jude“ gleichermaßen musste sich der Feuerwehrmann aus Troisdorf von den aggressiven und völlig losgelöst agierenden Tätern beschimpfen lassen, wie Böhm erzählt.

Köln: Silvester-Fotograf verkaufte Bilder in die ganze Welt

Als er damals am Neujahrsmorgen die Videos auf youtube hochlud, dämmerte ihm kurz danach bereits mit Blick auf die Aufrufzahlen, was für eine Lawine er da mit losgetreten hatte.

Er sagt heute: „Die Anfragen kamen aus der ganzen Welt. Praktisch aus allen Ländern, die man so kennt. CNN, New York Times, BBC, alle verwendeten sie.“

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Markus Böhm (43) ist auch Feuerwehrmann in Troisdorf.

Wieviel er mit den Aufnahmen verdient hat, darüber mag er nicht sprechen. Den Großteil habe er aber in soziale Projekte investiert.

Er freut sich, dass nun am Jahrestag die Bilder wieder gefragt sind und hat sie unter anderem an das Fernsehmagazin  „Akte 2020“ verkauft. Anders als in der letzten Jahren werde er diesmal an Silvester nicht rund um den Dom unterwegs sein.

Silvesternacht Köln: Hass-Kommentare gegen Fotografen im Netz 

Sein eigenes Welt- und Stimmungsbild hat die Nacht von 2015 definitiv geändert. Böhm: „Ich passe mehr auf und gehe anders mit meinen Mitmenschen um. Ich nehme das Leben lockerer und versuche nicht alles ernst zu nehmen.“

Dass in den sozialen Netzwerken noch immer böse Kommentare unter seinen Videos gegen ihn auftauchen, stimmt ihn nachdenklich: „Wenn der Staatsschutz manche davon lesen würde, oweia...“

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